Ex-Schießstandgelände beschäftigt Borsteler Ortsrat / Noch nichts Konkretes

Fünf Freiräume als Ergebnis

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Die Zukunft des ehemaligen Schießstandgeländes in Borstel beschäftigt Bürger und Politiker.

Borstel - Der Umgang mit dem ehemaligen Schießstandgelände in Borstel, er bleibt ein schwieriges Unterfangen. Das wurde am Mittwoch beim Ortsrat im Stephanus-Haus erneut deutlich. Dieses Mal stand die Umsetzung des von einer AG erarbeiteten Nutzungskonzeptes auf der Tagesordnung. Ob die zahlreichen Bürger am Ende nachvollziehen konnten, was die Mehrheit des Gremiums beschloss, darf bezweifelt werden.

Im März hatte Sprecher Dietmar Mertins das Nutzungskonzept der Arbeitsgruppe vorgestellt (wir berichteten). Danach lautete die Empfehlung, den größten Teil des Geländes, die Waldfläche, weitestgehend unberührt zu lassen. Die Gruppe sprach sich gegen eine parkähnliche Nutzung aus und plädierte dafür, nur Fuß- und Pirschwege, eventuell in Kombination mit einem Waldlehrpfad, vorzusehen.

Um das Thema voranzubringen, hatte die Stadtverwaltung nun zu der Sitzung am Mittwoch eine Beschlussvorlage entworfen, die dem Ortsrat die Möglichkeit ließ, eine Liste von Einzelmaßnahmen einzufügen. Ortsrats-Mitglied Jürgen Weidemann (FD) hielt sich aus der Diskussion komplett heraus. Es halte den Kauf des Schießstandgeländes nach wie vor für einen großen Fehler, begründete er sein Schweigen und weiter: „Mir wäre es am liebsten, der Bund wäre Eigentümer geblieben und an dem Zustand des Geländes wurden sich nichts ändern.“

Konkrete Maßnahmen beschloss der Ortsrat am Mittwoch aber ohnehin nicht. Mal abgesehen von der Demontage eines Fachwerkhäuschens. Das steht jetzt noch am Regenrückhaltebecken in der Carl-Hesse-Straße und soll aufs Schießstandgelände verlagert werden.

Das Gremium beschränkte sich ansonsten darauf, das ehemalige Bundeswehrareal in fünf sogenannte Freiräume aufzuteilen und diese unterschiedlichen Funktionen zuzuordnen: 1. Dorfgemeinschaftsplatz; 2. Versammlungs-/Aufenthaltsplatz, 3. Mehrgenerationenspielplatz; 4. Ehrenmal; 5. Waldgelände. Inhaltliches, die Umsetzung von Details in allen fünf Bereichen solle federführend der Borsteler Heimatverein übernehmen, in Abstimmung mit dem Ortsrat.

„Das Konzept der Arbeitsgruppe ist die Grundlage aller Planungen“, hatte Jürgen Moje (CDU) zuvor noch betont. Auf die entsprechende Umsetzung ließen die Äußerungen von Renate Rathmann, die Vorsitzende des Heimatvereins, allerdings so nicht schließen.

In einer Sitzungsunterbrechung hatte sie das Schießstandgelände als „grüne Lunge“ bezeichnet, von dem die Ortschaft profitieren solle. Und mit „diesem Egoismus“ müsse Schluss sein, hatte Rathmann auf die direkten Anwohner angespielt, die sich mehrheitlich für einen unzugänglichen Wald ausgesprochen hatten.

Für seinen Antrag, nur die Funktionsräume eins bis vier in die Obhut des Heimatvereins zu geben, fand Werner Meincke keine weiteren Befürworter. Der Grünen-Vertreter hatte unter anderem befürchtet, der Heimatverein könnte überfordert sein mit der Waldfläche. „Ich sehe die Gefahr nicht“, beschied Ortsbürgermeister Thomas Gern.

Auch seinen Antrag, die Stadt solle den vorderen Bereich auf Altlasten untersuchen, bis zum Ergebnis sei von weiteren Maßnahmen abzusehen, bekam Meincke so nicht durch. „Die Stadt weiß, dass da etwas sein könnte. Sie wird tätig werden, wenn klar ist, was passieren soll“, verdeutliche Wolfgang Leseberg die geltende Reihenfolge: erst die Maßnahme beschließen, dann nach Altlasten an der betreffenden Stelle suchen. Schließlich gab Meincke nach und machte aus dem Antrag eine Anregung.

Nach der Sitzung versuchte Christian Dibbern dann noch, seinem Herzen Luft zu machen. Als Nabu-Vertreter und Neu-Borsteler habe er an allen Sitzungen der Arbeitsgruppe teilgenommen. Sein eigentliches Fazit konnte er dann aber nicht loswerden.

So viel Unaufrichtigkeit wie im Borsteler Ortsrat sei ihm noch nie begegnet, lehnte er eine weitere Zusammenarbeit ab, wollte Dibbern sagen. „Das war die vergeudeste Zeit in meiner Naturschutzarbeit.“

kp

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