Überwältigende Bereitschaft: Der Behindertenbeirat auf der Festmeile

Eine Domweih für alle

Eine Investition, die sich lohnt: Für die Domweihbesucher mit Rollstuhl geht es jetzt ganz einfach in Richtung Theke. - Foto: Klee

Verden - Das Bier am Stehstisch kann eine ziemlich unbequeme Sache werden, wenn man es vom Rollstuhl aus erreichen muss. Für Erleichterung, die unweigerlich nach dem Genuss nötig wird, muss dann das Örtchen auch für den Rolli breit genug sein. Sonst hat man ein Problem und der Domweihspaß ist völlig vermiest. Enttäuschungen, wie diese sind Alltag für die Mitglieder des Behindertenbeirats. Umso größer ist ihre Begeisterung darüber, wie die Wirte auf der Festmeile ihren Belangen entgegen kommen.

„Domweih soll für alle sein!“ In der Schwarzwaldmühle, aber auch bei den anderen Wirten und Schaustellern ist das eine klare Sache. Behindertenbeauftragter Dieter Eggert hatte kurz nach dem Start des Volksfestes auf den Absatz hingewiesen, der den Rolli-Fahrern den Zugang zur Schwarzwaldmühle erschwert. „Ich hatte nur gehofft, dass da eine kleine Rampe angebracht werden könnte, aber am nächsten Tag lagen über der gesamten Breite kräftige Bleche“, berichtet Eggert. Der Weg an die Theke war kein Problem mehr.

Auch dass der Trupp vom Beirat seine erste Station in der Almhütte macht, ist kein Zufall. „Die Bedienung ist sehr hilfsbereit, wenn es mal hakt“, sind sich die Mitglieder einig. Neben den Stehtischen gibt es welche in Sitzhöhe und die Feierstation hat eine eigene rollstuhlgerechte Toilette.

„Wir versuchen das zu berücksichtigen“, erklärte Hüttenwirtin Nina Renoldi. Ihr Fahrgeschäft müsse nicht nur für Menschen im Rollstuhl zugänglich bleiben. Auch mit dem Schwächeanfall eines Gastes müsse man zurechtkommen, oder mit Besuchern mit Rollator oder Kinderwagen.

Die Wirtin beschäftigt sich mit dem Thema nicht nur in Verden. „In München gibt es ein Punktesystem für die Zulassung. Für Barrierefreiheit und behindertengerechte Angebote oder den Wickeltisch gibt es Pluspunkte“, berichtet Renoldi. Andere Städte gehen das Thema anders an, aber das Bewusstsein sei weit verbreitet.

Ein Punktesystem hat die Stadt Verden nicht, auch nicht so etwas wie eine „Checkliste für die inklusive Domweih“. Dennoch nimmt der Beirat auch Marktmeister Rüdiger Nodorp nicht von seinem Lob aus. An den Gehsteigen werden Asphaltrampen angebracht, unebene Flächen mit Teppichen ausgelegt und Kabel und Schläuche aus dem Weg geräumt. „Wir versuchen immer, diesen Aspekt zu berücksichtigen“, bestätigte Nodorp, im Rathaus zuständig für Sicherheit und Ordnung. Wo Probleme auftauchen, würde er gemeinsam mit den Schaustellern und dem Bauhof nach Lösungen suchen.

„Man kann nicht alles lösen“, ist Behindertenbeauftragter Eggert sich bewusst. Angesichts der Bemühungen und der Bereitschaft auf der Verdener Festmeile ist der Behindertenbeirat kompromissbereit: „Es ist ja schon toll, wenn wir eine Alternative haben.“ - kle

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