Landesbehörde prüft Erixx

Mehr Züge über Achim und Langwedel – doch manche Rollis bleiben stehen

Am Bahnsteig, ein Zug ist eingefahren, eine Frau in einem Rollstuhl .steht am Gleis und kann nicht in die Bahn.
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Abgewiesen: Heiderose Domres blieb die Zugfahrt im Erixx verwehrt.

Mehrfach bleiben Rollstuhlfahrer an Bahnsteigen im Heidekreis stehen, weil Mitarbeiter des Erixx sie nicht zusteigen ließen. Zunächst nahm sich der SoVD der Sache an. Jetzt befasst sich die Landesnahverkehrsgesellschaft mit der Angelegenheit.

Verden/Walsrode/Achim – Das Rollstuhlfahrer-Drama des Celler Eisenbahnunternehmen Erixx mit einem Liniennetz unter anderem im Heidekreis und im Landkreis Verden beschäftigt jetzt auch höchste Landesbehörden des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs. Nachdem immer wieder Rollstuhlfahrer stehengelassen oder abgewiesen wurden, erörterte der Geldgeber für diese Schienenwege, die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG), mögliche Auswege.

Das Ergebnis fällt ernüchternd aus. Man wolle prüfen, ob im Einstiegsbereich der Personenwagen Veränderungen vorgenommen werden können, erklärte auf Nachfrage LNVG-Pressesprecher Dirk Altwig. Richtig zusagen könne man zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nichts. Gleichzeitig kündigte Altwig für den Fahrplanwechsel im Dezember zusätzliche Zugverbindungen auf der Strecke Soltau-Langwedel-Achim-Bremen an.

Schnelle Lösungen eher unwahrscheinlich

Angelika Domres gehört zu jenen, die als erste das Fremdeln des Erixx-Personals mit den etwas größeren Rollstühlen zu spüren bekam. Die Frau aus Lindwedel (Heidekreis) muss wie berichtet einmal monatlich zum Arzt nach Hannover fahren. „Ich bin sogar schon einmal aus meinem Rollstuhl gefallen. Ein Bein muss nun ständig hochgelegt sein, sonst wird es irgendwann amputiert werden müssen.“ Darum habe der Rolli verlängert werden müssen. Verständnis erntete sie keines. „Ab sofort dürfen sie nicht mehr mitfahren“, erklärte ihr eine Zugbegleiterin. Kein Einzelfall. Auch andere Rolli-Fahrer blieben stehen. Inzwischen weitete sich das Problem aus. Scooter-Fahrer erhielten ebenfalls die Rote Karte gezeigt, sogar Eltern mit größeren Kinderwagen sollen bereits Probleme bekommen haben. Der SoVD Heidekreis hatte mit diesen niederschmetternden Erfahrungen der schwächsten Glieder unserer Gesellschaft die Öffentlichkeit gesucht und ein breites Echo der Unterstützung geerntet.

Kurzfristig seien Lösungen unwahrscheinlich, hieß es bei der Stelle, die den weiterhin defizitären, aber immer beliebter werdenden Regionalbahn-Verkehr finanziell aufstockt, bei der Landesnahverkehrsgesellschaft. Man werde überprüfen, ob in den Zügen die Bedingungen für Rollstuhlfahrer verbessert werden können. Ob Veränderungen noch in der Erixx-Ära zu erwarten seien, bleibt unklar, gilt aber als unwahrscheinlich. Fakt jedenfalls, das Celler Bahnunternehmen verlor die Ausschreibung gegen die DB-Regio und wird sich zum Fahrplanwechsel im Dezember von den Strecken des sogenannten Heidekreuzes mit Soltau sowie der ehemaligen Amerikalinie mit Halten in Langwedel und Achim verabschieden. Die Züge allerdings, die von der LNVG erworben wurden, bleiben unter dem neuen Betreiber DB-Regio dieselben.

Modernisierung der Fahrzeuge mittelfristig geplant

„Wir werden prüfen, ob ein Gepäckregal und eine Trennwand neben dem Einstieg im Rollstuhlbereich verkleinert werden können, damit der Rollstuhlbereich einfacher zu erreichen ist“, erklärt LNVG-Pressesprecher Altwig weiter. „Wir können nicht ausschließen, dass es dabei auch um die Statik des Zuges geht, es ist also eine schwerwiegende Frage, die relevant für die Zulassungsgenehmigung ist. Deshalb können wir derzeit auch keine Änderung zusagen.“ Änderungen am Zug, für die eine neue Zulassungsgenehmigung beantragt werden müsse, könne man nicht durchführen, da die Fahrzeuge in dieser Zeit außer Betrieb gehen müssten. Altwig: „Wenn Änderungen möglich sind, werden die voraussichtlich mit der Modernisierung der Fahrzeuge Mitte der 20-er-Jahre durchgeführt, diese Arbeiten lassen sich nicht einfach nebenbei erledigen.“

Vorschriften für Maximalgröße und Gewicht der Rollstühle oder E-Scooter könne man als LNVG nicht ändern. „Es bleibt deshalb dabei, dass in diesen Zügen nur Rollstühle mit Personen mitgenommen werden dürfen, die zusammen nicht mehr als 200 Kilogramm wiegen. Sie dürfen nicht breiter als 70 Zentimeter und nicht länger als 1,20 Meter sein“, so Altwig. Fahrgäste sollten sich informieren, ob ihr Rollstuhl diese Vorgaben erfülle. Beschwerden, dass auch Kinderwagen nicht mitgenommen wurden, seien bisher nicht eingegangen.

Immer mehr fahren mit Regionalbahnen

Generell erfreue sich das Angebot der Regionalbahnen einer weiter wachsenden Beliebtheit. Darauf werde man auch beim kommenden Fahrplanwechsel reagieren. „Ab Dezember wird es zusätzliche Züge geben, zum Beispiel einen in der Hauptverkehrszeit am Nachmittag.“ Bisher ist die blaugelbe Regionalbahn auf der Strecke Soltau-Langwedel-Achim-Bremen im Zwei-Stunden-Rhythmus unterwegs. Langfristig plane man sogar für morgens früh bis abends spät einen verlässlichen Stundentakt. Altwig: „Für eine stabile Betriebsqualität und kurze Reisezeiten sind aber vorher Ausbaumaßnahmen an der Strecke erforderlich.“ Diese sind vorgesehen im Rahmen des Projekts „Optimierten Alpha-E mit Bremen“. Erwartet werden die milliardenschweren Baumaßnahmen frühestens in 10 bis 15 Jahren.

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