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Serie Hinterm Tresen: Dogan Can vom „Kebap House“ in Verden

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Von: Katrin Preuß

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Eigentlich ist Dogan Can Anhänger von Fenerbahce Istanbul. Der türkische Süper-Ligist ist wiederum eng verbunden mit Christoph Daum und Toni Schumacher, die auch beim 1. FC Köln ihre Spuren hinterlassen haben. Darum hat der 38-Jährige in seinem „Kebap House“ eine Fahne der „Geißböcke“ hängen.
Eigentlich ist Dogan Can Anhänger von Fenerbahce Istanbul. Der türkische Süper-Ligist ist wiederum eng verbunden mit Christoph Daum und Toni Schumacher, die auch beim 1. FC Köln ihre Spuren hinterlassen haben. Darum hat der 38-Jährige in seinem „Kebap House“ eine Fahne der „Geißböcke“ hängen. © Preuß

Sie servieren uns unser Essen; sie nehmen uns beim Arzt im Empfang, sie wiegen für uns die Wurst ab, tüten Brötchen ein, empfehlen uns spannende Bücher, beraten und informieren uns. Ihre Gesichter sind uns oft seit vielen Jahren vertraut und doch wissen wir nur wenig über die Menschen hinterm Tresen. Das möchten wir ändern und in dieser Serie einige von ihnen vorstellen.

Verden – Am Anfang war ein Schild mit der Aufschrift „Aushilfe gesucht“: „Dann hat sich das so entwickelt mit dem Döner“, sagt Dogan Can und lächelt verschmitzt. „Das war eigentlich überhaupt nicht geplant.“ Mit „das“ meint der 38-jährige Eystruper sein „Kebap House“, das er und Ehefrau Zozan seit April 2011 in Verden betreiben. Erst in der Großen Straße, seit dem Feuer im Frühjahr 2018, bei dem das Gebäude abbrannte, in der Ostertorstraße.

Dort schmeißt Dogan Can das „Kebap House“ zurzeit weitestgehend allein. Nur zur mittäglichen Rushhour kommt eine Aushilfe. „Ich versuche, meiner Familie ein gutes Lebens zu bieten“, das ist sein Antrieb.

Sechs Tage pro Woche von morgens bis abends im Einsatz

Das Paar hat zwei Töchter, Lara (8) und Amara (2). Die brauchen ihre Mama zu Hause. „Wenn die Kleine in den Kindergarten geht, dann kommt sie wieder“, sagt Can. Von morgens bis abends, an sechs Tagen pro Woche, ist der 38-Jährige im Einsatz. Nur samstags, daheim in Eystrup, ist er ausschließlich Ehemann und Papa.

Schon um kurz vor 11 Uhr, für manche noch Frühstückszeit, stehen die ersten am Tresen. Schüler, die lieber Döner als ein Pausenbrot essen, Werktätige, die das Mittagessen für die Kollegen gleich mit holen. Einige bestellen telefonisch vor. Manche müssen nur ihren Namen nennen, dann weiß Can schon, was sie wollen. Stammkunden eben.

Der Gastronom muss flitzen. Trotzdem bleibt immer Zeit für ein freundliches Lächeln, ein nettes Wort, ein bisschen Fachsimpelei über Fußball. „Mein Lieber“, „meine Liebe“, so spricht er seine Gäste an.

Erste Erfahrungen in der Küche als Zivi gesammelt

Die ersten Erfahrungen am Herd hatte er beim Zivildienst im Johannisheim und dann im damaligen Döner-Lokal im Verdener Bahnhof gesammelt. Dort hatte der Besitzer seinerzeit die Aushilfe gesucht. „Ich bin einfach reingegangen und hab’ gefragt“, berichtet Can.

Viel zu verlieren gab es ja nicht. Hinter dem jungen Mann lag eine berufliche Durststrecke. Gelegenheitsjobs spülten nur wenig Geld in die Kasse. Und so war er mit Anfang 20 noch immer auf elterliche Unterstützung angewiesen. Und auf Hartz IV. Da kam die Möglichkeit, sich etwas dazuzuverdienen, gerade recht.

