Zu Gast auf dem Schulungsbienenstand

Die ersten Schritte als Imker

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Alexander Friesen mit einem Drohnenbrutrahmen.

Verden-Eissel - Der Schulungsbienenstand in Eissel ist aus dem Winterschlaf erwacht, die Bienen fliegen mittlerweile emsig hin und her. 2014 hatte Imker Heinrich Kersten die Idee, in Eissel die summende Ausbildungsstätte für Jungimker einzurichten. Sieben von ihnen betreuen hier unter der fachkundigen Anleitung von Kersten ihre Bienenvölker. Mit Julia Bonheur und Alexander Friesen sind in diesem Jahr zwei „Neue“ hinzugekommen.

„Ich habe an der Kreisvolkshochschule einen Imkerkurs belegt und auch vier Praxistage auf externen Bienenständen gemacht. Jeder hat eine andere Sicht auf die Dinge, da muss man gucken, was für einen selbst am besten passt und womit man sich identifizieren kann“, erzählt Julia Bonheur. Mittlerweile ist sie stolze Besitzerin eines eigenen Bienenvolkes. Einmal in der Woche fährt sie von Cluvenhagen nach Eissel, um nach ihren Bienen zu sehen.

Den Verdener Alexander Friesen reizte vor allem die Vorstellung, seinen eigenen Honig zu ernten. Auch er besuchte zunächst einen KVHS-Kurs, bevor er nun mit seinem eigenen Volk Erfahrungen sammelt. Berührungsängste hat er dabei nicht. Ohne Schutzkleidung setzt er die Rähmchen mit den Waben in die Bienenbeute ein.

Julia Bonheur zeigt die ausgeschnittene Drohnenbrut.

Seine Kollegin Julia Bonheur ist da vorsichtiger, sie trägt einen Imkerhut mit Schleier und geht ganz konzentriert an die Arbeit. Zum Herausnehmen und Einsetzen der Rähmchen benutzt sie eine Zange. Die Handschuhe, die sie sich mitgebracht hat, zieht auch sie aber gar nicht erst an. Das ist auch nicht nötig, denn die Bienen sind friedlich und lassen sich nicht stören. Umsichtig hantieren die beiden unter den wachsamen Augen ihres „Lehrmeisters“ Heinrich Kersten.

Damit die Königin dabei nicht versehentlich Schaden nimmt, wird sie vorsichtshalber mit einer Greifklammer gefangen. Durch ihre Markierung mit einem gelben Punkt ist sie gut zu erkennen. Die heikle Aufgabe überlassen die beiden Jungimker aber doch lieber ihrem erfahrenen Lehrer. Kersten ist mit seinen beiden neuen Schützlingen sehr zufrieden und lobt, wie geschickt sie zu Werke gehen.

Aber auch die Bienen waren fleißig. Innerhalb einer Woche haben sie einen Drohnenrahmen komplett ausgebaut. Andere Rähmchen enthalten Waben mit Pollen, Nektar und gedeckelter Brut. Imkerin Lilli Stephan entdeckt auf einem Rahmen die tropfenförmig nach unten gebauten Weiselzellen. Hier wächst eine neue Königin heran. „Vielleicht ist das Volk zu groß geworden oder es war mit seiner Königin nicht zufrieden“, vermutet Kersten.

Die gelb markierte Königin wird mit einer Greifklammer gefangen.

Besonders gefreut hat die Eisseler Jungimker, dass sie nach dem Winter kaum Verluste hatten. „Von 55 eingefütterten Bienenvölkern im Juli hatten wir bis Ende April nur einen Verlust von vier Völkern, das entspricht 7,3 Prozent. Drei von fünf Imkern des Schulungsbienenstands sind sogar völlig ohne Verlust durch den Winter gekommen. Andernorts berichten Imker von 30 oder sogar 40 Prozent Winterverlusten“, weiß Kersten.

Dafür, dass es den Eisseler Bienen so gut geht, nennt er verschiedene Gründe. Neben Hygiene am Bienenstock sei die kontinuierliche Versorgung mit Nektar und Pollen übers Jahr, zum Beispiel durch die „Imkermischung Verden“, entscheidend. Auch der Dialog mit den Landwirten zur Abstimmung mit den Spritzterminen trägt Früchte.

Ein Feind der Biene ist aber nach wie vor die Varroa-Milbe, die bevorzugt die Drohnenbrut befällt. Neben der frühzeitigen Entfernung der Brut setzt Kersten auf einen sorgfältigen Einsatz der Varroa-Behandlungen mit organischer Medizin und biomechanischen Eingriffen „mit Fingerspitzengefühl“. Wie das genau funktioniert, will der Imker demnächst in einem Workshop auf dem Schulungsbienenstand erklären.

ahk

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