Ausstellung „Zwischen Himmel und Erde“ im Dom setzt sich mit dem Vaterunser auseinander

Ein Schatz im Handgepäck

„Denn dein ist das Reich...“: Um die Doxologie, die Lobpreisung Gottes, versammeln sich Bühnenbildner Uli Wolff, Dr. Björn Emigholz (Domherrenhaus), Barbara Walther (St. Josef), Pastor Markus Wendebourg (Domgemeinde), Superintendent Fulko Steinhausen, Pastorin i.R. Dorothea Biermann und Diakon Christian Wietfeldt (v.l.). 
Foto: Preuß
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„Denn dein ist das Reich...“: Um die Doxologie, die Lobpreisung Gottes, versammeln sich Bühnenbildner Uli Wolff, Dr. Björn Emigholz (Domherrenhaus), Barbara Walther (St. Josef), Pastor Markus Wendebourg (Domgemeinde), Superintendent Fulko Steinhausen, Pastorin i.R. Dorothea Biermann und Diakon Christian Wietfeldt (v.l.). Foto: Preuß

Verden – „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name“, so beginnt das wohl bekannteste Gebet des Christentums. Doch denkt jeder, der diese Worte spricht, auch darüber nach? Oder ist es oft nur ein mechanisches Aufsagen? Fragen, die Pastor Markus Wendebourg so sehr beschäftigten, dass er zum Initiator der ökumenischen Ausstellung wurde, die vom 5. bis 31. Juli, täglich von 9 bis 17 Uhr, im Verdener Dom zu sehen sein wird. Ihr Titel „Zwischen Himmel und Erde – Das Vaterunser in Wort, Bild und Musik“.

Eröffnung am Sonntag, 5. Juli

Derzeit ist der Bühnenbildner Uli Wolff damit beschäftigt, rund 90 großformatige, mit Stoff bespannte Rahmen aufzustellen und zu gestalten. Die Rahmen sollen an Zelte erinnern. „Wir sind ein wanderndes Gottesvolk“, erklärt Markus Wendebourg die Idee dahinter. „Das Vaterunser ist ein mobiles Gebet.“

Die Ausstellung steht im sogenannten Hallenumgangsraum des Doms. Wer immer sie besucht, umrundet dabei den Altar, ist unterwegs von Station zu Station. Er ist auf dem Weg, mit dem Vaterunser als „ökumenisches Handgepäck“, wie Dorothea Biermann es formuliert.

Die Pastorin im Ruhestand gehört der Projektgruppe mit Vertretern der Domgemeinde, den Gemeinden St. Josef und St. Johannis sowie der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (Selk/Zionsgemeinde) an. 20 Menschen, die in den zurückliegenden 20 Monaten aus ihrer ganz persönlichen Perspektive auf das Gebet geblickt haben. Die inhaltliche Auseinandersetzung beginne schon bei der Anrede „Vater unser“, erklärt Diakon Christian Wietfeldt. Jeder verbinde doch etwas anderes mit dem Begriff des Vaters. So könne der Zugang zu dem Gebet auch ein kritischer sein.

Es sei „ein Schatz“, „zweifelsohne eine Säule des Christentums, an der man sich festhalten kann“, fasst Superintendent Fulko Steinhausen die Bedeutung des Vaterunsers zusammen. „In dem Gebet ist alles drin.“ Insofern sei auch das Budget für die Ausstellung – 25 000 Euro – ein angemessenes.

Gleichwohl habe jeder einen eigenen, einen sehr persönlichen Zugang, so Wietfeldt. Die Ausstellung soll Besucher jeden Alters, ob gläubig oder nicht, anregen, über die verschiedenen Blickwinkel, über Betrachtung und Interaktion, einen eigenen Zugang zu finden und über den tieferen Sinn der Worte nachzudenken. Wendebourg: „Wenn das passiert bei dem einen oder anderen, dann haben wir schon viel erreicht.“

Helfen mögen dabei die QR-Codes an den Stationen. Wer sie mit dem Smartphone scannt, erhält weitere Informationen oder kann Musik hören. Auf den Einsatz von Kopfhörern hat man coronabedingt verzichtet. Die Ausstellung absagen wollten die Akteure nicht. Auch, so Wendebourg, weil die Menschen „vielleicht gerade in dieser Zeit mehr bereit sind, sich mit ihr zu beschäftigen“.  kp

Das kleine Beiprogramm zur Ausstellung. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Sonntag, 5. Juli, 15 Uhr: Eröffnung der Ausstellung im Rahmen eines Gottesdienstes. Die Predigt hält Dr. Hans Christian Brandy aus Stade. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt. Es gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Freitag, 10. Juli, 19 Uhr: „Gebetete Bilder“, Vortrag des Künstlers Henning Diers aus Hoya über dessen Bilderzyklus Vaterunser“, der ebenfalls im Dom gezeigt wird.

Donnerstag, 16. Juli, 19 Uhr: „Pater noster per organo“, Vaterunser-Vertonungen aus verschiedenen Jahrhunderten mit Werken unter anderem von Dietrich Buxtehude, Danziger Tabulator, Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy und Max Reger. Es moderieren Barbara und Eberhard Walther. Es spielt an der Orgel Kirchenmusikdirektor Tillmann Benfer.

Freitag, 24. Juli, 19 Uhr: „Keine fromme Allzweckwaffe“, ein Versuch, das Vaterunser zu verstehen. Vortrag des Theologen, literarischen Kleinkünstlers und Liedermachers Prof. Dr. Okko Herlyn aus Bochum.

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