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„Energiefrage treibt alle um“: Reaktionen aus Verden auf den Krieg in der Ukraine

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Von: Katrin Preuß

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Siegfried Deutsch weiß, dass die Unternehmen die Lage zunächst sondieren müssen.
Siegfried Deutsch weiß, dass die Unternehmen die Lage zunächst sondieren müssen. © Kracke

Die kürzeste Autostrecke zwischen Verden und Kiew beträgt immer noch mehr als 1 600 Kilometer. Weit weg ist die Ukraine aber nicht, ebenso wenig wie der Krieg, der sich dort abspielt. Wie groß allerdings die – wirtschaftlichen – Auswirkungen der kämpferischen Auseinandersetzungen dort auf den Landkreis Verden sein können, vermag noch niemand zu sagen.

Verden – Siegfried Deutsch, Geschäftsführer der IHK in Verden, vermutet, dass die Unternehmen aktuell noch damit beschäftigt sind, die Lage zu sondieren. „Wenn wir jetzt alle ganz operativ und hektisch werden, bringt uns das auch nicht weiter“, hat er dafür großes Verständnis.

Unternehmen sondieren die Lage

Wolfgang Reichelt, Geschäftsführer von Block Transformatoren-Elektronik in Verden, klingt recht entspannt. Von Embargos gegenüber Russland sei auch sein Unternehmen bereits betroffen, der Markt dort sei aus seiner Sicht schon länger zusammengebrochen. Entsprechend neu habe sich Block in der Vergangenheit aufgestellt. Seine Haltung: „Wir lassen uns nicht verrückt machen.“

Ukrainische Mitarbeiter wollen ihre Familien nach Verden holen

Reichelt berichtet allerdings von ukrainischen Mitarbeitern, die nun auf keinen Fall zurück in die Heimat wollen und ihre Familien nach Verden holen möchten.

Wie Siegfried Deutsch geht auch Reichelt davon aus, dass vor allem die in der Region stark vertretenen Maschinenbauer von wirtschaftlichen Strafen gegen Russland betroffen sein werden. Aber wie sehen die Sanktionen gegen Russland im Detail überhaupt aus? Kann man noch im- oder exportieren? Was passiert mit Ware, die gerade jetzt an der Grenze steht? Und sind vielleicht Mitarbeiter in der Ukraine, die zurückgeholt werden müssen? Auf Fragen wie diese gibt es bislang keine Antworten. Deutsch: „Die Kenntnislage ist noch relativ dünn.“ Daher sei es im Augenblick für die Unternehmen noch relativ schwierig, mit drohenden neuen Sanktionen umzugehen.

Sorge vor stark steigenden Energiepreisen

Was die IHK und ihre Mitglieder angeht, sei es aktuell aber vor allem „die Energiefrage, die uns alle umtreibt“, berichtet Siegfried Deutsch. „Wenn wir hören, dass die Energie teurer wird, dann gilt das für die Industrie dreimal so stark“, so der IHK-Geschäftsführer. Wolfgang Reichelt relativiert zumindest für sein Unternehmen. Die Energiekosten machten nur 1,5 Prozent des Umsatzes aus, sagt er.

Ihren Gasbedarf deckt die Bundesrepublik zu mehr als 50 Prozent über Importe aus Russland. Wie groß der Anteil im Netz der Stadtwerke Verden ist, vermag der kaufmännische Leiter des Versorgungsunternehmens, Ulrich Wiehagen, aber nicht zu sagen. Auch zur weiteren Preisentwicklung kann der Stadtwerke-Prokurist keine verbindliche Aussage treffen.

Preisgarantie nur für private Kunden

Immerhin: „Die Kosten für 2022 sind abgesichert.“ Dabei bezieht Wiehagen sich allerdings ausschließlich auf die Preisgarantie für private Strom- und Gaskunden der Stadtwerke. Mit Gewerbetreibenden und Industrie schließt der Versorger Einzelverträge ab. Die wiederum haben in der Regel eine Laufzeit zwischen ein und drei Jahren.

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