HISTORISCHES VERDEN – KRIEGSENDE: Brückensprengung und Großangriff auf die Stadt

Zweiter Weltkrieg: Elf tote Feuerwehrmänner nach Bombentreffer

Das Heeresverpflegungsamt wurde am 14. April 1945 von einer Fliegerbombe getroffen. Elf Feuerwehrmänner kamen dabei um.
+
Das Heeresverpflegungsamt wurde am 14. April 1945 von einer Fliegerbombe getroffen. Elf Feuerwehrmänner kamen dabei um.

Von Andrea Lutter

Andrea Lutter, Mitarbeiterin im DOZ20, hat dazu recherchiert und sogar Verbindungen nach England aufnehmen können. Erstmals gibt es Fotos von dem Luftangriff, kurz vor dem Einmarsch der britischen Truppen:

„In Verden ist während des Krieges ja nicht viel passiert...“ – so die oft geäußerte Meinung. Die Realität sah anders aus, zumindest im April 1945. Etliche in den Kellern und Luftschutzräumen verbrachte Stunden und Nächte, Angriffe durch Jagdbomber, Zerstörung von Gebäuden, Verletzte, Verschüttete, Tote. In der Zeit vom Januar 1945 bis zum 17. April 1945 gab es in Verden 51mal Fliegeralarm, teilweise bis zu dreimal täglich. Die Angst gehörte zum Alltag, manche Mütter behielten deshalb ihre Kinder zu Hause, anstatt sie zur Schule zu schicken, oder flohen mit ihnen aufgrund des Kampfgeschehens in die umliegenden Dörfer.

Sprengung der beiden Allerbrücken

Nach der völlig unsinnigen Sprengung der beiden Allerbrücken durch Angehörige der Wehrmacht und eines Teilstückes der Eisenbahnbrücke am Vormittag des 13. April, mit verheerenden Schäden in der gesamten Altstadt, folgten an diesem Tag Tieffliegerangriffe. Der Beschuss von Teilen des Stadtgebietes mit Bordwaffen forderte drei Verletzte am Heeresverpflegungsamt.

Am 14. April begann um 8 Uhr der Beschuss mit Granaten

Am 14. April begann der Beschuss mit Granaten bereits morgens um 8 Uhr. Verzeichnet wurden Einschläge am Allerufer sowie Zerstörungen an Fassaden, Giebeln und Dächern von Häusern in der Stadtmitte, in der Fährstraße gab es einen Verletzten. Artilleriefeuer aus süd- und nordwestlicher Richtung traf gegen 10 Uhr vor allem den Südteil der Stadt und führte zu vielen Zerstörungen, darunter in der Grünen Straße/Ecke Burgberg, am Domfriedhof – hier tötete ein Artillerievolltreffer den Friedhofswärter, – am Turm der St. Josefkirche sowie an Häusern in der Sedanstraße, Münchmeyerstraße, Andreaswall und in der Oberen Straße. Die eingesetzten Spreng- und Brandbomben verursachten zahlreiche Schäden.

Verden: Friedhofswärter stirbt nach Treffer durch Artilleriegeschoss

Der schwerste Angriff, der auch als schwärzester Tag in die Geschichte der Verdener Feuerwehr einging, erfolgte am Nachmittag durch massive Angriffe von Jagdbombern mit Bomben und Bordwaffen. Sie trafen insbesondere die Pestalozzischule, erneut die St. Josefkirche – die Decke und den Dachstuhl – sowie die Turnhalle und den Westflügel des Domgymnasiums. Die Verdener Feuerwehr eilte zum Heeresverpflegungsamt, wo ein Schuppen des Heu- und Strohlagers in Flammen stand. Während der Löscharbeiten kreisten britische Tiefflieger unablässig über diesem Geschehen und warfen ihre tödliche Last ab. Durch Volltreffer kamen elf Feuerwehrleute ums Leben, unter ihnen zwei Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren, auch zwei Löschzüge wurden zerstört. Trotzdem hatten die verbliebenen Feuerwehrmänner im Laufe des Nachmittags noch Brände in der Stifthofstraße, an der Reeperbahn und in der Ritterstraße zu löschen. In den umliegenden Straßen, im Bereich des Bahnhofs, waren weitere Schäden zu verzeichnen. Die „Technische Nothilfe“ (TN) musste Verschüttete bergen. Traurige Bilanz dieses Tages: 40 Tote. Einige starben unter den Trümmern eingestürzter Häuser, vornehmlich in der Fabrikstraße, am Alten Pulverschuppen und am Mühlenberg.

