Erspürte Erinnerung

Domherrenhaus bietet Programm speziell für Menschen mit Demenz

+
Angehörige vom Gesprächskreis Demenz des DRK Ottersberg nutzten das neue Angebot des Domherrenhauses und lauschten den Worten Julia Nehus' (r.). 

Verden - Etliche Museen haben es bereits vorgemacht. Mit den Dienstagsgesprächen folgt die Museumspädagogik im Verdener Domherrenhaus diesem Beispiel und bietet ein spezielles Programm für Menschen mit Demenz und ihre Angehörige an. In dieser Woche gab es die zweite Veranstaltung der Reihe. Nach „Frühjahrsputz und dem Erinnern an das große Reinemachen“ ging es diesmal um „Salben und Heilen wie früher“.

„Museumspädagogik ist nicht nur etwas für Kindern und Jugendliche. Man kann damit viele Zielgruppen erreichen“, erzählte Julia Nehus, die das Programm entwickelt hat und umsetzt. Das erforderliche Hintergrundwissen hat sich die Museumspädagogin bei einer Demenzfortbildung beim museumspädagogischen Verband angeeignet. Nachdem der regionale Bedarf ausgelotet war, startete das Projekt im März. „Menschen mit Demenz sind eine wachsende Gruppe, der man mit musealer Pädagogik viel bieten kann“, unterstreicht Nehus, die sich freut, dass sich das neue Angebot so schnell herumgesprochen hat. „An der Auftaktveranstaltung im März nahmen vier Personen teil. Heute hat sich bereits eine 13-köpfige Gruppe vom Gesprächskreis Demenz des DRK Ottersberg angemeldet, sodass die eigentlich auf zehn Personen – fünf Menschen mit Demenz und fünf Begleitpersonen – begrenzte Teilnehmerzahl bereits überschritten wird.“

Wie der Titel unschwer erraten lässt, standen die Erinnerungen an alte und probate Hausmittel im Mittelpunkt des speziellen Programms. Dafür hatte Nehus auf einem Tisch eigens Heilkräuter und Tinkturen zusammengestellt und aus dem Museumsfundus noch verschiedene Gefäße und Gerätschaften wie Wärmflasche, Milchkanne, Wasserkessel, Teppichklopfer oder ein Waschbrett drumherum drapiert. Denn anders als gemeinhin in der Sammlung des Museums üblich, ist beim Dienstagsgespräch das Anfassen ausdrücklich erwünscht und erlaubt.

„Einen starren, festgezurrten Rahmen gibt es bei diesem Programm nicht“, sagt Nehus. Sie gehe so flexibel wie möglich auf die Bedürfnisse der Gruppe ein. „Ich möchte durch Erzählen, Berühren, Riechen und Ausprobieren so viele Erinnerungen wie möglich aktivieren und diesen freien Lauf lassen. Die Teilnehmer sollen sich hier wohlfühlen und eine schöne Zeit erleben“, beschreibt sie ihre Intention.

Das Programm, das fortan fester Bestandteil der museumspädagogischen Angebote ist, wird am 17. September fortgesetzt. Unter dem Motto „Kindheit der Nachkriegszeit“ sollen sich die Teilnehmer an Spiele und Freizeitleben in ihrer Jugend erinnern.

Die maximale Teilnehmerzahl beträgt zehn Personen: je fünf Demenzbetroffene mit einer Begleitung. Anmeldung und Informationen bei Julia Nehus, unter Telefon 04231/2169, Domherrenhaus Verden, Untere Straße 13, E-Mail info@domherrenhaus.de oder www.domherrenhaus.de.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

EU-Parlament verschiebt von der Leyens Kommissions-Start

EU-Parlament verschiebt von der Leyens Kommissions-Start

Nienburg: Händler präsentieren sich bei Autoschau

Nienburg: Händler präsentieren sich bei Autoschau

Brexit-Unterhändler arbeiten an den letzten Hindernissen

Brexit-Unterhändler arbeiten an den letzten Hindernissen

Neue E-Book-Reader: Dem kleinen Tolino geht ein Licht auf

Neue E-Book-Reader: Dem kleinen Tolino geht ein Licht auf

Meistgelesene Artikel

„Wohnklötze verschandeln Ortsbild“

„Wohnklötze verschandeln Ortsbild“

Blitze und Schwelbrände

Blitze und Schwelbrände

Verband feiert sich in Gala selbst

Verband feiert sich in Gala selbst

Ihr Wunsch: Ein Waldkindergarten

Ihr Wunsch: Ein Waldkindergarten

Kommentare