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Amtsgerichtsdirektor Seifert verlässt Verden: „Etwas schlechtes Gewissen“

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Von: Heinrich Laue

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Nach Bremen verabschiedet: der Verdener Amtsgerichtsdirektor Jürgen Seifert (Mitte). Weiter auf dem Bild, von links: die neue Rotenburger Gerichtsdirektorin Ulrike Niewels, deren Amtsvorgänger Joachim Kost, Stefanie Otte, Präsidentin des Oberlandesgerichts in Celle, und der Verdener Landgerichtspräsident Dr. Gerhard Otto. Er geht Ende April in den Ruhestand.
Nach Bremen verabschiedet: der Verdener Amtsgerichtsdirektor Jürgen Seifert (Mitte). Weiter auf dem Bild, von links: die neue Rotenburger Gerichtsdirektorin Ulrike Niewels, deren Amtsvorgänger Joachim Kost, Stefanie Otte, Präsidentin des Oberlandesgerichts in Celle, und der Verdener Landgerichtspräsident Dr. Gerhard Otto. Er geht Ende April in den Ruhestand. © Laue

Amtsgerichtsdirektor Jürgen Seifert geht zurück nach Bremen. Nach nur eineinhalb Jahren und damit um einiges früher als gedacht.

Verden – „Ich gehe mit etwas schlechtem Gewissen und auch Traurigkeit“, gab der scheidende Verdener Amtsgerichtsdirektor Jürgen Seifert zu. Der aus Hannover stammende 53-Jährige wechselt wie berichtet vorzeitig zurück nach Bremen, wo er den Vorsitz einer Strafrechtskammer übernehmen wird.

„Bestimmt kein leichter Job, aber den hat er schon früher erfolgreich bewältigt“, kommentierte der Verdener Landgerichtspräsident Dr. Gerhard Otto bei der offiziellen Verabschiedung im Saal des Dom-Gemeindezentrums.

Neben Gerichts-Chefs aus dem Landkreis Verden und Nachbarkreisen war auch Oberlandesgerichts-Präsidentin Stefanie Otte aus Celle zum Treffen der juristischen Führungskräfte angereist – dem ersten seiner Art nach der coronabedingten langen Pause.

Mitten in der harten Lockdownzeit im September 2020 hatte Seifert die Stelle des Amtsgerichtsdirektors übernommen. Sicher sei das anfangs eine bittere Zeit für ihn gewesen, macht die OLG-Präsidentin deutlich.

Wechsel vom Straf- zum Verwaltungsrecht

Statt des Strafrechts rückte das Verwaltungsrecht mit ständig wechselnden Corona-Bestimmungen und -Verstößen dagegen in den Mittelpunkt. Die Einschränkungen machten auch das Knüpfen neuer Kontakte etwa beim Mittagessen mit Kolleginnen oder Kollegen schwierig. „Vielleicht wäre er ohne Corona noch ein paar Jahre länger hiergeblieben“, vermutete Stefanie Otte.

Zwar bedauerten viele den Weggang des Amtsgerichtsdirektors nach nur eineinhalb statt der ursprünglich angepeilten rund fünf Jahre in Verden. „Die Tür zu Ihrer Rückkehr bleibt aber immer offen“, versicherte die Oberlandesgerichts-Chefin hoffnungsvoll, bevor sie und andere Abschiedsgeschenke überreichten.

Der auch mit der dazugehörigen Urkunde Geehrte deutete in seiner kurzen Dankesrede aber auch an, dass es Reibungspunkte mit Kollegen etwa zu nötigen personellen Verstärkungen und dem Einsatz dafür gegeben habe.

Allen Gerichtsteams in ihrem Zuständigkeitsbereich dankte Stefanie Otte dafür, dass sie es gemeinsam geschafft hätten, die Rechtspflege in schweren Zeiten aufrecht zu erhalten. Auch Herausforderungen wie die weitergehende Digitalisierung bis hin zur Nutzung künstlicher Intelligenz seien besser zu schaffen, „wenn man im Team zusammensitzt und auch mal gemeinsam lacht“, riet sie im Übrigen.

Noch eine weitere Verabschiedung stand in der kleinen Juristen-Runde an: Joachim Kost, der langjährige Direktor des Amtsgerichts Rotenburg, geht in den vorzeitigen Ruhestand.

„Wir lassen Sie sehr ungern gehen, und noch können Sie jetzt die Urkunden dazu zerreißen“, scherzte die OLG-Präsidentin. Darauf verzichtet der aus dem Ruhrpott stammende Kost erwartungsgemäß.

Er hatte nach eigenen Worten einst wegen extremer Langeweile in der Verwaltungsarbeit bei der Bundesstelle für Fernverkehr den Weg zum Richter eingeschlagen. Neben Dank und Anerkennung auch für sein früheres Engagement beim Aufbau des Gerichtswesens nach Ende der DDR erhielt er besonders Lob wegen seines „gelassenen, ausgeglichenen Wesens“. Ein Kollege ergänzte allerdings, dass Joachim Kost durchaus „sehr klare Ansagen“ machen könne, wenn es nötig sei.

In Rotenburg ist die Nachfolge an der Spitze des Gerichts schon geregelt. Ulrike Niewels wechselt von ihrem bisherigen Führungsjob in Walsrode zum Gericht in der Wümmestadt.

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