Kunden stehen bis auf die Straße an

Endspurt vor dem Lockdown: Volles Haus bei Verdener Friseuren

Das Team von Jens Müller (2.v.l.) hat sich gemeinsam dazu bereit erklärt, Überstunden zu machen, um so viele Leute wie nur irgend möglich, noch vor dem Weihnachtsfest frisieren zu können.
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Das Team von Jens Müller (2.v.l.) hat sich gemeinsam dazu bereit erklärt, Überstunden zu machen, um so viele Leute wie nur irgend möglich, noch vor dem Weihnachtsfest frisieren zu können.

Verden – Sämtliche verfügbaren Stühle sind besetzt, das Telefon vorne an der Kasse klingelt im Minutentakt und die Kunden, die als Nächstes auf den Friseurstühlen Platz nehmen dürfen, stehen bis auf die Straße Schlange. Kurz vor dem harten Lockdown, der ab heute in Kraft tritt, haben Friseure in ganz Deutschland noch einmal alle Hände voll zu tun. So auch die Salons in Verden. Denn als Konsequenz der von der Regierung beschlossenen Maßnahmen müssen auch sie ihre Türen erneut schließen – bis voraussichtlich zum 10. Januar. Wir haben mit zwei Verdener Friseuren gesprochen, wie sie mit der schwierigen Situation umgehen und wie sie den Endspurt vor dem Lockdown 2.0 erlebten.

Mit gezielten Handgriffen fährt Alexandra Friesen der vor ihr sitzenden Kundin durch deren frisch frisierten Haare. Zwei Plätze weiter föhnt ihre Kollegin Kristina Urivskaja den Schopf eines soeben vom Waschen kommenden Kunden trocken. Alle tragen eine Maske und halten gebührenden Abstand zueinander. So gut das in dem voll besetzten Salon eben geht. „Wir sind komplett ausgebucht“, berichtet Friesen und nimmt sich einen Kaffee. Seit Sonntag ist sie rund um die Uhr auf den Beinen. „Sobald ich von den neuen Regeln gehört hatte, bin ich in die Arbeit gefahren und hab angefangen, zu telefonieren und umzuplanen. Ich hab so viele Termine wie nur irgend möglich auf Montag und Dienstag vorgezogen. Am Montag habe ich auf meinen freien Tag verzichtet, um im Laden zu helfen.“

Eigentlich öffnet Trend Hair werktags erst ab 9 Uhr und schließt um 18 Uhr, doch die Zeiten wurden wegen der besonderen Situation angepasst. Start ist somit um 8 und erst gegen 21 Uhr, wenn nicht noch etwas später, ist Schluss. „Darauf haben wir uns im Team geeinigt. Die Zusammenarbeit ist toll und die Kunden sind super dankbar, aber es ist sehr stressig“, so die Salon-Leiterin. Neue Termine habe sie keine vergeben. „Ich gehe fast davon aus, dass es nicht beim 10. Januar bleibt, sondern der Lockdown noch ausgeweitet wird“, erläutert sie.

Alexandra Friesen, Leiterin des Salons Trend Hair an der Großen Straße 41, zusammen mit ihrer Kollegin Kristina Urivskaja einen Tag vor dem zweiten Lockdown.

Zu Weihnachten, der einkommensreichsten Zeit für Friseure, sei zwar immer Stress vorprogrammiert, doch die bereits bestehenden Corona-Beschränkungen erschwerten die Lage zusätzlich. „Schon wegen der Abstands-Regeln konnten wir nicht so viele Termine wie sonst vergeben. Jetzt fallen erstmal alle weg, die wir nicht nach vorne verlegt haben.“ Generell habe es die Corona-Pandemie dem Salon schwer gemacht. „Wir sind nun seit anderthalb Jahren in Verden an der Großen Straße und hatten einen mehr als schwierigen Start“, schildert Friesen. Trotzdem gebe die Salon-Leiterin nicht auf und blicke dem neuen Jahr mit einer frischen Preisliste, die im Januar komme, optimistisch entgegen.

Auch in Jens Müllers Salon an der Oberen Straße 1 herrscht geschäftiges Treiben. Föhne brummen, Scheren klimpern und die Kunden geben sich die Klinke in die Hand. Die Bude ist voll. „Daran wird sich bis spät heute Abend auch nichts ändern“, so der Friseur. „Alle meine Mitarbeiter sind seit Montag voll im Einsatz. Die Zusammenarbeit ist super“, lobt er das Engagement seines Teams.

„Sämtliche Termine, die wir nicht vorziehen konnten, sind storniert. Denn wenn wir jetzt damit anfangen, alles auf nach den 10. Januar zu verschieben, und der Lockdown dann verlängert wird, müssen wir wieder komplett umplanen“, so Müller. Für den Fall, dass Friseure ab dem 11. Januar doch wieder öffnen dürfen, „sind wir ab dem 6. am Telefon“. Die Zeit des Lockdowns über gehen Müller und seine 17 Mitarbeiter in die Kurzarbeit. „Das Gehalt wird aber zu 100 Prozent aufgestockt“, stellt der Salon-Leiter klar.

„Das Jahr ist für die Branche gelaufen, das ist klar. Diese und nächste Wochen wären die absolut wichtigsten gewesen, eben das Weihnachtsgeschäft“, berichtet Müller. 33 Jahre lang führt er nun schon seinen Friseursalon in Verden. „Aber man muss dazu sagen: Es ist wie es ist. Und wir Friseure wurden von dieser Krise noch nicht einmal am stärksten getroffen. Es gibt so viele andere, die gar nicht öffnen durften in der Zeit zwischen dem ersten und jetzt dem zweiten Lockdown. Und so schade ich es auch finde, dass wir nun erstmal wieder schließen müssen: Ich glaube, wir haben aktuell Wichtigeres zu tun als uns darum Sorgen zu machen, ob die Spitzen ein oder zwei Zentimeter zu lang sind.“

Müller und sein Team seien gut für das kommende Jahr aufgestellt. „Die Wertschätzung der Kunden hilft viel und wir haben den ersten Lockdown schon überstanden. Den Zweiten schaffen wir auch schon noch!“

Von Lisa Hustedt

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