Anstieg bei Erkrankungen

Erkältung und Corona im Landkreis Verden: „Besser auf Nummer sicher gehen“

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Eine Grafik aus dem aktuellen ARE-Wochenbericht des Niedersächsischen Landesgesundheitsamts. 

Das 2019-nCoV, besser bekannt als der Coronavirus, hält seit Januar viele Menschen in Atem. Ein anfänglicher Verdacht einer Infektion in der Aller-Weser-Klinik in Achim hat sich nicht bestätigt. Die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken, bleibt also weiterhin verschwindend gering. Viel höher ist aktuell die, an einer Erkältung oder gar einer Influenza zu erkranken.

Landkreis – „Es gibt keinen Grund für die Bevölkerung, sich aufzuregen. Es ist wirklich unwahrscheinlich, dass wir hier Corona bekommen“, erklärt Jutta Dreyer, Amtsärztin beim Fachdienst Gesundheit des Landkreises Verden, auf Nachfrage.

Laut einer Orientierungshilfe des Robert-Koch-Instituts für Ärzte, die Dreyer vorliegt, gebe es genau zwei Szenarien, in denen die Kriterien für einen harten Coronavirus-Verdachtsfall erfüllt wären: Entweder ist der betroffene Patient bis maximal 14 Tage vor dem Erkrankungsbeginn im Risikogebiet, sprich in Wuhan in China gewesen, oder er hatte Kontakt zu einem bereits bestätigten Corona-Fall. „Erst wenn diese Kriterien erfüllt sind, kann man von Corona sprechen. Alles andere ist Quatsch“, so die Amtsärztin.

Trotzdem könne sie nachvollziehen, dass die Aller-Weser-Klinik in Achim sich dafür entschied, die junge Dame, die als Verdachtsfall in die Klinik kam, vorsorglich zu isolieren, obwohl keiner der beiden beschriebenen Fälle auf sie zutraf. „Es ist immer besser auf Nummer sicher zu gehen.“

Jutta Dreyer, Amtsärztin beim Fachdienst Gesundheit des Landkreises Verden. 

Das gelte auch für Privatpersonen, die sich unsicher sind, ob sie an dem neuartigen Virus erkrankt sind. „Wobei es besser ist, einen Arzt erst telefonisch zu kontaktieren, bevor man sich in das überfüllte Wartezimmer setzt. Denn da fängt man sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Erkältung ein“, so Dreyer mit Blick auf die Zahlen aus dem aktuellen ARE-Wochenbericht des Niedersächsischen Landesgesundheitsamts. Auf der auf der Webseite (bit.ly/ARE-Wochenbericht) veröffentlichten Grafik leuchtet der Landkreis Verden in einer alarmierend roten Farbe auf, der Schriftzug „sehr hoch“ darüber (siehe Bild). In diesem Wochenbericht werden die wesentlichen Ergebnisse der ARE-Surveillance zusammengefasst, sprich sie geben Auskunft über die Anzahl der an Influenza und an anderen akuten respiratorischen Erkrankungen Erkrankten in Niedersachsen.

„Der Anstieg ist Jahreszeitlich bedingt“, erläutert Dreyer. „Wir haben im Landkreis zwölf vom Labor bestätigte Influenza-Fälle. Das ist sehr wenig im Vergleich zu den Vorjahren“, so die Amtsärztin weiter. Der Hauptgrund für den Anstieg der erhobenen Zahlen sind folglich zahlreiche Erkältungen. „Die normalen Erkältungserreger gehen nicht wie bei einer richtigen Grippe mit Fieber einher. Trotzdem ist es sehr wichtig, sich nach beidem auszukurieren. Lieber Mal zwei Tage länger im Bett bleiben und richtig gesund werden, bevor man seine Kollegen auf der Arbeit ansteckt“, lautet ihr klarer Appell.

Dem stimmt Peter Ahrens, Chefarzt und Ärztlicher Direktor der Aller-Weser-Klinik in Verden, zu und ergänzt: „Corona ist für uns absolut kein Thema. Was uns schon viel eher beschäftigt sind die schweren Influanza-Fälle.“ Das AWK könne ganz klar Entwarnung geben, auch wenn es die sozialen Medien ihren Nutzern scheinbar anders weismachen wollen.

„Einige haben auf diese Panikmache hin wohl schon prophylaktisch irgendein Antibiotikum eingenommen, wobei das absolut nichts bringt. Es ist sogar ein grundsätzlicher Fehler. Das einzige, was wirklich vor einer Viruserkrankung schützt, ist und bleibt eine Impfung“, lauten Ahrens' klare Worte.

Obwohl es noch keine Impfung gegen den neuen Coronavirus gibt, könne schon jetzt jeder etwas dafür tun, dass sich Viren, die sich über Tröpfcheninfektion übertragen, nicht so schnell verbreiten. „Einmal öfter die Hände waschen und wenn sie niesen müssen, bitte nicht in das Gesicht des Gegenüber, sondern in die Armbeuge“, so der Chefarzt.

„Experten auf der ganzen Welt beobachten sehr genau, wie sich das Virus entwickelt und ob es noch mutiert. Bis dafür eine Lösung gefunden ist, können wir nur hoffen, dass die Influenza-Rate so niedrig wie jetzt bleibt. Und bis dahin: Keine Hektik, keine Panik, Impfschutz prüfen und die Ruhe bewahren.“

Coronavirus-Hotline wird gut angenommen

Wie die Barmer in einer Pressenotiz mitteilt, wird die von ihnen angebotene Coronavirus-Hotline gut angenommen. Seit einer Woche beantworten Mediziner unter der kostenlosen Rufnummer 0800/84 84111 Fragen rund um das Virus. Seitdem hätten sich mehr als 1 000 Personen gemeldet, selbst Arztpraxen rufen an und bitten um Rat. „Die zahlreichen Anrufe bei unserer Hotline belegen den hohen Informationsbedarf rund um das Coronavirus. Viele Anrufer wollten wissen, wie sie sich schützen können, wie man mit in China bestellten Nahrungsmitteln umgehen soll und wie man sich nach einer Reise aus Regionen mit Corona-Fällen verhält“, erklärt Jonas Kück, Regionalgeschäftsführer der Barmer in Verden. Die kostenlose Hotline ist rund um die Uhr erreichbar, nicht nur für Barmer-Versicherte. Zudem hat die Krankenkasse unter www.barmer.de/p014554 eine Liste mit den häufigsten Fragen und Antworten rund um das Virus zusammengestellt.

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