Politik will neue Strategie

Baustart der Verdener Nordbrücke verzögert sich – weil eine Genehmigung fehlt

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Die Luftaufnahme zeigt den Verlauf der Allerbrücke in Richtung Verden. 

Der Baubeginn der Verdener Nordbrücke muss um ein Jahr verschoben werden. Der Grund: Es fehlt noch eine entscheidende Genehmigung der Denkmalschutzbehörde. Nun drängen Teile der Verdener Politik auf einen generellen Strategie-Wechsel bei den großen Projekten der Allerstadt.

  • Das erste Fundament für den Ersatzneubau der Allerbrücke hätte 2021 gelegt werden sollen
  • Doch eine Genehmigung der Denkmalschutzbehörde verzögert den Bauplan
  • Verdener Politik fordert Strategie-Wechsel

Update vom 24. Januar:Verdens CDU-Fraktionschef Jens Richter bringt jetzt im Rahmen einer offiziellen Ratsanfrage eine zeitnahe Umgestaltung des Johanniswalls ins Spiel. Konkret schreibt der Christdemokrat: „Die Neugestaltung des Johanniswalls ist mit der Begründung verschoben worden, zunächst den Neubau der Nordbrücke abzuwarten. Hält die Verwaltung an dieser Begründung fest oder teilt sie die Auffassung der Fraktion, dass mit den Planungen für ,das Eingangstor der Stadt`unabhängig von der Nordbrücke begonnen werden kann?“

Fertigstellung der Nordbrücke erst im Jahr 2026

Tatsächlich droht das Provisorium rund um Kreisel, Wall und Großer Straße auf die zweite Hälfte des gerade erst begonnenen Jahrzehnts verschoben zu werden. Bliebe es tatsächlich bei den zur Wochenmitte bekanntgewordenen Verzögerungen, wäre mit einer Fertigstellung der Nordbrücke erst im Jahr 2026 zu rechnen. Der Zustand des westlichen Johanniswalls befindet sich seit über 40 Jahren in der Diskussion.

Forderung: Behörden sollen Denkmalschutzfrage zügiger klären

Allerdings rankt sich Richters Fragenkatalog auch um die Möglichkeiten der Stadt, den Neubau des Jahrhundertprojekts zu beschleunigen. Ihm sei es nicht mehr nachvollziehbar, dass die beteiligten Behörden erst im laufenden Planfeststellungsverfahren der Frage des Denkmalschutzes nachgingen und es dadurch zu Verzögerungen kommen solle. Die beteiligten Behörden täten gut daran, diese Frage wesentlich zügiger zu klären, damit die erforderlichen Ausschreibungen starten können, zumal jetzt schon seit über zehn Jahren immer wieder an der Brücke Ausbesserungsarbeiten ausgeführt würden.

Wann läuft die Nutzungsdauer für die Südbrücke aus?

Neben dem Thema „Neugestaltung des Johanniswalls“ bitte er um Antwort auf drei weitere Fragen: War der Stadt Verden als untere Denkmalschutzbehörde bekannt, dass die Nordbrücke unter Denkmalschutz steht? Hat die Stadt Verden Möglichkeiten, den Genehmigungsprozess für die alte Nordbrücke zu beschleunigen? Wann läuft die Nutzungsdauer für die Südbrücke aus und hat die Bauverzögerung bei der Nordbrücke Auswirkungen für die dringend erforderliche Erneuerung der Südbrücke?

Ursprüngliche Meldung vom 23. Januar: 

Verden – 25 Millionen Euro sind für den Ersatzneubau veranschlagt. Im Jahr 2025 hätte voraussichtlich die neue Allerbrücke stehen und die alte dem Erdboden gleich gemacht werden sollen. So lautete der ursprüngliche Plan. Nun gab die Niedersächsiche Landesbehörde für Straßenbau und -verkehr gestern in einer Pressemitteilung bekannt, dass sich der Baubeginn der Brücke um ein ganzes Jahr verschiebt. Das gelte auch für die bisher für den Jahreswechsel vorgesehene Veröffentlichung der europaweiten Ausschreibung zum Neubau.

Allerbrücke: Kein Abriss ohne Genehmigung

Ralf Felden, Ansprechpartner für die Bauleitplanung beim Landkreis Verden, ist für die Erstellung des Planfeststellungsverfahrens dafür zuständig. Während er alle für den Beschluss benötigten Genehmigungen sammelte, sei ihm aufgefallen,dass die vollständige Nordbrücke unter Denkmalschutz steht. Im Klartext: „Sofern keine Genehmigung für den Abriss von der Denkmalschutzbehörde des Landes Niedersachsen vorliegt, darf sie nicht abgerissen werden“, erklärt Felden.

