GaW-Schüler kommen mit Experiment auf Platz eins bei Landeswettbewerb

Selbstversuch: „Eine Woche ohne Plastik“

Vier junge Frau mit Urkunden sowie ein Mann stehen in einer Kirche, im Hintergrund ist ein Altar zu sehen, und lächeln freundlich in die Kamera.
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Landesbischof Ralf Meister mit den Vertreterinnen des Gymnasiums am Wall, Cara Austermann, Lea Roebke, Maira Symanczyk, sowie Religionslehrerin Swaantje Cramer (v.l.). (Elias Deblitz fehlte bei der Preisverleihung)

Religions-Schüler des Gymnasiums am Wall belegten beim Landeswettbewerb Evangelische Religion den ersten Platz unter den Gruppen. Die Jugendlichen hatten einen Selbstversuch „Eine Woche ohne Plastik“ gestartet und entsprechend dokumentiert. Das Ergebnis überzeugte nicht nur die Jury, sondern auch Laudator Landesbischof Ralf Meister.

Loccum/Verden – Großes Lob vom Landesbischof: „Engagiert, kritisch, eigenständig und sehr aufwendig“ nannte Ralf Meister die Arbeit von Lea Röbke (18), Cara Austermann (18), Elias Deblitz (18) und Maira Symanczyk (17). Die Jugendlichen vom Gymnasium am Wall in Verden haben mit ihrem dokumentierten Selbsttest „Eine Woche ohne Plastik“ den ersten Platz beim Landeswettbewerb Evangelische Religion belegt.

In der Kategorie Gruppenbeiträge bewertete die Jury die Arbeit der Gymnasiasten zum Thema „Systemwandel statt Plastikhandel“ als herausragend und belohnte sie mit 600 Euro. Sie und sechs weitere Einzel- und Gruppensieger erhielten ihre Urkunden und Geldprämien am Montag bei einer Feierstunde in der Klosterkirche zu Loccum im Kreis Nienburg, teilt das Religionspädagogische Institut Loccum in einem Pressebericht mit.

Auch der Bischof hat es schon ausprobiert

Der Verzicht auf Kunststoffe erfordere „eine große Umstellung des alltäglichen Konsumverhaltens“, so der Landesbischof. „Ihr habt diese Ambivalenz überzeugend dargestellt. Und habt es gleichzeitig unterfüttert mit der Überzeugung, dass die Veränderung unseres Lebensstils mehr ist als eine vorübergehende Modeerscheinung.“

Seine Frau und er hätten in der Passionszeit 2019 ebenfalls versucht, eine Woche auf Plastik zu verzichten, sagte Meister. „Wir sind dieses Projekt aber bei Weitem nicht so strategisch angegangen wie ihr“, richtete er sich an die Verdener. „Für mich als fast 60-Jährigen zeigt eure Arbeit, wie umfassend ein Systemwandel eigentlich sein muss, wenn Menschen meiner Generation mit Menschen eurer Generation gemeinsam und nachhaltig an Zukunftsfragen arbeiten wollen.“

Inspiriert von „Fridays for Future“

„Wir haben mit unserem gesamten Religionskurs an dem Wettbewerb teilgenommen“, berichtete Lea Röbke. Das Thema Nachhaltigkeit habe sich schnell aufgedrängt, auch durch inspirierende Menschen wie die „Fridays for Future“-Sprecherinnen Greta Thunberg und Luisa Neubauer. „Kein anderes Thema spielt für uns so eine relevante Rolle mit Blick auf unsere Zukunft“, waren sich die Schüler einig – und freuten sich über den ersten Preis – trotz des ernsten Themas.

„Wie drastisch die Folgen des Klimawandels und der Corona-Pandemie tatsächlich sind, können wir uns wahrscheinlich gar nicht vorstellen“, unterstrich Cara Austermann. Dennoch hätten sie und ihre Mitschüler Zukunftsängste: Fragen wie „Was soll ich nach der Schule mit meinem Leben anfangen? Kann ich das studieren, was ich möchte oder wird mir diese Chance genommen? Lohnt es sich überhaupt, eine Familie zu gründen und die Kinder in so eine kaputte Welt zu geben?“ treiben die Jugendlichen um.

Wegen der Pandemie war die Preisverleihung dieses zehnten Landeswettbewerbs immer wieder verschoben worden, ziemlich genau ein Jahr mussten die Gewinner auf die Prämierung warten. Insgesamt beteiligten sich 269 Schüler der Jahrgangsstufen 10 bis 13 aus 24 Schulen in Niedersachsen mit 119 Einzel- und Gruppenbeiträgen am Wettbewerb zum Thema „Zukunft“. Zu gewinnen gab es Geldpreise zwischen 150 und 600 Euro sowie 100 Buchpreise.

Gerade den jungen Menschen ist ja durch Corona vieles an Zukunft genommen worden. 

Kultusminister Grant Hendrik Tonne 

Der Abgabetermin war Anfang 2020, Corona spielte da noch keine Rolle. Hätte das die Arbeiten verändert? Für die Verdener Schüler nicht unbedingt. Womöglich hätten sie noch ein Unterthema zum Plastikverbrauch hinzugefügt – und den durch die Pandemie verursachten Müll durch Masken und Schnelltests in den Blick genommen.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne verwies darauf, dass die Fragen nach der Zukunft durch die Pandemie für Kinder und Jugendliche noch drängender geworden seien: „Gerade den jungen Menschen ist ja durch Corona vieles an Zukunft genommen worden, was ihnen kurz vorher noch sicher und selbstverständlich vorkam: Schule oder Studium fanden nur noch digital statt, Praktika wurden abgesagt, Auslandsaufenthalte entfielen, Reisen, Feiern, Treffen mit Gleichaltrigen und Gleichgesinnten wurden drastisch eingeschränkt.“ Umso bemerkenswerter sei das Engagement vieler Jugendlicher, die sich beispielsweise um Ältere und Kranke gekümmert oder jüngeren Schülern Nachhilfe gegeben hätten, so Tonne: „Da haben die jungen Menschen ganz praktisch und niedrigschwellig in die gemeinsame Zukunft investiert.“

Der Landeswettbewerb wird alle zwei Jahre vom Religionspädagogischen Institut Loccum (RPI) ausgerichtet. Ins Leben gerufen wurde er 1998 gemeinsam mit der Hanns-Lilje-Stiftung; seit 2015 ist auch die Heinrich-Dammann-Stiftung beteiligt. Beide gehören zu den bedeutendsten evangelischen Stiftungen in Niedersachsen.

„Zehn Landeswettbewerbe haben etlichen Schülerinnen, Schülern und ihren Lehrkräften Anreize für die Gestaltung lebenswichtiger Themen in religiösen Perspektiven gegeben“, erklärte RPI-Rektorin Silke Leonhard. „Die Koordinatorin Kirsten Rabe hatte eine verheißungsvolle Ahnung von der Bedeutung des aktuellen Themas Zukunft, die sich bestätigt hat: Jugendliche nehmen die Gegenwart kritisch wahr. Und sie rufen zu heilsamen und lebensfreundlicheren Visionen einer besseren Zukunft auf. Von daher freuen wir uns auf einen spannenden elften Wettbewerb.“

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