Steuer- und Finanzreform blickt auf 100-jährige Geschichte zurück

Einheitlich und effizient

Einen „Asbest-Schutzanzug“ bekam das Gebäude bei der Renovierung in den jahren 2006 bis 2007.

Verden/Landkreis - Von Harald Röttjer. Die Erzbergersche Steuer- und Finanzreform im Jahr 1919 ist der Grund, weshalb die Steuerverwaltung in Niedersachsen und das Finanzamt Verden in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen feiern können. Gleich mit zwei Veranstaltungen erinnert die Verdener Behörde an diesen Jahrestag. Am 10. September gibt es einen Festakt mit Empfang. Einige Tage vorher steht ein Vortrag über die Reichsfluchtsteuer auf dem Programm, mit dem die Rolle der Finanzverwaltung in der NS-Zeit beleuchtet wird.

Mit der vom damaligen Finanzminister Matthias Erzberger maßgeblich betriebenen Reform sollte die Verwaltung durch einen dreistufigen Aufbau und einelandesweite Steuererhebung leistungsfähiger werden. Bis dato war der Steuervollzug im Kaiserreich den einzelnen Kommunen überlassen geblieben und damit uneinheitlich und wenig effizient. Das Gesetz über die Reichsfinanzverwaltung, das am 10. September 1919 in Kraft trat, war die Grundlage für die Schaffung einer reichseinheitlichen Finanzverwaltung. Dieses Datum kann als Gründungsdatum des Finanzamts Verden gesehen werden.

Damals bestanden für den Kreis Verden ein Hauptsteuerbüro in Bremen und ein Zweitbüro in Verden, die seit dem 1. Juli 1919 dem preußischen Staatssteueramt in Bremen unterstellt waren; sie wurden vom Hauptbüro in Achim aus mitverwaltet. Am 1. Juli 1919 übernahm für den in Pension getretenen Regierungsrat Küster der Obersteuersekretär Dohmann von der Steuerveranlagungskommission in Osterholz-Scharmbeck im Zweigbüro Verden die Amtsgeschäfte. Im Juni 1920 wurde er zurückversetzt und die Dienstgeschäfte beim Hauptsteuerbüro in Bremen dem am 5. Dezember 1919 von der Regierung in Stade einberufenen Steuersupernumerar Bohnsack übertragen.

Mit Auflösung des preußischen Staatssteueramtes Anfang 1920 wurde das Hauptbüro des Finanzamtes für den Kreis Verden in die Kreisstadt verlegt und Steuersupernumerar Bohnsack gleichfalls nach Verden versetzt. Mit der Einrichtung und Leitung des Finanzamts Verden wurde Obersteuersekretär Altner von der Veranlagungskommission Hannover-Linden beauftragt. Am 22. Juni 1920 wurde mit der Einrichtung des Finanzamts in Verden begonnen, Geschäftsräume waren zwei kleinere Räume im Verdener Rathauses sowie ein Zimmer im bisherigen Zweigsteuerbüro des Staatssteueramtes Bremen.

Langwierige Gespräche über den Sitz

Mit der Überführung der erforderlichen Akten sowie des Inventars im Sommer 1920 wurden in Verden die bisher im beschränkten Umfang betriebenen Dienstgeschäfte aufgenommen. Langwierige Gespräche gab es über den Sitz des Finanzamts, das schließlich in angemieteten Räumen im Hausgrundstück des Kaufmanns Eugen Steinberg in der Großen Straße 73 eingerichtet wurde. Der erste Geschäftsverteilungsplan wurde am 15. November 1920 vorgelegt, außerdem wurden die Aufgaben immer umfangreicher.

Soweit eine kurze Beschreibung aus den Anfangsjahren. Über die weitere Entwicklung der Behörde, die seit knapp 20 Jahren ihren Sitz an der Bremer Straße 4 hat, wird in dem im Herbst erscheinenden Jahrbuch für den Landkreis Verden mit Auszügen aus der Chronik berichtet.

Mit einer Jubiläumsfeier „100 Jahre Finanzbehörde Verden“ hatte sich der damalige Vorsteher Christof Steil schon länger beschäftigt. Nach seiner Versetzung an das Finanzamt Nienburg Anfang des vergangenen Jahres wurde Anfang 2019 Kathrin Schünemann mit der Organisation des Jubiläums beauftragt. Sie ist derzeit als Erprobungssachgebietsleiterin vom Finanzamt Nienburg an das Finanzamt Verden abgeordnet. Unterstützt wird sie von einem Team mit Mitarbeitern des Finanzamts. Christof Steil ist einer der Verfasser der Chronik „100 Jahre Steuerverwaltung Niedersachsen“, die vom Landesamt für Steuern herausgegeben wird.

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