Fotos über Angriff aus England

Im ihrer Recherche für ein anderes Projekt stieß Angelika Lutter auf mehrere Original-Luftbilder aus England. Diese bisher unveröffentlichten Aufnahmen machte die Besatzung eines Flugzeuges des Aufklärungsgeschwaders 658 der Royal Air Force in mehreren Durchgängen am Nachmittag des 14. April 1945. Zu sehen sind der Brand am Heeresverpflegungslager und die zerstörten Brücken. In dem dazugehörigen Logbuch-Eintrag ist vermerkt, dass diese Aufnahmen – sie wurden vom „Royal Engineers 12. Corps“ angefordert, um sich einen Überblick über mögliche Aller-Übergänge zu verschaffen – zu vollkommen geänderten Plänen für den Vorstoß auf Verden führten. Die Fotos stammen aus dem Nachlass eines Offiziers, der vermutlich dieser Einheit (Royal Engineers) angehörte.

Es gibt sicherlich noch Verdener, die sich an diese Tage erinnern. Das DOZ 20 ist an Zeitzeugenberichten sehr interessiert. Es ist derzeit zwar geschlossen, eine Kontaktaufnahme kann aber unter der Telefonnummer 04231/9281553 (AB) oder per E-Mail doz20-verden@ewe.net erfolgen.

In nur wenigen Quellen ist vermerkt, dass am 14. April 1945 nachmittags ein britischer einsitziger Jagdbomber vom Typ „Hawker Typhoon“ durch Flak-Beschuss bei Klein-Hutbergen abstürzte. Der 23 Jahre alte Pilot kam dabei ums Leben.

Eine Kriegszeugin erinnert sich an Bomberabsturz

Hieran erinnert sich eine Zeitzeugin:

„... am Kriegsende ist ein Flugzeug in die Wiesen gestürzt, hinter dem Bauernhof Lühning, vor dem Wiehegraben. Vor dem Absturz hat der Pilot einen Bomben-Notabwurf gemacht. Die Bomben sind rund um unser Haus gefallen (wir wohnten neben der Ziegelei) und explodiert. Alle Fenster sind zerstört worden. Nur eine Glasscheibe innen war heile geblieben. Wir waren im Keller. Dort hatten wir Betten.“

40 Tote nach Bombenangriffen

Die „Technische Nothilfe“ (TN) musste Verschüttete bergen. Traurige Bilanz dieses Tages: 40 Tote. Einige starben unter den Trümmern eingestürzter Häuser, vornehmlich in der Fabrikstraße, am Alten Pulverschuppen und am Mühlenberg.

Der feindliche Artilleriebeschuss setzte sich in den folgenden Tagen fort, vornehmlich vom Westufer der Aller her, das schon in britischer Hand lag. Weiterhin waren zahlreiche Brände zu verzeichnen. Am Morgen des 17. April erreichten britische Einheiten vom Osterkrug kommend die Stadt. Gegen Mittag war die Besetzung Verdens endgültig abgeschlossen

Das DOZ 20 ist an weiteren Zeitzeugenberichten sehr interessiert. Die Einrichtung ist derzeit zwar geschlossen, eine Kontaktaufnahme kann aber unter der Telefonnummer 04231/9281553 (AB) oder per E-Mail doz20-verden@ewe.net erfolgen.

Ein Beitrag

„War is over – als der Frieden nach Verden kam“ steht als Web-Dokumentation unter dem Link:

www.readymade-wa.de/doz20/.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Scheunenbrand in Riede: Rauch viele Kilometer weit sichtbar

Scheunenbrand in Riede: Rauch viele Kilometer weit sichtbar

Scheunenbrand in Riede: Rauch viele Kilometer weit sichtbar
Junge Bassenerinnen laden zur Gründung einer Dorfjugend ohne Altersobergrenze ein

Junge Bassenerinnen laden zur Gründung einer Dorfjugend ohne Altersobergrenze ein

Junge Bassenerinnen laden zur Gründung einer Dorfjugend ohne Altersobergrenze ein
„Online einzukaufen nutzt dem Klimaschutz“

„Online einzukaufen nutzt dem Klimaschutz“

„Online einzukaufen nutzt dem Klimaschutz“
Verdener Domplatz in Partystimmung

Verdener Domplatz in Partystimmung

Verdener Domplatz in Partystimmung

Kommentare