Engpässe: Stellen sind schwer zu besetzen

Pflegekräfte für Kinder fehlen

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Landkreis - Tim hat keine Wahl. Er wurde mit dem Undine-Syndrom geboren (siehe nebenstehenden Bericht) und wird zeitlebens jemanden brauchen, der seine Atmung überwacht, während er schläft. Anspruch auf Pflege hat er, aber die kann oftmals nicht geleistet werden, weil insbesondere in der Kinderkrankenpflege Fachkräftemangel herrscht.

Die Ausbildung in der Kinderkrankenpflege unterscheidet sich von der für die Erwachsenenpflege, und somit können beispielsweise Altenpfleger nicht ohne weiteres Kinderkrankenpfleger werden. „Weil das Lernpensum in der Erwachsenenpflege einfacher ist, entscheiden sich viele dafür“, weiß Heike Witte, Geschäftsführerin des Pflegedienstes „Krank und Klein – bleib daheim“.

Das Unternehmen mit Sitz in Sulingen (Landkreis Diepholz) ermöglicht kranken Kindern, zuhause bei ihren Familien zu leben und dort die notwendige Pflege zu erhalten. „Bei dieser häuslichen Kinderkrankenpflege kann man noch wirklich pflegen und dabei mit den Eltern zusammenarbeiten“, ist Witte von ihrer Aufgabe überzeugt. „Das bereitet in der Regel eine große Zufriedenheit.“

Doch für Heike Witte wird es zunehmend schwerer, Mitarbeiter zu finden. Neben der Ausbildungsform sei auch der Mangel an Ausbildungsplätzen ein Grund. Außerdem sei der Beruf weder wirtschaftlich noch bei den Arbeitszeiten attraktiv. Hinzu kommt, dass für Mitarbeiterinnen ein sofortiges Beschäftigungsverbot einsetzt, wenn ihre Schwangerschaft festgestellt wird.

Tims Eltern bekommen die Auswirkungen immer häufiger zu spüren. Wenn kurzfristig eine Pflegekraft ausfällt, müssen sie die Nachtwachen übernehmen. Oft folgt dann aber auch noch eine Tagesschicht entweder mit dem Kind oder auf der Arbeitsstelle. Eine Alternative wäre dann nur noch, dass der Junge in die Klinik oder ein Hospiz müsste, erklärt Witte. Tims Mutter weiß aber, dass nicht mal im Krankenhaus eine ausreichende Überwachung der Atmung ihres Sohnes gewährleistet sei.

Was sie selber an Behandlungspflege mit Beatmung und spezieller Krankenüberwachung leisten können, übernehmen die Eltern. Damit verringern sie die externen Pflegeleistungen auf die Schulbegleitung und die Nachtwachen. Sie machen das, damit die Familie auch mal unter sich sein kann.

Pflegezeit wird nicht

für Rente angerechnet

Für die 24-Stunden-Betreuung stünden aber ohnehin kaum ausreichend Pflegekräfte zur Verfügung. Tims Mutter beklagt, dass diese Zeiten, in denen sie die Behandlungspflege übernimmt, nicht auf die Rentenversicherung angerechnet werden.

In dieser schwierigen Situation sei die Familie kein Einzelfall. Viele andere Kinder mit ganz anderen Krankheiten hätten den gleichen Pflegebedarf und sind darauf angewiesen, dass ihre Eltern sie pflegen und sich dabei bis zur Erschöpfung aufopfern, sagt Tims Mutter. „Diese Eltern sind so in die Versorgung ihrer Kinder eingespannt, dass sie kaum die Kraft haben, ständig gegen Behörden, Krankenkassen und so weiter zu kämpfen, die ihnen immer wieder Steine in den Weg legen.“ Das hat sie in einem mehrseitigen Brief an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe geschrieben.

Dazu hat sie trotz aller physischen und psychischen Belastungen die Kraft gefunden. Auf eine Antwort des Ministers wartet sie noch.

wb

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