Berichte von Kindheit und Kriegszeit

Kai Füllgraf feiert 98. Geburtstag: Die Erinnerung bleibt

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Kai Füllgraf in seinem Zimmer im Johannisheim. Von hier aus bietet sich dem ehemaligen Stadtdirektor der Blick auf die Aller.

Verden - Wenn sich Kai Füllgraf an sein Leben zurückerinnert, schweift sein Blick ab in die Ferne, als würden sich die damaligen Ereignisse erneut vor dem inneren Auge des ehemaligen Verdener Stadtdirektors abspielen. Die stärksten Eindrücke beschreibt Füllgraf dabei am lebendigsten, fügt ihnen immer weiter Details hinzu, von denen er selbst teilweise gar nicht glauben kann, dass er sich an sie erinnert. „Das waren noch Zeiten, die können sie sich gar nicht vorstellen“, sagt Füllgraf und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Gestern, am 7. Januar, feierte er im Johannisheim zusammen mit zweien seiner drei Kinder und der stellvertretenden Bürgermeisterin Anja König seinen nunmehr 98. Geburtstag. „Wenn ich daran denke, dass ich bald 100 Jahre alt werde ... puh“, überlegt der 98-Jährige laut und bringt die anderen Anwesenden zum Lachen.

Geboren wurde Füllgraf im Jahr 1922 in Kiel. Seine Schulzeit, die 1940 mit dem Abitur endete, absolvierte er in Bad Oldesloh. „Ein halbes Jahr vor meinem Abschluss haben die uns die Wahl gelassen, ob wir bleiben und das Abitur machen wollen oder uns freiwillig zum Reichsarbeitsdienst melden.“ Damals entschieden sich Füllgraf und alle restlichen männlichen Schüler für Letzteres. „Die Mädels waren richtig neidisch, dass wir gehen durften. Leider war keinem von uns zu dem Zeitpunkt klar, dass sehr viele aus diesem Dienst niemals zurückkehren würden“, erinnert sich Füllgraf an den Beginn dieser schlimmen Zeit zurück.

„Der Himmel und die Erde vibrierten von den hunderten Bombern, die über uns hinwegflogen“, beschreibt Füllgraf eine der vielen Kriegszenen, die er in den folgenden Monaten erleben musste. Während er von diesen Erlebnissen spricht, wandert sein Blick aus dem Fenster gen Himmel, als würde er die Kriegsmaschinen wieder vor sich sehen. Im Jahr 1942 endete sein militärischer Einsatz, denn der damals 20-Jährige wurde schwer verwundet. „Das, was ich im Krieg erlebt habe, hat mich gezeichnet. Es gab viele schwierige und schwere Zeiten, aber jetzt, als Familienvater und Opa, bin ich glücklich“, so Füllgraf abschließend.

Kai Füllgraf zusammen mit der stellvertretenden Bürgermeisterin Anja König (v.l.), Edelgard Füllgraf, Sohn Lutz Füllgraf und Tochter Karin Gern.

Im Jahr 1965 zog er nach Verden, wo er für 21 Jahre, von 1965 bis 1986, als Stadtdirektor der Chef im Rathaus war. Acht Enkel und zwei Urenkel gehören mittlerweile zur Füllgrafschen Familie. „Ich bereue nichts.“

Auf die Frage, was denn seine schönste Kindheitserinnerung sei, antwortet er: „Als Junge, als ich noch in Kiel gewohnt habe, bin ich zusammen mit meiner Gruppe Jungs los. Wir haben immer ordentlich Blödsinn angestellt. Am liebsten war ich mit ihnen aber unten am Kieler Hafen, an der Dampfbrücke. Da haben wir uns auf den Bauch gepackt und Krebse gefangen. Mensch, das ist schon so lange her, doch trotzdem erinnere ich mich“, schließt Füllgraf zufrieden seinen Rückblick ab.

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