Partnerschaftstreffen Preußisch Eylau

Eine Herzensangelegenheit

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Landrat Peter Bohlmann (l.) und die Erste Kreisrätin Regina Tryta legten Sonntagmorgen gemeinsam mit Delegierten der anderen Partner Kränze am Mahnmal im Verdener Bürgerpark nieder.

Verden -  „Das Bewusstsein über die Schuld des eigenen Staates schließt aber das Gefühl der Ungerechtigkeit nicht aus, denn mein Großvater wurde 1942 von den Nazis im Gefängnis von Kalisz erschossen und hinterließ eine behinderte Ehefrau und zwei kleine Kinder“, beschrieb Bozena Olszewska-Switaj, Gemeindevorsteherin von Gorowo-Ilawiecki, bei der Feierstunde zum Partnerschaftstreffen Preußisch Eylau die Erinnerung in ihrer Familie.

Bei der Vorbereitung für ihre Rede habe sie sich mit der Lektüre „Die Chroniken von ländlichen Gemeinden Canditten“ beschäftigt und

beim Lesen häufig selbst Scham- und Schuldgefühle darüber empfunden, was Polen den dort lebenden Einwohnern angetan hätten: beraubt, gestohlen, gedemütigt und entwürdigt, betonte Olszweska-Switaj. Aber in die Erinnerungen aus dieser Zeit mischten sich die Verzweiflung und Schuld der Autoren, die betonten, dass ihr Schicksal aus dem von ihrem Land initiierten Krieg resultiere.

So habe auch Gräfin Esther von Schwerin von Wildenhoff gedacht, deren Mann, ein Offizier, im Winter 1945 von den Russen getötet wurde. Sie sei mit ihren zwei Kindern geflohen und habe geschrieben: „Mit der zunehmenden Entfernung nahm den Schmerz der Trennung immer mehr zu. Zugleich blieb das Schuldgefühl in jedem Gedanken und in jeder Erinnerung“. Und Marion Gräfin von Dönhoff wiederholte oft in den Erinnerung an ihr Leben und Zuhause in Ostpreußen: „Vielleicht ist der höchste Grad der Liebe –zu lieben ohne zu besitzen.“

Wie könne die eine und die andere Geschichte miteinander in Einklang zu bringen sein, ohne die Schuld zu vergessen, an den Erinnerungen der Betroffenen Anteil zu nehmen, und wie könnten zukünftig solche Situationen vermieden werden, fragte die Kommunalpolitikerin und riet: Das Individuum werde den Krieg nicht aufhalten, ein ungerechtes System nicht ändern, aber jeder könne und müsse darauf achten, die moralische Messlatte hoch anzusetzen und in jeder Situation Mensch zu bleiben.

Zahlreiche Gäste fanden sich zur Kranzniederlegung ein, darunter Vertreter des Landkreises und der Stadt Verden sowie der Kreisgemeinschaft und der Partner aus Polen. Lediglich die russische Partnerschaftskommune konnte in diesem Jahr keine Delegierten entsenden. Der Grund: eine Kommunalwahl.

„Es ist schön, dass wir nach nunmehr zwei Jahrzehnten der Partnerschaft feststellen können, dass bei uns die Linien der Vernunft und des Herzens immer in die gleiche Richtung weisen. Denn nicht aus der Staatsräson heraus, sondern aus dem gegenseitigen Interesse und dem Antrieb unseres Herzens ist diese vor 20 Jahren feierlich besiegelte Partnerschaft begründet“, würdigte Landrat Peter Bohlmann die 1996 zwischen der Stadt und dem Landkreis Verden sowie der Kreisgemeinschaft und den Kommunen aus dem ehemaligen Landkreis Preußisch Eylau in Ostpreußen geschlossene Verbindung.

Bürgermeister Lutz Brockmann dankte der Kreisgemeinschaft und allen Heimatvertriebenen für das Engagement für Frieden und Völkerverständigung. Weil sie im Westen eine neue Heimat gefunden hätten, sei es möglich gewesen, mit den Menschen Freundschaften und Partnerschaften zu schließen, die heute in ihrer alten Heimat lebten. Die Erinnerung an Preußisch Eylau und Landsberg sowie an Krieg, Flucht und Vertreibung werde mit jährlichen deutsch-polnisch-russischen Jugendbegegnungen an die jüngeren Generationen weitergegeben.

Das gemeinsame Lernen aus der Geschichte sei der beste Weg, um Frieden und Gerechtigkeit zwischen unseren Völkern zu fördern, so Brockmann. Die Versöhnung sei dabei das notwendige Fundament für eine friedliche und menschliche Zukunft. Für den gemeinsamen Weg in eine bessere Zukunft sei ein gemeinsamer Blick in die Vergangenheit wichtig.

Die Vorsitzende der Kreisgemeinschaft, Evelyn von Börries, betonte, dass alle gemeinsam diese Partnerschaft mit Leben erfüllten. Es seien Freundschaften entstanden und diese sollten weiter aufgebaut werden. Auch gerade deshalb, weil es nicht überall gelungen sei, die kommende Generation in den Heimatgedanken einzubeziehen.

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