Serie Frauen in der Feuerwehr (Teil 1)

Sonja Paschkowski: Sie weiß, was sie kann

Sonja Paschkowski in voller Montur vor einem Feuerwehrfahrzeug.
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Nicht nur als Atemschutzgeräteträgerin und Maschinistin ist Sonja Paschkowski bei der Feuerwehr aktiv. Im Stadtverband fungiert die 30-Jährige als Ausbildungsleiterin.

Ein Viertel der Aktiven bei den Verdener Ortswehren sind Frauen. Wir stellen einige von ihnen vor.

  • Bei den Verdener Feuerwehren wächst der Anteil der Frauen.
  • Sonja Paschkowski aus Hönisch ist eine von sieben Frauen in Hönisch-Hutbergen.
  • Hier erzählt sie, was für sie den Reiz dieses Ehrenamtes ausmacht.

Verden – Da ist noch Luft nach oben: Landesweit liegt der Frauenanteil unter den Aktiven der Freiwilligen Feuerwehren bei zwölf Prozent. In Verden stellen sich die Zahlen etwas anders dar. Hier liegt der weibliche Anteil in der Einsatzabteilung bei rund 25 Prozent.

Sonja Paschkowski ist eine von sieben Frauen bei der Freiwilligen Feuerwehr Hönisch-Hutbergen. Sie liebt die Herausforderungen, die damit verbunden sind. Das Ehrenamt ist für sie zugleich Ehrensache: „Für mich ist es wichtig, dass man auch an andere denkt.“

„Ich bin sonst das klassische Mädchen, habe immer hochhackige Schuhe an“, sagt sie und lächelt selbstbewusst. Sie weiß, was sie kann und vor allem weiß sie, dass das in keinem Widerspruch stehen muss zu einem Faible für hohe Absätze und immer mal wieder eine neue Haarfarbe.

So, wie die 30-Jährige spricht, ist ihr die Begeisterung für die Feuerwehr deutlich anzumerken. Ebenso der nötige Ernst, mit dem sie diesen Job macht. Und es blitzt durch, dass sie lieber vorangeht, statt hinterherzulaufen.

Mit 13 der Jugendwehr beigetreten

Die Arbeit bei der Feuerwehr, ob Berufs- oder Freiwillige, ist mit einer hohen Verantwortung verbunden. Einerseits, weil es dabei auch um den Schutz oder die Rettung von Menschenleben geht. Andererseits, weil man im Einsatz weder sich selbst noch die anderen Helfer in Gefahr bringen darf. Eine gute Ausbildung ist die Basis dafür. Die beginnt in der Jugendfeuerwehr.

Der trat Sonja Paschkowski mit 13 gemeinsam mit dem jüngeren Bruder bei. Schon immer habe sie dort hingewollt, berichtet sie und begründet das vor allem mit ihrem Interesse für Technik. Dass ihre Mama als Tagesmutter immer – auch feuerwehrbegeisterte – Jungs betreute, hatte ebenfalls so seinen Anteil an dem Wunsch, Mitglied der Feuerwehr zu werden.

Sonja und ihr Bruder waren die ersten Feuerwehr-Mitglieder in der Familie. Doch die Eltern unterstützen ihre Tochter bis heute. Sie sind immer bereit, auf die beiden vier und sechs Jahre alten Enkelkinder aufzupassen, wenn der Funkmeldeempfänger Alarm gibt.

Feuerwehr: Mit 16 Jahren wechselte sie zu den Aktiven.

Drei Jahre blieb Sonja Paschkowski in der Jugendwehr, zum frühestmöglichen Zeitpunkt, mit 16, wechselte sie zu den Aktiven. An ihre Zeit bei der Feuerwehrjugend denkt sie gerne, an „legendäre Wochenenden“, an Übungen, die Abnahme von Leistungsspangen. Alles zusammen habe aus der Gruppe auch einen Freundeskreis gemacht. „Es gab keine Party ohne die anderen.“

Den Status der Gleichberechtigung musste sich die junge Frau in der aktiven Wehr ein Stück weit neu erarbeiten. Als Küken habe sie sich aber nicht gefühlt. „Das hat auch was damit zu tun, was man will“, sagt sie. Und Sonja Paschkowski wollte.

