Die „Stadt Verden“ hebt ab

Verden: Erstes inkludiertes Segelflugzeug getauft

Segelflugzeugtaufe mit Sekt.
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Feierliche Zeremonien können auch Freude bereiten. Bürgermeister Lutz Brockmann (l.) und Vereinsvorsitzender Heinrich Kracke bei der Taufe des inkludierten Segelflugzeuges „Stadt Verden“ gestern auf dem Flugplatz Verden.

Verden – Ein schneeweißer Flieger mit enzianblauen Applikationen, und dennoch nur auf den ersten Blick ein ganz normales Flugzeug. Erstmals ist auf dem Flugplatz Verden ein Segelflugzeug in Dienst gestellt, das auch Menschen mit Handycap, mit Querschnittslähmung beispielsweise, den Traum vom Fliegen ermöglicht. „Eine bemerkenswerte Entwicklung“, sagte Bürgermeister Lutz Brockmann gestern bei der offiziellen Taufe der „Stadt Verden“, „eine sehr schöne Idee, und dass die Initiative jetzt umgesetzt werden konnte, ist ein Beleg für eine sehr intakte Gemeinschaft.“ Einer Pressemitteilung des Vereins zufolge hatten es sich Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Sport und Verwaltung nicht nehmen lassen, einen Blick auf die technische Innovation zu werfen.

Bastian Staiger gehörte zu jenen, die sich an die Probe aufs Exempel wagten. An der Seite eines erfahrenen Piloten nahm er Platz, und schon konnte die Reise im sogenannten Flugzeug-Schlepp beginnen. Einen Rundflug später reagierte er begeistert. „Das ist bestimmt nicht mein letzter Flug.“ Auch das Stadtoberhaupt kletterte nach dem Ausflug unter die Wolken mit einem breiten Lächeln aus dem Flieger. „Ein phantastisches Erlebnis. Gerne wieder“, so Brockmann. „Der Blick aus der Höhe auf die Stadt erlaubt eine ganz neue Sichtweise, die ich jedem nur empfehlen kann“, befand CDU-Fraktionschef Jens Richter. Und Sparkassen-Vorstand Matthias Knak fasste die Lage folgendermaßen zusammen: „Eine Vielfalt von Eindrücken, die Appetit auf mehr machen.“

Für den Verdener Luftfahrt-Verein bedeutete die Taufe den Abschluss einer riesigen Kraftanstrengung. Und über allem lagerte die Frage, würde ein solcher Vorstoß überhaupt Anklang finden. „Erste Antworten gab das sogenannte Crowdfounding, das sehr stark in der Öffentlichkeit stand, sogar überregional“, sagt Vereinsvorsitzender Heinrich Kracke. Drei Interessierte mit Handycap bekundeten allein im Laufe der achtwöchigen Spendenaktion Interesse. Bisher hatte Corona erste Schnupperflüge noch verhindert, dies sei jetzt behutsam für die kommenden Wochen geplant.

Die technischen Voraussetzungen jedenfalls sind erfüllt. Flugzeuge werden dreidimensional gesteuert, heißt, sie verfügen über Querruder für die Schräglage sowie Höhenruder, beides über den Steuerknüppel erreichbar, und dann noch über ein Seitenruder, das per Pedale auf Kurs gehalten wird. Beim neuen inkludierten Verdener Segelflieger kann nun zusätzlich eine Handsteuerung für das Seitenruder installiert werden. Die renommierte Flugzeugschmiede Alexander Schleicher rüstete ihre jüngste Neuerscheinung, die ASK 21 b, mit dieser Technik aus, in Verden steht das erste Exemplar der neuen, erweiterten Reihe.

„Gerne wieder“: Verdens Stadtoberhaupt nach dem Rundflug im neuen Flieger.

Eingesetzt wird es vorrangig in der Flugschule, die sich seit Jahren hoher Resonanz erfreut. Auf insgesamt elf ehrenamtlicher Fluglehrer ist das Team angewachsen, das sich der angehenden Piloten annimmt. Junge Leute ab 14 können bereits eine Ausbildung beginnen, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Gleichzeitig ist es der Start in den faszinierenden Segelflug-Sport. In Wettbewerben geht es darum, möglichst weit in möglichst kurzer Zeit zu fliegen. Nonstopflüge über 300 bis 400 Kilometern allein mit den Kräften der Thermik und natürlich ohne Motorhilfe seien nach Clubangaben durchschnittlich zu absolvieren, der Vereinsrekord liegt bei mehr als 800 Kilometern nonstop. Keine Seltenheit, dass Segelflieger sechs und mehr Stunden unterwegs sind. Gefragt sei eine gut ausgebildete Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit, gleichzeitig sei es notwendig, permanent die natürlichen Gegebenheiten, die Wolkenbildung, im Auge zu behalten, die untrüglichen Zeichen für Thermik. „Eine wunderbare Verbindung von reinem Sport und purem Naturerlebnis“, sagt Ausbildungsleiter Daniel Dibbern.

Der Flieger ersetzt ein Vorgängermodell, das mehr als 30 Jahre seine Dienste versah. Der Verein habe sich entschlossen, die Finanzmittel für eine Grundüberholung als Basis für ein neues Flugzeug zu verwenden. Zahlreiche Stiftungen, Organisationen und Unternehmen aus der Region und weit darüber hinaus vermochten sich für die Idee eines inkludierten Flugzeuges zu begeistern. Unterstützung kam unter anderem von der Lotto-Sportstiftung, von der Aktion Mensch, der Stiftung der Kreissparkasse Verden, der Otto-Diersch-Stiftung, der Zajadacz-Stiftung, den Firmen Block-Transformatoren, dem Autohaus Eggers, den Firmen Matthäi/Floating Homes, Badenhop, Heiner Müller Konstruktionsbau, 12 Systems, RSM-Wirtschaftsberatung und vielen anderen.

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