Emotionaler Theaterabend mit Suzanne von Borsody und Guntbert Warns

Bravo nach dem Vorhang

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Gefühlsausbrüche prägten das Beziehungsdrama mit Suzanne von Borsody und Guntbert Warns.

Verden - Gleich zwei prominente Schauspieler standen am Dienstagabend in Verden auf der Bühne: Suzanne von Borsody und Guntbert Warns hatten die Stadthalle nahezu gefüllt und sich dem Publikum in „Der letzte Vorhang“ in Topform präsentiert.

„Der letzte Vorhang“ ist eine traurige, nicht einmal so ungewöhnliche Geschichte, die als Theaterstück von der niederländischen Autorin Maria Goos zunächst unspektakulär erscheint: Die Schauspieler Lies und Richard, einst gemeinsam erfolgreich und zeitweise intensiv miteinander liiert, treffen nach zehn Jahren wieder aufeinander. Lies, die inzwischen ein luxuriöses Leben mit ihrem Ehemann Woulter in Frankreich führt, kehrt kurzfristig auf die Bühne zurück, um als Partnerin für Richard einzuspringen, da es alle anderen verfügbaren Schauspielerinnen nicht mit dem schwierigen Mimen ausgehalten haben.

Doch schon beim ersten Zusammentreffen kommen die alten Ressentiments wieder hoch. Er lacht sie wegen ihres bürgerlichen Lebenswandels an der Seite ihres Ehemannes, eines Gynäkologen aus, den er respektlos „Muschi-Doktor“ und „Mösen-Beschauer“ nennt. Sie hält ihm den Spiegel vor, ehe sie vereint die Proben für das Stück wieder aufnehmen, mit dem ihre gemeinsame Karriere einst begonnen hatte.

Alte und neue Gefühle und Konflikte bestimmen fortan das Spiel, da einerseits die alte Liebe rasch wieder erblüht, andererseits aber auch längst verheilt geglaubte Wunden wieder zu „bluten“ beginnen. Lies und Richard müssen sich folglich ganz neu entscheiden. Das berufliche Zusammentreffen wird zum reinen Beziehungsdrama, das den großartig agierenden Schauspielern reichlich Futter liefert. Und natürlich sind auch die Namen der Protagonisten, Lies und Richard, hier nicht zufällig gewählt. Sie weisen auf das Schauspieler(ehe)paar Elizabeth Taylor und Richard Burton hin, deren Leben ebenso große Parallelen zu ihren Bühnenrollen aufwies.

Von Barsody und Warns brillierten in ihren Rollen. Beide überzeugten mit schauspielerischen Höchstleistungen und stellten ein ganzes Bündel von Emotionen dar. Dabei hatten sie die Balance zwischen Ignoranz, Sehnsucht, Verachtung, Liebe, Wut, Zeitebenen und den nur imaginär anwesenden Personen meisterhaft im Griff haben.

Dabei war es wohltuend, dass sich ihr Spiel in einem unscheinbaren Bühnenbild bewegte: Sofa, Tisch, Gläser und Getränke, mehr braucht es nicht, um das Publikum zu fesseln und es mitzunehmen in Zeiten, die rasend schnell zwischen Hier, Heute und Gestern wechseln. Mit großer Intensität gab Warns das selbstverliebte Arschloch, den egozentrischen, alkoholkranken Schauspieler Richard, der sich vordergründig so überlegen gab und seine Alkoholsucht als Zugehörigkeit zu einer besonderen Spezies geradezu grotesk verklärte.

Andererseits zeigte er aber auch immer wieder große Angst vor Verletzungen und Einsamkeit. So hatte er boshaften Spaß daran, Lies‘ Ehemann Wouter als Nullnummer vorzuführen, damit sie bei ihm bleibt. Am Ende war sie sogar dazu bereit, wurde dann aber erneut von Richard allein gelassen, der sich mit dem Klassiker verabschiedet, dass er mal eben Zigaretten holen geht.

Zum Finale taucht Wouter auf, der vorher nur als Tölpel, Kunstsammler und Lebemann eine Rolle spielte und jetzt mit seiner Aufrichtigkeit und in seiner Liebe zu Lies den Kreis schloss. Das Verdener Publikum war begeistert und es gab kräftigen Applaus, anerkennende Pfiffe und laute Bravo-Rufe.

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