Gefahrenabwehr steht vor Denkmalpflege

Ein Stück Geschichte in Verden verschwindet

Der Greifer eines Abrissbaggers zerrt am Mauerwerk eines alten Gebäudes. Dafür räumen Männer Schutt beiseite.
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Eben noch denkmalgeschützt, nun abrissreif: Die Häuser Ritterstraße 2 und 4 werden im Auftrag der Stadt abgerissen.

Die Fachwerkhäuser an der Ritterstraße 2 und 4 werden abgerissen. Die Gebäude, die bis vor Kurzem unter Denkmalschutz gestanden haben, waren zu einem Risiko geworden.

  • Historische Fachwerkhäuser an der Ritterstraße werden abgerissen.
  • Eigentümerin lässt gesetzte Frist verstreichen.
  • Stadt geht zur Gefahrenabwehr in Ersatzvornahme.

Verden – Damit hatte wohl niemand gerechnet: Dienstagvormittag rückte in der Straße Blumenwisch in Verden ein Abbruchunternehmen an, um die denkmalgeschützten Fachwerkhäuser Ritterstraße 2 und 4 abzureißen. Zu diesem Zeitpunkt standen sie allerdings nicht mehr unter Denkmalschutz, der war aufgehoben worden, damit die Stadt hier tätig werden konnte.

„Aus Sicherheitsgründen“, wie Bürgermeister Lutz Brockmann auf Anfrage der Verdener Aller-Zeitung erklärte. „Es gibt seit Juni dieses Jahres zur Gefahrenabwehr eine Abrissverfügung.“ Die habe das Landesamt für Denkmalpflege erteilt. Begründung: Die Statik sei nicht mehr gegeben und die Sicherheit für Fußgänger und Nachbarn nicht gewährleistet. Zum Schutz von Gesundheit und Leben sei die Abrissverfügung erteilt worden.

Stadt Verden darf eingreifen

Der Eigentümerin sei eine Frist gesetzt worden, um die Abrissarbeiten durchzuführen. Diese Frist habe sie jedoch verstreichen lassen. Deshalb habe die Stadt nun handeln müssen. Man spreche in diesem Fall von einer Ersatzvornahme. Brockmann: „Die Kosten für den Abriss gehen an die Eigentümerin.“

Der Bürgermeister erklärt in diesem Zusammenhang, wann die Stadt eingreifen darf. „Nur, wenn von dem Gebäude eine Gefahr für Personen ausgeht.“ Das sei hier im Gegensatz zu anderen leerstehenden Gebäuden in der Stadt eindeutig der Fall. „Es ist die Aufgabe der Bauaufsicht etwas zu unternehmen.“

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Damit hat die Stadt lange gewartet. Zuletzt hat der Bauhof auf dem angenzenden Grundstück an der Straße Blumenwisch aufgeräumt. Der Fußweg war durch Gestrüpp, vorwiegend Himbeerbüsche, das sich durch einen Bauzaun hindurchgeschlängelt hatte, stark eingeengt. Zwei Parkplätze an der Straße hinter der Mauer waren kaum noch nutzbar, denn auch hier hatte sich unerwünschtes Grün breitgemacht.

Positive Entwicklung zeichnete sich ab

Die kleine Parzelle im rückwärtigen Teil der unter Denkmalschutz stehenden Gebäude aus dem 16. und dem 19. Jahrhundert war zu diesem Zeitpunkt an die Stadt zurückgegangen. Dass endlich etwas passierte, war den massiven Beschwerden von Anwohnern zu verdanken. Die ärgerten sich über die Vereinnahmung öffentlicher Verkehrsflächen durch wucherndes Gestrüpp, aber auch über die Verwahrlosung in der Nachbarschaft. Andreas Schreiber sprach im März schon von einer positiven Entwicklung, die sich abzeichne, mehr wollte der Vertreter des Bürgermeisters seinerzeit noch nicht sagen.

Die historischen Fachwerkgebäude sollten einmal zu gastronomischen Zwecken genutzt werden.

Das Grundstück grenzt die Gebäude Ritterstraße 2 und 4 ein, die im Besitz einer Verdener Unternehmerin sind und seit Jahren verfallen. Ursprünglich war hier geplant, Räume für Gastronomie entstehen zu lassen, dafür gab es im Jahr 2014 eine Baugenehmigung.

Die kleine Brachfläche, die direkt an die Wohnungen des Johannisstifts angrenzt, war im Jahr 2001 der Eigentümerin überlassen worden, um ihr eine wirtschaftliche Nutzung der Häuser zu ermöglichen. Der Kaufpreis von 72.000 Mark war gestundet worden und sollte erlassen werden, sobald die Sanierung erfolgt ist. Damals war die Stadt davon ausgegangen, dass die Sanierung der unter Denkmalschutz stehenden Gebäude zeitnah erfolgen würde.

Doch dazu kam es nicht. Im Gegenteil, die beiden Gebäude, ein Wohnhaus und ein Stallgebäude, verfielen immer mehr. Vor Jahren wurde das Dach abgetragen, weil es bei Herbststürmen drohte, einzubrechen. Der Bretterverschlag drumherum sollte Passanten vor möglichen herabstürzenden Bauteilen schützen.

Ein Holzverschlag an beiden Gebäudeseiten schützte Passanten vor herabfallen Bauteilen.

Die sogenannten Arkaden werden mit dem Abriss ebenfalls verschwinden. Dienstagnachmittag wurden die ersten Teile des Bretterverschlages abgebaut. Sie sind zum Schutz von Passanten vor herabfallenden Bauteilen der Gebäude nicht mehr nötig.

Einmal mehr verändert sich damit ein Straßenzug, der durch Gebäude mit historischer Bedeutung geprägt war.

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