1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Verden

Liebe auf den ersten Blick – bei Bier und Bratwurst

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Heinrich Kracke

Kommentare

Drei Ehepaare auf dem Sofa.
In 30 Jahren nicht aus den Augen verloren: Anette und Mick Hodsworth (l.), Bianca und Dean Jones (Mitte) und Billy und Terry Baxter. © Privat

Von Brexit keine Spur: Anette und Mick Hodsworth kamen nach 30 Jahren dorthin, wo alles begann: auf die Domweih.

Verden – Manchmal geht etwas sehr schnell und dauert dann doch etwas länger. Anette Hodsworth kann ein Lied davon singen. Ein Song, bei dem ihre Augen leuchten. Erst jetzt wieder. An den Tagen der Domweih. Im südwestenglischen Devizes lebt sie, weit weg von Aller-Mündung und fünfter Jahreszeit. Aber diesmal kehrte sie dorthin zurück, wo alles begann. „Wir haben uns vor 30 Jahren in Verden kennengelernt“, sagt sie mit einem Strahlen im Gesicht. Wir, das ist sie, das ist ihr Ehepartner Mick. Eine Romanze, die mit einem Volltreffer begann.

„Ich habe damals als Aupair in Verden gearbeitet“, sagt sie. 20 Jahre jung. „The Summer of 1992“. Was wie ein Musiktitel mit Hitparaden-Chancen klingt, ist eigentlich eine doppelt feuchtfröhliche Angelegenheit. Damals schwamm sie morgens ein paar Runden im Freibad. Der Name Verwell war noch nicht erfunden, als die Geschichte ihren Anfang nahm. „He threw a small rugby ball at me“, erinnert sie sich der ersten Begegnung mit dem damals 21-Jährigen, der auf den Namen Mick hört. Freunde kamen hinzu. Sie verabredeten sich für den Abend. „It was my first ever Domweih.“

Was dann passierte, gibt sie folgendermaßen zu Protokoll: „It was love at first sight over a beer and bratwurst.“ Es war Liebe auf den ersten Blick bei Bier und Bratwurst. Sechs Monate später heirateten sie, 30 Jahre und zwei Kinder später trafen sie sich jetzt mit alten Freunden auf jener Festmeile, die vielleicht in der Region eine magische Anziehungskraft auslöst, im fernen Großbritannien aber in die Schublade Insiderwissen gehört.

Alle sechs, die dieser Tage ein Wiedersehen in Verden feierten, sie hatten sich in den Jahren nach dem Abzug der britischen Streitkräfte nicht aus den Augen verloren. Zwei von ihnen sind sogenannte Soldatenkinder, die anderen waren in Verden stationiert. Die Verdenerin Bianca Jones hielt den Kontakt.

Sie organisierte beispielsweise die etwas andere Stadtführung. Ein Besuch der Kasernen gehörte zum Beispiel dazu, jenen Anlagen, in denen heute die Kreisverwaltung ihren Sitz hat. „Sehr schön, dass auch die Unterkünfte in ihrer Backsteinbauweise erhalten blieben“, fanden etwa Billy und Terry Baxter. Sogar kleine eingeritzte Inschriften an den Außenwänden hatten die Zeiten überdauert. „Die standen damals schon da. Wir haben sie jetzt wiedergefunden.“ Eine nächste Normalität von damals löste ebenfalls Erinnerungen aus. Der Weg in die Stadt führte an einer Institution jener Tage vorbei, an der Pizzeria Davide. „Das kannte jeder Soldat. Hier haben wir uns oft mit italienischen Spezialitäten versorgt, sehr oft.“

Die Domweih indes, das nächste Ziel, erstmals nach zwei Jahren Pause wieder an den Start gegangen, sie präsentierte sich mit vielen gewohnten Eindrücken, aber auch einigem Neuen. „Der Umzug fiel etwas ruhiger aus.“ Das berichtete jedenfalls die nachrückende Generation, es berichteten die Enkelkinder. „Früher konnten sie mehr Bonbons sammeln. Auch kleine Brötchen aus einer Bäckerei gehörten dazu. Vielleicht beim nächsten Mal wieder.“

Dass es ein nächstes Mal gibt, steht für alle sechs fest. Vielleicht schon im kommenden Jahr.

Auch interessant

Kommentare