Gesundheitsamt bestätigt Verdener Fall / Reiserückkehrer das Hauptproblem

Erste Infektion hinter Gittern

Wo sonst Verkehrshinweise aufleuchten, wird jetzt auf das gegenwärtig größte Gesundheitsthema hingewiesen: Digitalanzeige am Bremer Kreuz. „Nicht alle Reiserückkehrer melden sich. Da gibt es eine Dunkelziffer“, heißt es aus der Behörde.
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Wo sonst Verkehrshinweise aufleuchten, wird jetzt auf das gegenwärtig größte Gesundheitsthema hingewiesen: Digitalanzeige am Bremer Kreuz. „Nicht alle Reiserückkehrer melden sich. Da gibt es eine Dunkelziffer“, heißt es aus der Behörde.

Verden/Achim – Die Einschläge kommen von links und von rechts. Hier mal ein Reiserückkehrer vom Balkan, dort einer aus Spanien, und es läppert sich, jeden Tag ein bis zwei Neuinfizierte. Und alles eine Wundertüte. Niemand weiß, woher die nächste Gefahr droht. In einer ersten Maßnahme hat der Landkreis Verden eigens ein Team aufgestellt, das sich mit den Urlaubsrückkehrern beschäftigt. Und das schlägt jetzt Alarm. „Wir werden Bußgeldbescheide einleiten“, sagt Teamleiter Reiner Heemsoth. Bereits in der kommenden Woche werden erste Anhörungsbögen versandt.

Zusätzlich sind es immer wieder Sonderfälle, die die Behörde beschäftigen. In der Jugendarrestanstalt Verden war vergangenes Wochenende ein Insasse routinemäßig getestet worden, dessen Probe sich unter der Woche als positiv herausstellte. Das bestätigte die Kreisverwaltung am Freitag auf Nachfrage. Das Gesundheitsamt recherchiere gegenwärtig den Fall. Nach erster Einschätzung sei auf Grund des umfassenden Hygienekonzeptes der Arrestanstalt mit keiner weiteren Streuung der Infektion zu rechnen, heißt es weiter. Zur Sicherheit würden derzeitig aber alle Kontaktpersonen des Arrestanten ermittelt. Es werde mit ihnen telefoniert und gegebenenfalls eine Testung veranlasst. „Das ist die normale Vorgehensweise zur Nachverfolgung von Infektionsketten“, so Amtsärztin Jutta Dreyer. Befürchtungen, hier drohe sich ein neuer Hotspot zu entwickeln, trat sie entgegen. „Dafür gibt es aktuell keinen Hinweis.“ Ans Licht gekommen war die Infektion, weil die Arrestanstalt routinemäßig auf Grundlage ihres Hygienekonzeptes Testungen durchführt.

Das drängendere Thema dieser Tage hat deutlich öffentlichkeitswirksamere Ausmaße angenommen. Am plakativsten tritt es am Bremer Kreuz ans Tageslicht. Wo sonst Staunachrichten aufleuchten oder Tempobegrenzungen, da ist jetzt ein Schriftzug zu sehen. „Reiserückkehrer bitte testen lassen“, steht in großen Buchstaben auf der digitalen Anzeige hoch über der Autobahn. Die Erinnerung an eine der zentralen Vorgaben, die das Reisen an ferne Ziele erst ermöglicht, diese Erinnerung macht Sinn. „Nicht alle Rückkehrer aus Risikogebieten melden sich“, sagt Heemsoth. Rückendeckung erhält er von Amtsärztin Jutta Dreyer: „Da gibt es eine Dunkelziffer.“

Am einfachsten sei die Kontrolle noch bei den Fluggästen. „Da bekommen wir eine sogenannte Aussteigerkarte, da wissen wir immerhin, wen wir im Auge behalten müssen“, so Heemsoth. Schwieriger werde es bei den Auto-Urlaubern. Zwar seien Testzentren an den Grenzen installiert, es trudele auch schon Post aus der ganzen Republik bis hin nach Passau ein, aber es werden lediglich positive Fälle gemeldet. „Die negativen Testungen werden nicht weitergeben. Wir haben also keinen Überblick über das tatsächliche aktuelle Risiko.“ Vollends zur Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen wird das Aufspüren von Infizierten mit einem nächsten Urlauber-Winkelzug. „Viele Rückkehrer lassen noch im Urlaubsland eine Testung machen. Was aber, wenn sie sich auf dem Rückflug oder der Rückfahrt infizieren?“

Alles keine zu unterschätzenden Faktoren. „Ungefähr zehn Prozent der Rückkehrer gehen erstmal in Quarantäne“, sagt Heemsoth. Zehn bis zwanzig Personen also, die Anzahl schwanke, sie war zum Ende der Sommerferien gesunken, sie steige jetzt wegen der Neueinschätzung Spaniens als Risikogebiet wieder. Die Gefahr bleibe. Verbesserungen erwarte man frühestens Mitte September. „Dann kommt die neue Verordnung. Wenn sich die bisherigen Informationen bestätigen, wird darin Rückkehrern aus Risikoländern generell eine Quarantäne von fünf Tagen abverlangt.“

Dass sich damit die Meldemoral verbessere, sei freilich nicht zu erwarten. „Wir müssen zu Bußgeldern greifen“, so Heemsoth. Würden Einzelpersonen ermittelt, seien 150 Euro plus gut 30 Euro an Verwaltungsgebühren fällig. Bei ganzen Familien mit mehreren Kindern können es schon mal 500 Euro werden.

Von Heinrich Kracke

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