Zum Christentum konvertiert

Mina floh aus dem Iran und lebt nun endlich ein Leben in Freiheit

Mina (l.) und Ann-Kathrin Luttmann sind beste Freundinnen. - Foto: Haubrock-Kriedel

Verden - „Hier bin ich frei“, sagt Mina (33). Vor zwei Jahren kam sie aus dem Iran nach Deutschland, weil sie ein selbstbestimmtes Leben führen wollte. Als Frau waren ihr in ihrem Heimatland so selbstverständliche Dinge wie Fahrradfahren oder Tanzen gehen verboten. Hier kann sie endlich so leben, wie sie möchte. Dazu gehört für sie die Religionsfreiheit. Sechs Monate nach ihrer Ankunft in Deutschland konvertierte Mina zum Christentum und ließ sich taufen. Jetzt freut sie sich auf das Weihnachtsfest.

„Im Iran stehen die Männer oben und die Frauen unten. Es ist dort gefährlich für Frauen. Ich war die ganze Zeit ängstlich und nervös“, erzählt Mina. Im Iran gebe es für Frauen von klein auf Zwang. Sie müssten einen Hidschab tragen und nach 22 Uhr sei es als Frau praktisch unmöglich, allein auf die Straße zu gehen. Aber auch schon tagsüber sei es gefährlich, Überfälle sind an der Tagesordnung.

Auch sexuelle Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung seien keine Seltenheit. Die Polizei würde dann auch noch den Frauen die Schuld geben, weil sie nicht die richtige Kleidung tragen würden. „Als Frau darf man im Iran nicht singen, nicht Fahrradfahren oder die Religion wechseln“, berichtet die junge Iranerin. Sobald der Verdacht bestehe, dass man nicht gläubig sei, sei das Leben in Gefahr. So war für Mina auch ihr Glaube ein wichtiger Grund, ihre Heimat zu verlassen, denn im Herzen fühlte sie sich schon länger als Christin. „Ich habe schon Zuhause ein Kreuz gehabt und mich mit dem Glauben auseinandergesetzt. Als Christin kann ich frei und gut leben“, sagt sie.

Flucht über die Türkei und Griechenland

Für ihr neues Leben wagte sie allein die risikoreiche Flucht über die Türkei und Griechenland nach Deutschland. Die ersten Monate verbrachte Mina in Diepholz. Hier besuchte sie mit einer Flüchtlingshelferin zum ersten Mal eine Kirche. Vom Gottesdienst habe sie damals noch nicht viel verstanden, erzählt sie. Sie habe sich dann aber eine Bibel in persischer Sprache besorgt, die sie eingehend studiert habe. Immer deutlicher habe sie gespürt, dass sie ihre Religion wechseln muss, um frei leben zu können, sagt die junge Frau. Nach sechs Monaten in Deutschland ließ sie sich in der Diepholzer Kirche taufen. Dieser Tag war ihr so wichtig, dass sie trotz Fieber zur Taufe ging. „Ich hatte das Gefühl, als ob ich noch einmal geboren werde“, beschreibt sie ihre Emotionen nach dem Sakrament.

Von Diepholz kam Mina zunächst in die Flüchtlingsunterkunft in den BBS Dauelsen. Hier lernte sie Ann-Kathrin Luttmann kennen, die sich um allein reisende Frauen kümmerte. Zwischen den beiden Frauen entwickelte sich schon bald eine Freundschaft. Heute sind sie „beste Freundinnen“ wie beide versichern. Da lag der Gedanke, zusammenzuziehen nicht fern.

Seit einem halben Jahr leben Mina, Ann-Kathrin mit ihren beiden Töchtern und einer weiteren Freundin nun in einer „fünf Mädels WG“. In der ersten Zeit traute sich Mina abends nicht allein auf die Straße. Mittlerweile kann sie ihr freies Leben in Deutschland genießen. „Ich liebe es, zu singen und Tanzen zu gehen. In meinem Heimatland konnte ich das nicht.“

Familie zurückgelassen 

Der Preis, den sie dafür zahlt ist, dass sie ihre Familie im Iran zurücklassen musste. Obwohl sie täglich über die sozialen Medien in Kontakt sind, ist die Sehnsucht groß. „Ich hoffe, dass ich meine Mutter irgendwann wieder umarmen kann“, sagt Mina und ihre Augen füllen sich mit Tränen. Aber unterdrücken lassen will sich die junge Iranerin niemals mehr. Als ihr Freund, ein Landsmann, versuchte, sie zu bevormunden und sie sogar schlug, machte sie sofort Schluss. Immer, wenn sie Zeit hat, schreibt sie Texte über die Situation der Frauen im Iran. „Irgendwann möchte ich daraus Lieder machen, um auf die Probleme der Frauen im Iran aufmerksam zu machen“, erzählt sie.

Die Religion ist Mina nach wie vor wichtig. Einmal in der Woche besucht sie die Landeskirchliche Gemeinschaft in der Georgstraße. Dort gibt es eine persische Gruppe. Ein Afghane übersetzt das, worüber Prediger Gerd Voß spricht. Ansonsten steht Deutsch lernen an erster Stelle. Momentan hat Mina einen Minijob als Reinigungskraft in einer Kita. Sobald ihre Deutschkenntnisse es erlauben, möchte sie eine Ausbildung beginnen. Ihr Traum ist es, als Köchin in einem Restaurant zu arbeiten.

Weihnachten möchte die WG-Familie ganz klassisch feiern. Zusammen Bratäpfel essen, Lieder singen und den Gottesdienst in der St. Johanniskirche besuchen, haben sich die fünf „Mädels“ vorgenommen. 

ahk

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