„Explosion war nicht geplant“

Rathaus-Attacke: Täter-Anwalt über die Tat

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Der 47-Jährige soll das Auto seiner Frau in das Rathaus gefahren, mit Benzin übergossen und angezündet haben.

Verden - „Mein Mandant sagt, er war mehrfach beim Bauamt, aber er hatte das Gefühl, dass man ihn da nicht ernst nimmt“, sagt Jörk Matthäi. Der Verdener Anwalt ist der Verteidiger des 47-Jährigen, der am Sonntag, 9. April, in das Verdener Rathaus gefahren ist.

„Es sei keine Explosion geplant gewesen und er wollte niemanden verletzen, schon gar nicht umbringen“, gibt er die Darstellung seines Mandanten wieder. Mit der Propangasflasche, die der Verdener im Kofferraum hatte, sei dies auch gar nicht möglich gewesen.

Es sei einfach Beton über potenzielle Altlasten gegossen worden

„Es geht bei dem Ärger um ein Mehrfamilienhaus an der Bremer Straße“, so der Anwalt und bestätigt damit schon lange kursierende Gerüchte. Doch nicht nur die Größe des Neubaus habe den 47-Jährigen zu der Tat getrieben. Zunächst seien im hinteren Bereich des Grundstücks Garagen gebaut worden. „Aufgeregt hat ihn, dass diese auf der Grenze stehen und keine Baulast eingetragen worden ist“, so Matthäi. Nicht sagen konnte er, ob es eine Baugenehmigung gibt.

Bei dem Haus sei die Sichtachse quer gesetzt worden. Die Giebelseite zeigt zur Straße. Der Blick aus Fenstern und Balkonen geht in die Gärten der Nachbarn. „Störend und wertmindernd“, so Matthäis Erklärung. Ein weiterer Punkt sei, dass das jetzt neu bebaute Grundstück früher mit einer Tankstelle und einer Werkstatt bebaut gewesen sei. „Mein Mandant sagt, dass überhaupt nicht geklärt wurde, ob Altlasten bestehen. Da sei einfach der Beton drüber gegossen worden.“ Bei der Stadt war am Dienstag für eine Stellungnahme dazu niemand mehr zu erreichen.

Mann habe eine 100-prozentige Behinderung

Sein Mandant sei schwer krank, fasste der Anwalt zusammen. Es bestehe eine 100-prozentige Behinderung, die unter anderem auf einer schweren Sehbeeinträchtigung basiert. Der 47-Jährige habe nur zwei Prozent Sehvermögen und gar keinen Führerschein. Dass er überhaupt den Weg zum Rathaus gefunden habe und dann so gezielt die Tür zu dem Neubau getroffen hat, wundert auch den Anwalt. „Er muss mit Schrittgeschwindigkeit gefahren sein.“

Erschwerte Bedingungen habe der 47-Jährige nun auch in der Untersuchungshaft. „Er kann doch nicht einmal den Speiseplan lesen.“ Ebenso wenig das Protokoll der Vernehmungen bei der Polizei, merkt der Strafverteidiger kritisch an. Es müsse geprüft werden, ob psychische Probleme bestehen, das sei nicht erst für den Prozess und die Frage der Schuldfähigkeit von Bedeutung.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Verden wurde Haftbefehl wegen Brandstiftung und dem Versuch des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion erlassen. Der 47-Jährige soll das Auto seiner Frau in das Rathaus gefahren, mit Benzin übergossen und angezündet haben. Unmittelbar nach der Tat hatte er sich am Tatort festnehmen lassen.

wb

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