Veteranentreffen von Eitzer und Luttumer Kickern: Heinrich Krause und die Anfänge

Eine Geschichte der Integration im Verdener Sport

Für Heinrich Krause ist es eine Geschichte von Toleranz und Integration, die er in Verden erlebt hat. In ein paar Tagen will er zurückkehren und sich mit den ehemaligen Mannschaftskameraden treffen. Vor 50 Jahren war der Oldenburger teil der Fußball-Geschichte, die kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann.

Für das Veteranentreffen ist alles vorbereitet. Heinrich Krause war für die Organisation extra nach Verden gekommen und berichtete von den Plänen.

Die Kicker nämlich, die ihn so eng mit Verden und Umgebung verbinden, waren anfangs alle Evakuierte und Flüchtlinge wie er selbst. Nach der Flucht seiner Familie aus Pommern war Heinrich Krause allerdings in Oldenburg gelandet. Deshalb spielt er anfangs keine Hauptrolle in der Geschichte, die am Rande von Verden viel früher anfing.

Im Wald ein Fußballfeld geschaffen

In einer Zeit als Krause Luttum und Eitze noch gar nicht kannte, so berichtet er, sei die Ansammlung von Flüchtlingen aus Bessarabien, West- und Ostpreußen, Pommern, Rumänien und Jugoslawien in den beiden Ortschaften groß gewesen. Die Nachkriegszeit sei eine Zeit widriger Umstände gewesen. In der britischen Besatzungszone prägten Hunger, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit für sie den Alltag. „Dennoch entschlossen sich einige junge Männer aus dem Sportverein TSV Eitze 1947, eine Fußballabteilung zu gründen“, erzählt Heinrich Krause. Für die angehenden Kicker gehörte damals schon einiges an Pioniergeist dazu, ein solches Vorhaben anzugehen. Ein Fußballfeld habe es nicht gegeben, berichtet Krause. Da war Eigeninitiative gefragt. „In einem Waldstück wurde ein Feld geschaffen“, erzählt der Ottersberger. Umkleidekabinen, Waschanlagen oder gar Duschen habe es natürlich da nicht gegeben, schildert er.

Dass „Soccer“ an der Aller gepflegt werden sollte, habe aber die Unterstützung der britischen Besatzungstruppen gefunden und so sei in Luttum und Eitze schnell ein reges Vereinsleben entstanden. Eins ist Krause wichtig: „Der Fußball hat Verbindungen geschaffen, eine reibungslose Integration. Tugenden wie Toleranz, Respekt, Fairness oder Anerkennung von Leistung des Anderen wurden damals nicht lehrfachartig vermittelt. Sie schlichen sich durch das tägliche Miteinander ein.“

Als Boxer nach Verden gekommen

Krause selbst kam erst viel später dazu, mittlerweile gab es die Bundeswehr und er musste seinen Wehrdienst in der nagelneuen Kaserne in Achim ableisten. In Verden sah der junge Mann sich um, weil er sich für den Boxsport interessierte. „Das haben die Briten damals auch unterstützt“, erinnert er sich. Und dann lernte Krause seine spätere Frau Heidemarie kennen, eine Luttumerin. Damit war der Kontakt da und der Fußball habe ihn angelockt. Zehn Jahre habe er dann für den Eitzer Verein gespielt und dabei all die Geschichten von den Anfängen gehört.

Jetzt bleiben nur noch wenige Tage bis die alten Recken sich wiedersehen. „ Alle sind über 70 Jahre alt. 14 haben sich schon angemeldet“, berichtet Heinrich Krause. Einer von ihnen ist Gerd Haag, der damals mit ihm in der Mannschaft mitgespielt hatte. Da war es natürlich keine Frage, dass dies Treffen im Hotel Niedersachsenhof stattfinden kann. Die einzige Gaststätte in Luttum, die dann auch zum Clubheim der Fußballabteilung wurde, gebe es nicht mehr. Versammlungen und Feierlichkeiten seien da abgehalten worden. Der Verdener Hotelier sei gleich Feuer und Flamme für das Treffen gewesen, berichtet Krause.

Treffen mit Torwandschießen

In einer Woche ist es schon soweit. Am Sonnabend, 27. November, kommen die beiden Urheber Robert Vix und Heinrich Krause im Wintergarten des Hotels mit den Ehemaligen zusammen. Gerd Haag will auch dafür sorgen dass die Ganz-Alte-Herren aus Eitze und Luttum zeigen kann, dass sie noch mit dem Fußball umgehen kann. Einen Platz und eine gegnerische Mannschaft wie damals wird es nicht geben. Aber nur mit dem Brunch und dem Schwelgen in Erinnerungen kommen die betagten Kicker nicht davon. „Es soll ein Torwandschießen geben“, berichtet Krause. Wer erst jetzt von dem Treffen erfährt und dabei sein möchte, kann sich bei Robert Vix unter 04231/9039986 melden.

Von Ronald Klee

Als Boxer war Heinrich Krause nach Verden eingestiegen. Als Fußballer ist er zehn Jahre geblieben.

Rubriklistenbild: © Klee

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