Die Baupläne für die neue Brücke, parallel zur alten. 

Das an sich stellt räumlich betrachtet noch kein Problem dar. Schließlich soll bis zur Eröffnung der neuen Brücke der Verkehr parallel auf der Alten normal weiterlaufen. Trotzdem dürften die zuständigen Firmen ohne die Genehmigung nicht mit dem Bau beginnen. „Dafür müssen erst die erforderlichen Ausgleichsflächen geschaffen werden“, erklärt Felden. Das hat mit der Eingriffs-Ausgleichs-Regelung zu tun, mithilfe derer im Deutschen Recht negative Folgen von Eingriffen in Natur und Landschaft vermieden oder zumindest minimiert werden sollen. Und die Flächen, die für den erforderlichen Ausgleich sorgen sollen, sind die, auf denen noch die alte Nordbrücke steht.

„Eigentlich hätte man sich schon viel früher um die Genehmigung kümmern müssen“, so Felden. Das wäre laut ihm in den Zuständigkeitsbereich der Niedersächsichen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr im Landkreis als Vorhabenträger gefallen.

Antrag bei Denkmalschutzbehörde gestellt

Gisela Schütt, Leiterin des Geschäftsbereiches, weist diesen Vorwurf auf Nachfrage klar zurück. „Das Planfestellungsverfahren hat Konzentrationsbeschluss. Es ist Herrn Feldens Aufgabe alle, die zu beteiligen sind, mit in diesen Plan mit einzubeziehen“, so Schütt. Die Behörde hätte in ihren eingereichten Unterlagen lediglich ihr Vorhaben festhalten müssen, dass die Brücke abgerissen werden soll.

„Tatsache ist, dass die Genehmigung fehlt und bevor die nicht da ist, geht hier gar nichts weiter“, so Felden. Einen Antrag dafür habe er vor ein paar Wochen bei der Denkmalschutzbehörde eingereicht. Doch bis heute kam noch keine Rückmeldung. „Eigentlich sollte es aber mit der Genehmigung selbst keine Probleme geben. Es gibt genug Argumente für den Abriss“, gibt sich Felden zuversichtlich.

Auf der Allerbrücke herrscht ständig viel Verkehr.

Sofern die Behörde den Abriss genehmigt, müssten noch zwei weitere Schritte erfolgen, damit die Maßnahme überhaupt wieder ins Rollen gebracht werden kann. „Einerseits müssen die geschützten Krähen, die sich an der Brücke eingenistet haben, umgesiedelt werden und andererseits muss das Straßenbauamt mit dem fertigen Planfeststellungsbeschluss eben die Ausschreibungen machen, um Baufirmen für die Maßnahme zu finden“, erläutert Felden abschließend.

Kommentar von Lisa Hustedt

Die Brücke schwankt 

Jetzt ist also Warten angesagt. Der Planfeststellungsbeschluss kann nicht ohne die Genehmigung der Denkmalschutzbehörde fertiggestellt werden. Das ganze Vorhaben hängt somit an einem einzigen seidenen Faden, weswegen die gesamte Planung jetzt schon um ein ganzes Jahr nach hinten verschoben werden musste. Gehen wir mal vom allerschlimmsten Fall aus, dass es keine Genehmigung für den Abriss gibt. Woher will man die gebrauchten Ausgleichsflächen im Naturschutzgebiet der Aller nehmen? Schon viel früher hätten sich die an dem Projekt Ersaztneubaubrücke Beteiligten um diese Problematik kümmern müssen. So ein Denkmalschutz fällt ja nicht einfach aus heiterem Himmel und die alte Brücke wird immerhin auch nicht jünger. 

Es scheint fast so, als hätten alle einfach so lange darüber hinweggesehen, bis die fehlende Genehmigung zu einem richtigen Problem wurde. Schier per Zufall sei Ralf Felden auf die Formulierung gestoßen „die Brücke ist als Baudenkmal direkt von den Maßnahmen betroffen“ und habe im letzten Moment darauf reagiert. Was wäre gewesen, wenn der Beschluss ohne die Abrissgenehmigung durchgegangen wäre? Die neue Brücke gebaut und die alte abgerissen? Glücklicherweise kam es ja nie soweit. Bleibt nur zu hoffen, dass solche Missstände in Zukunft früher geklärt werden.

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