Künstler Johannes Pätzold wird 100 Jahre alt

Ein Tag wie jeder andere?

Viel zu erzählen: In 100 Jahren Lebenszeit hat Johannes Pätzold viel erlebt.  
Foto: kommnick
+
Viel zu erzählen: In 100 Jahren Lebenszeit hat Johannes Pätzold viel erlebt. Foto: kommnick

Verden – Der Künstler Johannes Pätzold aus Verden ist heute 100 Jahre alt geworden. Doch so richtig feiern, möchte der Jubilar das seltene Ereignis nicht: „Für meinen Geburtstag kann ich nichts, ich zelebriere lieber Dinge, die ich selbst geschaffen habe“, sagt Pätzold und ergänzt: „Ein Geburtstag ist wie jeder andere Tag, mal regnet es, mal scheint die Sonne, aber ich halte das nicht für etwas Besonderes.��� Einhundert Mal jährt sich nun der Tag seiner Geburt, Pätzold stellt heute vor allem eines fest: „Alt zu werden, ist gar nicht mal so schlimm. Das Altsein hingegen hat schon einige Haken.“

Der Künstler habe in jungen Jahren bereits viel erlebt: „Mit elf Jahren wollte mein Vater, dass ich Geige spielen lerne.“ Doch aus diesem Plan wurde nichts, denn das Malen hat ihn stärker angezogen: „Als ich meinen Vater von meinem Vorhaben erzählt habe, gab es das größte Donnerwetter meines Lebens.“ Doch schnell habe sein Vater das neue Hobby seines Sohnes akzeptiert und ihn stets im Malen unterstützt und gefördert.

Mit jungen 15 Jahren stellte der damalige Schüler seine Werke erstmalig in einer Einzelkunstausstellung in seiner Heimatstadt Wurzen bei Leipzig aus. Dadurch wurde auch seine Schule auf sein Talent aufmerksam. Deshalb wurde er eines Tages in das Büro seines Schulrektors gerufen: „Damals habe ich erwartet, dass ich mich auf ein schlechtes Gespräch einstellen kann, ich habe mich schon gefragt, was ich wohl gemacht habe“, verrät Pätzold.

Doch entgegen seinen Erwartungen bekam er in diesem Gespräch einen Satz zu hören, den sich wohl die meisten Schüler wünschen: „Wir können dir nichts mehr beibringen, du kannst im Kunstunterricht machen, was du willst“, zitiert Pätzold seinen Rektor.

Anschließend sollte der damalige Mittelstufenschüler seine Schule sogar in einem überregionalen Kunstwettbewerb für die Oberstufe vertreten: „Da habe ich den ersten Platz geholt.“

Als er älter wurde, näherte sich der Zweite Weltkrieg. Er selber sei von klein an pazifistisch gewesen: „Ich habe nie eine Uniform getragen. Ich war schon immer das Gegenteil von einem Soldaten.“ Diese Haltung bestätigte sich bei Pätzold im jugendlichen Alter: „Damals sind die Männer in ihren braunen Uniformen an uns vorbeimarschiert. Ich wurde damals von einem SA-Mann geschlagen und der sagte mir, dass ich aufmerksamer hinschauen soll“, erzählt der 100-Jährige und verrät: „Seitdem bin ich mit diesem Thema durch.“

Passend zu seiner Haltung musste Pätzold nie als Soldat kämpfen: „Bei meiner Einberufung fragte mich mein zuständiger Leutnant, ob ich Abitur hätte.“ Deshalb bekam er damals die Aufgabe, in einer Kartonagenfabrik Ostereier anzumalen.

Für den 100-Jährigen habe sich über die Jahre viel geändert. Er richtet seinen Blick dabei auch auf die Gesellschaft: „Früher dachte ich, Mensch sein bedeutet, menschlich zu sein. Heute weiß ich, das ist und war bei den meisten leider nicht so.“ Er wünsche sich, dass die Menschen aus den Fehlern der Vergangenheit lernen.

Von Bjarne Kommnick

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Rückkehr nach Mallorca - ein Erfahrungsbericht

Rückkehr nach Mallorca - ein Erfahrungsbericht

Schöne Picknick-Plätze in Deutschland

Schöne Picknick-Plätze in Deutschland

Wie man Backups und Datenumzüge meistert

Wie man Backups und Datenumzüge meistert

Mit der App auf Motorrad-Tour

Mit der App auf Motorrad-Tour

Meistgelesene Artikel

Koks und Gras machen ihnen großen Spaß

Koks und Gras machen ihnen großen Spaß

Sogar Tennis-Ikone Rittner verstummte

Sogar Tennis-Ikone Rittner verstummte

Die duftende Königin

Die duftende Königin

Kampf um gleiche Rechte im Verein

Kampf um gleiche Rechte im Verein

Kommentare