Ereignis war nicht vorhersehbar

Havarie der Kläranlage mit Langzeitfolgen in Verden

Im Dezember 2017 waren über 200 Einsatzkräfte nach der Havarie auf der Verdener Kläranlage gefragt. Foto: bruns

Die Havarie in der Verdener Kläranlage im Dezember 2017 ist offenbar immer noch nicht ausgestanden. Die CDU-Fraktion stellte jetzt dazu ein Bündel an Fragen. Werkleiter Uwe Gerdes musste sie in der jüngsten Ratssitzung beantworten. Ergebnis: Das Ereignis war nicht vorhersehbar gewesen.

Verden – Über200 Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW waren damals angefordert worden, um den Austritt des Klärschlamms, der sich aus einem leckgeschlagenen Faulbehälter im Kellergeschoss der Anlage angesammelt hatte, zu stoppen. Es gelang in den Nachtstunden. Dennoch bleiben Fragen, die die CDU-Fraktion zu dem Fragenkatalog veranlasste. Überdies war unter Einbeziehung des Rechnungsprüfungsamtes ein Fachmann festgelegt worden, der die Hintergründe der Havarie beleuchten sollte.

Einvernehmlich war daraufhin Prof. Dr.-Ing. Artur Mennerich (Professor an der Ostfalia Hochschule Campus Suderberg) als unabhängiger externer Fachmann für die Beantwortung der Fragen der CDU-Fraktion hinzugezogen worden. Werkleiter Gerdes verlas nun Auszüge aus der Stellungnahme des Professors in der Ratssitzung. Die ergänzende Nachfrage des CDU-Fraktionsvorsitzenden Jens Richter, warum die elektrisch betriebenen Plattenschieber bis zur Havarie nicht angeschlossen waren, beantwortete der Werkleiter im Rathaus wie folgt: „Aus Gründen anderweitiger Prioritätensetzung war es nicht dazu gekommen, die Plattenschieber bis zur Havarie anzuschließen.“

Verden: Havarie der Kläranlage mit Langzeitfolgen

In diesem Zusammenhang wies Uwe Gerdes daraufhin, dass bedingt durch eine massive Betriebsbeeinträchtigung der Behelfsfaulbehälter im Sommer 2017 unter Beteiligung der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Verden festgelegt worden sei, möglichst umgehend den seit Frühjahr 2016 außer Betrieb befindlichen Hauptfaulbehälter wieder zu betreiben. Vor diesem Hintergrund sei es aus Sicht des Betriebleiters vertretbar gewesen, den Betrieb ohne den elektrischen Anschluss der Plattenschieber wieder aufzunehmen.

Auch Professor Mennerich fasst das Ergebnis seiner Expertise ähnlich zusammen: „Die Frage, ob der Faulbehälter unter den gegebenen Umständen wieder in Betrieb genommen werden durfte, wird aufgrund der betrieblichen Notwendigkeit bejaht.“ Ursächlich für die Havarie sei das Versagen einer nicht fachgerecht montierten Rohrquetschverbindung in der Druckleitung von den Umwälzpumpen in den Faulbehälter, so der Fachmann.

Dieses Ereignis sei aber nicht vorherzusehen gewesen. „Man musste nicht damit rechnen, dass eine Rohrverbindung plötzlich versagt“, schreibt der Professor in seinem Gutachten. Auch wenn in letzter Zeit auf der Kläranlage Oldenburg eine etwas anders geartete, aber ähnliche Havarie aufgetreten sei, sei das ein extrem unwahrscheinliches Ereignis. Das Versagen sei zudem plötzlich aufgetreten. Dabei habe sich die Raumluft schnell mit Dampfschwaden gefüllt, sodass die Sicht behindert gewesen sei. Außerdem sei der Flüssigkeitsspiegel schnell angestiegen. Ein Betreten des Faulraumkellers sei dahei binnen kurzer Zeit nicht mehr möglich gewesen. Im Übrigen habe die technische Ausrüstung des im Faulraumkeller montierten Rohrleitungssystems nach Auffassung Mennerichs dem heute üblichen Stand der Technik entsprochen.

CDU-Fraktionschef Richter betonte auf Nachfrage, dass sich seine Fraktion mit den Antworten nicht zufrieden geben werde. Zunächst aber wolle er mit seinen Ratskollegen das Gutachten auswerten und schauen, welche Schlussfolgerungen daraus zu ziehen seien.

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