Claudia Wehrstedt: „Es ist mir eine Ehre, dabei zu sein“

Als Ratsneuling zur stellvertretenden Verdener Bürgermeisterin gewählt

Eine Frau im Wald geht mit zwei Großpudeln an der Leine spazieren.
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Nach der Arbeit geht es für Claudia Wehrstedt erst einmal in den Wald. Die beiden Großpudel Eron (l.) und Hermine wollen ausgeführt werden.

Neu im Stadtrat und gleich zur stellvertretenden Bürgermeisterin gewählt worden: ein ganz schöner Sprung, den Claudia Wehrstedt da gemacht hat. Und ein guter Grund, das neue MItglied der Verdener SPD-Ratsfraktion vorzustellen.

Verden – Claudia ... wer? Die Stadt Verden hat eine neue stellvertretende Bürgermeisterin. Neben Anja König von der CDU und Johanna König von den Grünen steht auch Claudia Wehrstedt aus der SPD-Fraktion zur Verfügung, wenn es darum geht, bei repräsentativen Anlässen für Lutz Brockmann einzuspringen.

Es ist ein hohes Amt, zumal für jemanden, der ganz neu im Stadtrat ist. Und es ist ein wunderbarer Anlass, Claudia Wehrstedt vorzustellen. Ein Termin für die Presse ist schnell gefunden. Am besten gleich nach der Arbeit, schlägt sie vor. Also geht es an einem Nachmittag gemeinsam mit den beiden Großpudeln Hermine und Eron ins Grüne. Das erschwert zwar das Mitschreiben, schafft aber eine entspannte Atmosphäre, in der es sich gut reden lässt. Und dass tut die 58-Jährige dann auch.

Eine echte „Bücherfresserin“

„Es ist mir eine Ehre, dabei zu sein“, kommentiert sie ihre Wahl in den Stadtrat. Dann erzählt sie von ihren drei Töchtern, 25, 29 und 30 Jahre alt. Davon, wie es ist, im Wald zu wohnen – „Ich kann sonntags morgens um 8 Uhr die erste Hunderunde im Schlafanzug drehen“. Sie spricht über ihre Liebe zur Literatur –  „Ich fresse Bücher“, verrät, dass sie und ihr Mann sich gegenseitig vorlesen, aktuell „Orlando“ von Virginia Woolf.

Sie plaudert über ihren beruflichen Werdegang, der einst mit einer Ausbildung zur Zahnarzthelferin begann und sie schließlich über den zweiten Bildungsweg, Abitur, Studium und die Dozenten-Tätigkeit für Deutsch als Fremdsprache zur ALV brachte, einer Anstalt des Landkreis Verden, zuständig für die Grundsicherung für Arbeitssuchende. Und sie verrät, wie sie nun zu ihrem neuen Ehrenamt kam, das sie auch in den Verwaltungs- und den Kulturausschuss der Stadt führt.

Von Gunda Schmidtke „angeworben“

„Ich glaube, ich kann gut mit Menschen umgehen. Und ich habe kein Problem damit, vor Menschen zu sprechen“, sagt die 58-Jährige über sich. Diese Selbsteinschätzung habe sie innerhalb der SPD offen kundgetan, berichtet sie schmunzelnd. Sie als stellvertretende Bürgermeisterin vorzuschlagen, das war dann quasi die logische Konsequenz.

Dass Claudia Wehrstedt nun aber überhaupt bei der Kommunalwahl für die Verdener SPD antrat, war kein Selbstgänger. Es sei die damalige Ratsvorsitzende Gunda Schmidtke gewesen, die sie gefragt habe, ob sie sich vorstellen könne zu kandidieren, berichtet sie. Die beiden Frauen kannten sich schon lange über die Arbeit, Schmidtke als Geschäftsführerin des Familienhilfeträger Fokus, Wehrstedt als Arbeitsvermittlerin bei der ALV.

„Ich habe nicht nach politischer Arbeit gesucht“, gibt die gebürtige Bremerhavenerin zu. „Aber immer nur meckern geht ja auch nicht.“ Also habe sie Gunda Schmidtke nach ein paar Tagen Bedenkzeit zugesagt.

Aber worüber meckert Claudia Wehrstedt? Sie denkt kurz nach, antwortet dann vorsichtig: „Ich meckere zum Beispiel, dass bestimmte Bereiche nicht so angeguckt werden. Ich möchte nicht, dass bestimmte Bürgergruppen abgehängt werden.“

So sei in den zurückliegenden Jahren beispielsweise bei den Geflüchteten viel gemacht worden. Nun gelte es, den Blick wieder zu weiten, andere Hilfebedürftige, beispielsweise Langzeitarbeitslose, zu unterstützen. Auch, um zu verhindern, dass sich hier Fronten aufbauten.

Vorbereitungen via Zoom-Konferenz

„Menschen & Politik verbinden – mit Herz“, mit diesem Slogan trat Claudia Wehrstedt zur Kommunalwahl am 12. September an. Auf Platz 9 der Liste. „Ein Wackelplatz“, sagt sie. Um für den Fall der Wahl aber keinen kompletten Kaltstart hinlegen zu müssen, führte Ratsherr Ingo Neumann sie in sonntäglichen Zoom-Konferenzen in die kommunalpolitische Arbeit ein.

Manches, wie Arbeit in den Gremien, war ihr durch den Beruf schon bekannt. Vieles andere, das weiß sie, will und wird sie lernen. Bammel habe sie jedenfalls nicht, betont sie. „Wir haben keinen Fraktionszwang, niemand muss sich verbiegen“, berichtet Claudia Wehrstedt. Dass sie so authentisch bleiben könne, sei ihr wichtig, „und es schützt auch vor Bammel“.

Dabei ist ihr klar, dass sie als Mitglied des Stadtrates auch unpopuläre Entscheidungen treffen muss. „Man muss versuchen, es den Leuten zu erklären“, glaubt sie. So kenne sie es aus der täglichen Arbeit. So habe sie es während des Wahlkampfes so erlebt, vor allem im Gespräch mit jungen Menschen.

Auf ihr politisches Ehrenamt freut sie sich, sowohl auf die Arbeit in den Gremien als auch auf die als stellvertretende Bürgermeisterin. Und dabei guckt sie schelmisch zur Seite und sagt mit Blick auf die Besetzung der SPD-Ratsfraktion: „Das ist toll: Wir sind sechs Frauen und fünf Männer.“

Von Katrin Preuß

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