Zwei Bremer müssen sich verantworten

In elf Fällen am Tacho gedreht

+
Zwei Männer aus Bremen mussten auf der Anklagebank Platz nehmen.

Verden - Die Einführung eines „Car-Passes“ hatte die Verbraucherschutzministerkonferenz in Dresden erst vor einer Woche beraten. Die Minister wollten den zunehmenden Fällen durch Tacho-Manipulationen Einhalt gebieten.

Genau wegen solcher Betrugstaten müssen sich seit Mittwoch vor dem Landgericht Verden zwei Angeklagte aus Bremen im Alter von 32 und 37 Jahren verantworten.

Ursprünglich war Anklage gegen vier Männer beim Amtsgericht Verden erhoben worden. Doch dort befand man das Landgericht für zuständig. Dessen 2. Große Strafkammer wiederum eröffnete das Verfahren nur gegen die beiden Bremer. An allen elf Taten soll der 37-Jährige beteiligt gewesen sein. Dem 32-Jährigen werden vier zur Last gelegt.

Immer ging es um Modelle der Marke Audi und der Betrug lief stets nach dem selben Schema ab. Die Autos wurden mit deutlich niedrigeren Tachoständen zum Verkauf angeboten. Bei dem ersten Fall der Anklageschrift, der sich am 23. März 2012 in Verden ereignet haben soll und den Anstoß zu umfangreichen Ermittlungen gegeben hatte, soll ein Audi A6 mit 118 364 Kilometern angeboten worden sein. Tatsächlich habe der Wagen über 250 000 gelaufen, so der Vorwurf.

Servicehefte manipuliert

Nicht nur die Tachometer sollen manipuliert worden sein, sondern auch die Servicehefte, in denen der Kilometerstand bei jeder Wartung vermerkt wird. 14 000 Euro in bar zahlte der geprellte Kunde in Verden plus 200 Euro für Winterreifen, die ihm nachträglich zugeschickt werden sollten. Angekommen sind die Reifen nie.

In einem anderem Fall in Osterholz-Scharmbeck soll ein Wagen, tatsächlicher Kilometerstand 313 000, mit 148 000 Kilometern auf dem Tacho verkauft worden sein und sich dann noch als Unfallfahrzeug entpuppt haben. Andere Tatorte waren Hodenhagen, Delmenhorst, Hagen und Brake (Unterweser), wo ein Tachostand laut Anklage von 368 000 auf 144 632 manipuliert worden sein soll.

Betrogene Käufer

Bei einer Werkstatt im bayrischen Pfaffenhofen war laut Anklageschrift der Austausch eines Motors für 13 000 Euro in Auftrag gegeben worden. Als die Reparatur erledigt war, wurde nicht bezahlt, sondern das Auto heimlich vom Hof geholt.

Ein betrogener Käufer aus Buxtehude soll 12 300 Euro für einen Audi A4 bezahlt haben. Der Wert habe aber nur noch 3 500 Euro betragen, weil der Wagen statt der angegeben 97 800 bereits 316 000 Kilometer gelaufen hatte.

Nach dem Betrugsfall in Verden stieß die Verdener Polizei auf Zusammenhänge zu weiteren Taten bei denen der 37-Jährige teilweise unter demselben Alibi-Namen die Geschäfte abgewickelt haben soll. Telefonüberwachungen wurden gestartet und die Spur führte zu einer kleinen Autowerkstatt in Bremen mit weiteren Verdächtigen. Wer konkret an den Tachos gedreht hat und die Servicehefte gefälscht hat, konnte nicht nachgewiesen werden, berichtete der Ermittlungsführer im Zeugenstand.

Im Rahmen eines Verständigungsgesprächs wurde dem 37-Jährigen eine Bewährungsstrafe zwischen 14 und 21 Monaten in Aussicht gestellt und dem 32-Jährigen eine Geldstrafe von maximal 120 Tagessätzen. „Wenn Sie das Abnicken, erwarten wir ein Geständnis“, gab der Vorsitzende Richter Joachim Lotz den Angeklagten zu bedenken. Am 24. Mai soll der Prozess fortgesetzt werden.

wb

Lesen Sie auch: 

Niedersachsen kämpft gegen Tacho-Manipulation bei Gebrauchtwagen

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Erntefest in Neddenaverbergen 

Erntefest in Neddenaverbergen 

Trecker-Oldtimer-Treff in Vethem

Trecker-Oldtimer-Treff in Vethem

Schwarmer Familientriathlon

Schwarmer Familientriathlon

20 Jahre Gemüseabo in Dörverden 

20 Jahre Gemüseabo in Dörverden 

Meistgelesene Artikel

SPD-Fest ohne Sigmar Gabriel

SPD-Fest ohne Sigmar Gabriel

Radfahrer übersehen: 16-Jähriger schwer verletzt

Radfahrer übersehen: 16-Jähriger schwer verletzt

Wildwest im Steinweg

Wildwest im Steinweg

Verlegenheitslösung mit vielen Fragezeichen

Verlegenheitslösung mit vielen Fragezeichen

Kommentare