Freude über Rückzug von Wintershall Dea – aber Skepsis bleibt

„Es ist noch nicht ausgestanden“

Vorerst aufatmen können die Gasbohrgegner, die – wie hier 2019 in Oyten im Gespräch mit Umweltminister Lies – in großer Geschlossenheit gegen die Suche nach neuen Erdgasvorkommen durch die Wintershall Dea protestiert und Widerstand geleistet haben. 
Archivfoto: Holthusen
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Vorerst aufatmen können die Gasbohrgegner, die – wie hier 2019 in Oyten im Gespräch mit Umweltminister Lies – in großer Geschlossenheit gegen die Suche nach neuen Erdgasvorkommen durch die Wintershall Dea protestiert und Widerstand geleistet haben. Archivfoto: Holthusen

Landkreis – Der nördliche Teil des Landkreises Verden kann vorerst aufatmen: Wie berichtet, verzichtet das Unternehmen Wintershall Dea künftig darauf, in den Gebieten „Unterweser“ und „Werder“ nach Erdgas zu suchen. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass der Erdgasförderer die Erlaubnisse noch vor Ablauf der Frist zurückgibt. Während das kleinere Gebiet „Werder“ mit 85 Quadratkilometern Teile Achims und Thedinghausens umfasst, erstreckt sich das knapp 790 Quadratkilometer große Gebiet „Unterweser“ zu 40 Prozent auf Bremen. Die restliche Fläche reicht von Schwanewede im Landkreis Osterholz über Tarmstedt im Kreis Rotenburg bis nach Bassen und Ottersberg im Landkreis Verden.

„Ich freue mich, das ist eine sehr schöne Nachricht“, sagte der Ottersberger Bürgermeister Tim Willy Weber. Er sei vor allem um die Trinkwasserqualität besorgt gewesen, hätte Wintershall Dea tatsächlich nach neuen Erdgasvorkommen gesucht. Auch sein Achimer Kollege Rainer Ditzfeld sieht das so. „Ich bin froh, dass Winters-hall Dea von sich aus einen Rückzieher macht.“

Er habe die Nachricht, dass der Erdgasförderer die bergrechtlichen Erlaubnisse zurückgebe, „mit großer Freude“ an die Ratsmitglieder weitergeleitet, berichtete Thedinghausens Bürgermeister Harald Hesse. Als Vorsteher des Trinkwasserverbands Verden sei er „sehr erleichtert, dass sie nicht in der Trinkwasserzone weitermachen“. Auch wenn das Unternehmen betont, dass es sich bei dem Rückzug um einen rein wirtschaftlichen Schritt handele, geht Hesse davon aus, dass das Engagement der Bürgerinitiative „No Moor Gas“ viel dazu beigetragen habe. „Ich glaube, Winters-hall Dea hat gemerkt, dass da einiges schief läuft.“ Nachdem alle zusammen das Vorhaben abgewehrt hätten, sei es nun wichtig, alternative Möglichkeiten der Energieversorgung zu entwickeln.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Axel Miesner dankte der Dea in einer Stellungnahme, dass „sie die Meinungsbildung in den beiden Landkreisen Osterholz und Verden sowie der Städte und Gemeinden im Gebiet aufnimmt und ernst nimmt“. Zudem habe die Bevölkerung in aller Geschlossenheit demonstriert, dass sich „unsere dicht besiedelten Landkreise nicht für die Erdgasförderung eignen“.

Seine Kollegin, die Sozialdemokratin Dr. Dörte Liebetruth, wertete die Rückgabe der Lizenzen lediglich als Etappensieg. Es gebe noch keinen Grund zur Entwarnung für die Kreisverdener Bevölkerung, warnte sie. Denn es sei nicht auszuschließen, dass sich ein anderes Unternehmen um die Explorationserlaubnisse „Werder“ und „Unterweser“ bemühe, so die Landtagsabgeordnete. Außerdem benenne Winters-hall Dea die bestehende Kreisverdener Erdgasförderung „trotz aller Erdbebenereignisse und anderer Risiken und negativen Auswirkungen auf Menschen und Umwelt als eines von drei ,Kern-Assets’“, so Liebetruth weiter. „Von einer Einsicht, dass die Erdgasförderung im dicht besiedelten Landkreis Verden angesichts der Erdbebenereignisse und Risiken für das Grundwasser ein Auslaufmodell sein muss, ist bei Wintershall Dea keine Spur. Selbst im Trinkwasserschutzgebiet Panzenberg fördert das Unternehmen weiter Erdgas, obwohl spätestens die Korrosionsschäden an Rohren bei der Erdölförderung in Emlichheim (Landkreis Grafschaft Bentheim, d. Red.) gezeigt haben, wie die Sicherheitsvorkehrungen der Firma versagen können.“

Die Landtagsabgeordnete fordert das Unternehmen auf, sich „endlich zukunftsfähige Geschäftsfelder jenseits der Erdgas- und Erdölförderung zu suchen, mit denen das Unternehmen Mensch und Umwelt dient, statt sie weiter rücksichtslos Risiken auszusetzen“.

Solange im Landkreis Verden weiter Erdgas gefördert werde, sollten alle, die das mit Sorge sehen, trotz des aktuellen Etappensieges gemeinsam an dem Thema dranbleiben, empfiehlt die Sozialdemokratin.

Das sieht Birgit Münkner, Sprecherin der Bürgerinitiative „No Moor Gas“, genauso. „Im ersten Moment freuen wir uns sehr über die Nachricht, aber wir bleiben weiterhin als Bürgerinitiative organisiert. Es ist noch nicht ausgestanden.“ Schließlich sei erst einmal abzuwarten, ob sich nicht ein anderes Unternehmen um die Genehmigung zur Erdgassuche bemühe. „Wir werden also weiterhin regelmäßig beim zuständigen Bergbauamt nachfragen, ob Anträge vorliegen“, so Münkner. Und aus diesem Grund sollen auch die roten Kreuze an den Straßenrändern stehen bleiben.

Von Sandra Bischoff

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