„Diesen Job muss man lieben, um ihn zu machen“, sagt er heute. Liebenswert sei er vor allem durch die Kunden. „Man hat immer Gespräche. Ich habe so viele Menschen kennengelernt. Ich kenn’ ja halb Verden.“

Geboren wurde Dogan Can 1983 in der Türkei. An seine ersten Lebensjahre kann er sich nur ganz dunkel erinnern, denn schon mit fünf Jahren ging es für den Steppke und seine Familie nach Deutschland. Aber eines weiß er noch: In der Türkei sei die Familie immer Teil einer Randgruppe gewesen. „Das hängt damit zusammen, das ich Kurde bin und auch noch Jeside.“

In der Türkei geboren, im Ammerland aufgewachsen

Den Weg nach Deutschland vergleicht der 38-Jährige mit einer Odyssee, die ihr vorläufiges Ende dann in einer Flüchtlingsunterkunft in Oldenburg fand. „Mein Vater wollte nach Niedersachsen“, erklärt Dogan Can. Denn seinerzeit lebten hier besonders viele Jesiden. Von Oldenburg wurde die Familie dem Kreis Ammerland zugewiesen. „Und so bin ich von 1990 bis 2002 in Westerstede aufgewachsen.“

Auch seine jugendliche Sturm- und Drangzeit verbrachte er in der ammerländischen Kreisstadt. Eine Zeit, in der das Lernen keine Priorität für ihn hatte, wie er freimütig einräumt. Auf die Hauptschule folgte der Besuch der BBS in Bad Zwischenahn. „Da war ich schon auf dem Weg der Besserung“, kommentiert er lachend, dass er dort mit den schulischen Leistungen langsam bergauf ging. Und mit dem Ehrgeiz.

Nach dem Umzug nach Dörverden – der Vater hatte in Verden eine Anstellung gefunden – legte sich beim Junior dann endgültig der Schalter um. An den BBS in Dauelsen machte er zunächst den erweiterten Realschulabschluss und besuchte anschließend das Wirtschaftsgymnasium.

Dass er das nach der zwölften Klasse verlassen hat, ärgert Dogan Can bis heute. Die Idee war es, mit dem theoretischen Teil der Fachhochschulreife in der Tasche, eine Ausbildung zu starten und damit auch die praktischen Voraussetzungen zu erfüllen. Doch der Plan des jungen Mannes ging nicht auf.

Auf 150 Bewerbungen nicht eine Zusage

Alles in allem habe er wohl 150 Bewerbungen geschrieben, schätzt er. Doch niemand habe ihn gewollt. „Ich habe keine abgeschlossene Ausbildung“, sagt er mit Bedauern in der Stimme. „Meine Frau sagt, ich habe zu früh aufgegeben“, berichtet er. „Aber ich war auch müde“, fasst er seinen Frust von damals mit einem Wort zusammen.

Der Frust ist mittlerweile dem Glück gewichen. „Eine Tür geht zu, eine Tür geht auf“, kommentiert er den Brand, der ihn und seine Frau mit dem „Kebap House“ schließlich an den neuen, besseren Standort geführt hat. Es scheint ein Lebensmotto zu sein, das ihn durch schwierige Zeiten trägt.

Von Haus aus Optimist

Er ist von Haus aus Optimist, freundlich, zuvorkommend, immer gut gelaunt. Und mit sozialem Gewissen. Er sammelte bereits für die Jesiden. Und im vergangenen Sommer für die Opfer der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Mehr als 3 200 Euro kamen zusammen.

Anderen zu helfen, für den 38-Jährigen eine Selbstverständlichkeit, damit, so sagt er, könne er etwas von der Unterstützung zurückgeben, der seine Familie und er vor mehr als 30 Jahren bei ihrer Ankunft in Deutschland erhalten hätten.

Von Katrin Preuß

Kontakt

Kennen auch Sie – als Kunde oder Arbeitgeber – eine Verdener „Tresenkraft“, die wir Ihrer Ansicht nach einmal vorstellen sollten? Dann nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf: Telefon 04231/801142 oder per E-Mail an redaktion.verden@kreiszeitung.de, Stichwort „Hinterm Tresen“.

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