SPD abgehängt – Grüne und FDP die Gewinner

Eine erste Wahlanalyse: CDU die neue starke Kraft im Stadtrat

In Präsenz fand sie zwar statt, die Kommunalwahl am gestrigen Sonntag, dennoch war vieles anders. Glasscheiben zwischen Wahlvorstand und Wählern, wie hier an der Lönsschule, Masken hüben wie drüben sowieso. Dennoch hielt sich die Wahlbeteiligung auf dem Niveau vorangegangener Kommunalwahlen.
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In Präsenz fand sie zwar statt, die Kommunalwahl am gestrigen Sonntag, dennoch war vieles anders. Glasscheiben zwischen Wahlvorstand und Wählern, wie hier an der Lönsschule, Masken hüben wie drüben sowieso. Dennoch hielt sich die Wahlbeteiligung auf dem Niveau vorangegangener Kommunalwahlen.

Verden – Die CDU ist nach gefühlten Ewigkeiten offenbar wieder stärkste Kraft in der Stadt Verden. Die Christdemokraten vereinten nach Auszählung von 40 der 42 Stimmbezirke 33,39 Prozent der Stimmen auf sich und hängten damit die bisher führende SPD mit rund vier Prozent ab. Beide großen Parteien aber haben teils beträchtliche Verluste hinzunehmen.

Die wirklichen Wahlsieger sitzen andernorts. Die Grünen kratzten mit 18,9 Prozent an der 20-Prozent-Marke, die FDP kletterte auf 11,12 Prozent. Beide Parteien vermochten ihr Ergebnis aus dem Jahr 2016 spürbar zu steigern, die Grünen beinahe sogar zu verdoppeln. Die Freien Wähler kamen auf 4,1 Prozent, die Linke auf 2,7 Prozent. Das vorläufige Endergebnis lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Der Druck lag vor allem auf der SPD. Wie würden die Sozialdemokraten das Fehlen ihrer bisherigen Zugpferde kompensieren können? Das war die Frage, die über den gestrigen Auszählungen lag. Jutta Sodys, sie hatte vor fünf Jahren noch mit Abstand die meisten Stimmen auf sich vereint, diesmal trat die Dauelsenerin nicht wieder an. Gleichzeitig hatte es relativ kurzfristig einen Wechsel an der Fraktionsspitze gegeben, Michael Otten gab den Chefsessel an Carsten Hauschild ab. Und dann war kurz vor Ultimo auch noch der große Hoffnungsträger Benedikt Pape abgesprungen. Von einem Lutz Brockmann, der vor zehn Jahren noch Rekordergebnisse einfuhr, sowieso ganz zu schweigen. Aber, Hut ab, die SPD vermochte ihre Wähler immerhin so weit zu mobilisieren, dass immerhin ein einigermaßen achtbares Ergebnis heraussprang.

Wachstum bei Grünen und FDP führt zu unübersichtlicheren Verhältnissen

Auf den ersten Blick ist der Bürgermeister der Verlierer. Seine Hausmacht, die SPD, büßt deutlich an Stimmen ein, das Wachstum bei Grünen und FDP führt zu unübersichtlicheren Verhältnissen, der Wahlsieg der CDU macht‘s auch nicht einfacher. Aber die Wahrheit sieht anders aus. Schon bei den etwas klareren Verhältnissen in den vergangenen fünf Jahren hätte zumindest gelegentlich ein Donnergrollen seitens einer der seinerzeit noch starken Mächte ertönen müssen. Tat es aber allenfalls am Rande. Bei den großen Entscheidungen jedenfalls herrschte eine bemerkenswerte Einigkeit; Kompromisse wurden erzielt, die alle Seiten mittragen konnten. Angesichts der kommenden Konstellation dürfte es noch unwahrscheinlicher werden, dass eine der Parteien plötzlich auf den Hinterbeinen steht und nicht mehr einzufangen wäre.

Im Vorfeld hatten sie noch für Unfrieden gesorgt, die Wahlplakate, die zumindest an den Stadteinfahrten flächendeckend das Bild beherrschten, insbesondere die hohe Dichte der gelb-magenta-farbenen Versionen, der FDP. Inzwischen steht fest, völlig ohne Wirkung blieben die Initiativen offenbar nicht. Die Liberalen vermochten ihr Ergebnis zu steigern. Allerdings dürfte die Diskussion für und wider der Blickfänge am Straßenrand längst noch nicht ausgestanden sein. Auch die Grünen, spürbar weniger an Laternenpfählen oder Bäumen vertreten, durften Gewinne verzeichnen.

Kommunalwahl in Verden unter besonderen Bedingungen

Es war eine Wahl unter besonderen Bedingungen. Glasscheiben auf den Tischen des Wahlvorstandes, Masken in den Wahllokalen, eine Briefwahl, die in unendliche Höhen stieg. Corona beherrschte das Bild. So viel steht fest. Aber die Pandemie vermochte die Wahl nicht in die Knie zu zwingen. Auch dafür gibt es Belege. „Das Aufkommen der Wähler hier vor Ort lag gefühlt ein wenig unter dem Ergebnis früherer Jahre“, hieß es beispielsweise zur Mittagszeit aus einem Wahllokal in der Lönsschule, „aber es fiel trotz der Zuwächse bei der Briefwahl nicht ins Uferlose. Im Gegenteil. Gelegentlich bildeten sich Schlangen vor den Zugängen.“ Andernorts reichte die Menschenreihe sogar bis deutlich auf den Hof, in Borstel etwa. Geduldig warteten die Wähler, ein nettes Pläuschen entwickelte sich.

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Unklar noch, welche Rolle die Bundespolitik spielte. Wahlforscher erwarteten eine gewissen Wechselwirkung zur nahen Bundestagswahl. Sollten sie Trends suchen, in Verden dürften sie kaum fündig geworden sein, es sei denn, es beginnt sich tatsächlich noch eine Trendwende bei den großen Parteien abzuzeichnen.

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