Gleichberechtighung: „Das hat auch was damit zu tun, was man will“

Den Grundlehrgang, heute Truppmannausbildung genannt, absolvieren erst mal alle, die neu sind in der Einsatzabteilung. Die Hönischerin ließ sich außerdem zur Atemschutzgeräteträgerin und Maschinistin ausbilden, inklusive Erwerb des dazugehörigen Führerscheins Klasse C.

Ausbildung zur Atemschutzgeräteträgerin

Und inzwischen ist die Hauptfeuerwehrfrau auch Ausbildungsleiterin auf Stadtebene. „Ich mag es einfach, das Wissen zu vermitteln“, sagt sie. „Und ich möchte meine Begeisterung weitergeben.“

Für die Fahrzeuge, die Maschinen und Geräte der Feuerwehr kann sie sich nach wie vor am meisten erwärmen. Die technischen Hilfeleistungen sind ihr daher die liebsten Aufgaben, solche, „wo man den Kopf einschalten muss“.

Technische Hilfeleistungen ihre liebsten Aufgaben

Ihr erster „richtiger“ Einsatz unter Atemschutz führte sie ins Verwell, als dort die Erdsauna brannte. Das war im Frühjahr 2012. Seitdem hat Sonja Paschkowski viel gesehen. Und nicht alles verlief glimpflich.

Unter Atemschutz in Verdener Freibad Verwell

Besonders schwer seien die Einsätze, bei denen man die Betroffenen kenne. „Da kriegt man ganz kurz Bauchschmerzen.“ Umso wichtiger sei es, schlimme Einsätze hinterher zum Thema zu machen. „Ich spreche immer darüber, was ich erlebe“, sagt die 30-Jährige. „Wenn jemand das braucht, gibt es auch psychologische Hilfe. Und die Kameradschaft“, fügt sie hinzu.

Einsätze, bei denen man die Betroffenen kennt

Gerade der große Zusammenhalt macht für Sonja Paschkowski die Feuerwehr aus. Unterschiede zwischen den Geschlechtern nimmt sie kaum wahr. Allenfalls das Trösten oder Beruhigen von Betroffenen beherrschen die Frauen besser als ihre männlichen Mitstreiter, hat sie festgestellt.

Einsätze der Feuerwehr: Fehlende Körperkraft durch Technik ausgleichen

Eventuell fehlende Körperkraft mache sie durch Technik wieder wett. Die hat sich die ausgebildete Krankenschwester nicht zuletzt im Beruf angeeignet. Und das haben auch die Kameraden bei der Feuerwehr verstanden. Sonja Paschkowski grinst: „Mich würde jetzt keiner mehr fragen: Soll ich dir den Schlauch vom Wagen runterholen?“

Verdener wirken dem landesweiten Trend gleich doppelt entgegen

Seit Jahren schon sind Frauen fest in den Verdener Ortsfeuerwehren etabliert. Ihr prozentualer Anteil steigt immer weiter, bei ebenfalls steigenden Mitgliederzahlen. Dem landesweiten Trend wirke man damit gleich doppelt entgegen, so Stadtbrandmeister Peter Schmidt.

Am deutlichsten sei der Wandel in der Mitgliederstruktur in den Kinder- und Jugendfeuerwehren, wo Mädchen bereits ein Drittel aller Mitglieder ausmachen. In der Einsatzabteilung stellen Frauen rund ein Viertel und in der FMC-Showband gar über die Hälfte der Mitglieder.

Grundsätzlich durchlaufen Feuerwehrfrauen die gleiche Ausbildung wie Feuerwehrmänner und übernehmen anschließend auch die gleichen Aufgaben. Immer häufiger seien Frauen auch in Führungsfunktionen in den Ortsfeuerwehren zu finden, so Schmidt weiter.

Die Frauen in der Altersklasse um die 30 seien die ersten, die in der Mitte der Feuerwehr angekommen sind, formuliert es Dennis Köhler. Wenn innerhalb der Wehren auch die Grenzen zwischen den Geschlechtern verschwinden, so muss an anderer Stelle doch einiges passieren. „Die Feuerwehrhäuser sind noch nicht so weit“, weist Köhler auf fehlende Umkleiden und sanitäre Anlagen für Frauen in den alten Gebäuden hin.

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