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Mit Falle in Haft: Kinderschänder in Verden vor Gericht

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Von: Wiebke Bruns

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Ein Mann sitzt im Gerichtssaal und hält einen Aktendeckel  vor sein Gesicht.
Der einschlägig vorbestrafte Angeklagte steht seit Mittwoch in Verden erneut vor Gericht. Angeklagt sind Missbrauchsfälle gegen kleine Kinder. © Bruns

Prozessauftakt vor dem Landgericht nach Taten in Thedinghausen

Verden – Ein vorbestrafter Kinderschänder aus Thedinghausen soll dort zwischen März und Dezember 2021 drei Kinder im Grundschulalter sexuell missbraucht und fotografiert haben. Beim gestrigen Prozessauftakt am Landgericht Verden hat der 36-Jährige drei der vier angeklagten Fälle gestanden. Zur Sprache kamen weitere Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs und wegen Besitzes kinder- und jugendpornografischer Dateien.

Laut einer Polizeikommissarin wurden bei einer Hausdurchsuchung kinder-, jugend- und tierpornografische Dateien gefunden. 822 davon sollen Kinder, teils Säuglinge, zeigen und 149 Jugendliche. Seit dem 1. März 2022 sitzt der wegen Missbrauchs einschlägig vorbestrafte und offenbar unter Bewährung stehende Mann in Untersuchungshaft.

Um ihn festnehmen zu können, hatten Beamte dem aus Osterholz stammenden Angeklagten am 28. Februar eine Falle gestellt. Er hatte im Internet „mobile Massagen“ angeboten. Unter dem Namen „Amanda“ hatte die Kommissarin, die gestern aussagte, ein Treffen in Oyten vereinbart und gefragt, ob der Sohn ihrer Freundin nach Schulschluss auch dabei sein könne. Daraufhin habe der Angeklagte angeboten, „den Jungen auch zu massieren und zwar gratis“.

Aus der Aussage eines Vaters, der nach einer Massage für sich gesucht hatte, sei bekannt gewesen, dass der Angeklagte „aktiv nachgefragt hat, ob er auch dessen Kinder massieren dürfte. Sein Angebot sollen „Entspannungsmassagen“ gewesen sein, „sodass die Kinder ruhiger werden.“

Als der Angeklagte zu dem vereinbarten Treffpunkt mit „Amanda“ nach Oyten kam, erwarteten ihn die Kommissarin und zwei Kollegen. Liege, Massage- und Gleitgel sowie weiteres Zubehör habe er im Fahrzeug gehabt, berichtete die Zeugin.

Selbst wollte sich der Angeklagte gestern nicht äußern und ließ seinen Verteidiger für sich sprechen. Weil er die Taten drei bis vier eingeräumt hat, müssen die beiden jungen Opfer nicht mehr in dem Prozess aussagen. „Objektives Beweismaterial in Form von Bildern liegt vor“, merkte der Vorsitzende Richter Lars Engelke an.

Dem Opfer aus dem ersten Fall wird aber nach derzeitigem Stand eine Aussage nicht erspart bleiben. Das Kind soll eines seiner Massageopfer sein. Die Mütter aller drei Kinder will der Vorsitzende der 3. Großen Strafkammer zumindest dazu befragen, wie es den Kindern heute geht.

Verlesen wurden in der Verhandlung noch frühere Urteile. Das Amtsgericht Rotenburg hatte den Angeklagten unter anderem in den Jahren 2014 und 2015 wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen verurteilt, hieß es. Dem Urteil zufolge hatte der Beschuldigte bei den damaligen Taten wiederholt Kinder und Jugendliche mit Geld und Geschenken zur Durchführung oder Duldung sexueller Handlungen veranlasst.

Vorgesehen sind für den Prozess vier Verhandlungstage. Nach dem Geständnis könnte ein Urteil Mitte des Monats verkündet werden.

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