Ein bodenständiger Weltenbummler

Serie Hinterm Tresen: Roland Arndt - Imker auf den Wochenmärkten in Verden und Achim

Ein Original hinterm Tresen: der Verdener Roland Arndt. Seit 30 Jahren verkauft er Honig aus eigener Imkerei, dazu Eier und Kartoffeln auf dem Wochenmarkt.
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Ein Original hinterm Tresen: der Verdener Roland Arndt. Seit 30 Jahren verkauft er Honig aus eigener Imkerei, dazu Eier und Kartoffeln auf dem Wochenmarkt.

Sie servieren uns unser Essen; sie nehmen uns beim Arzt im Empfang, sie wiegen für uns die Wurst ab, tüten Brötchen ein, empfehlen uns spannende Bücher, beraten und informieren uns. Ihre Gesichter sind uns oft seit vielen Jahren vertraut und doch wissen wir nur wenig über die Menschen hinterm Tresen. Das möchten wir ändern und in dieser Serie einige von ihnen vorstellen.

Verden – Um einen munteren Spruch ist Roland Arndt selten verlegen. Eine kräftige Stimme hat er außerdem. Und so hört man ihn oft erst, bevor man ihn sieht, wenn man den Wochenmarkt besucht.

Seit knapp 30 Jahren verkauft er, zunächst mit dem Vater, dann allein, in Verden und in Achim Eier, Kartoffeln und vor allem Honig. Vielfach an Stammkunden, die das lose Mundwerk von Arndt zu schätzen wissen. Manche kommen vielleicht auch trotzdem.

Gegenhalten ist bei dem schlagfertigen Roland Arndt so gut wie zwecklos. Der – fast – 61-Jährige hat gern das letzte Wort. „Mein Vater hatte "ne ganz spezielle Art von Humor“, berichtet er mit schelmischem Lachen. Dieses „Erbgut“, gepaart mit großem Spaß daran, die deutsche Sprache in ihrer großen Vielseitigkeit zu nutzen, führt dazu, dass der Hönischer selten um eine Antwort verlegen ist.

Imkerei ging vom Vater an den Sohn

Vom Vater geerbt hat Roland Arndt nicht nur den Sinn für Spitzfindigkeiten und verbale Geplänkel. Auch die Imkerei hinterließ der Senior dem jüngsten seiner vier Kinder, als er 1997 starb. Was man über Bienen und ihren Honig wissen muss, hatte der Vater dem Sohn in den Jahren zuvor noch beigebracht.

Obwohl mit dem Wochenmarkt aufgewachsen – schon mit zehn Jahren verkaufte der kleine Roland neben dem Stand der Eltern selbstgepflückte Lampenputzer – hatte Roland Arndt mit der Imkerei lange nichts am Hut. Erst nach seiner Rückkehr aus Kanada habe er begonnen, sich dafür zu interessieren, sagt er.

Zehn Jahre, von seinem 22. bis zum 32. Lebensjahr, verbrachte der gelernte Landwirt mit seiner ersten Frau und seinerzeit zwei Kindern in dem nordamerikanischen Staat, verwirklichte damit auch ein bisschen den Traum des Vaters. Dem hatten die Kanadier einst die Einwanderung verwehrt.

Zehn Jahre als Farmer in Kanada gelebt

„Ich habe versucht zu farmen“, sagt Roland Arndt und guckt sein Gegenüber vielsagend an. Denn Ackerbau und Schweinezucht in Manitoba waren auf Dauer nicht von Erfolg gekrönt. Das Land war wenig geeignet für derlei Zwecke, vor allem für das Greenhorn aus der Alten Welt. Und „mich hat dann irgendwann das Heimweh gepackt“, nennt er einen weiteren Grund für die Rückkehr nach Deutschland. Vor allem die kalten Winter mit Minustemperaturen im zweistelligen Bereich, dazu der ständige Wind, hätten ihm zugesetzt. „In Kanada sagt man: Die Deutschen haben das Geld und die Kanadier die Erfahrung. Nach zehn Jahren ist es dann genau umgekehrt“, hat er natürlich auch für diesen Lebensabschnitt eine Weisheit parat.

Ärmer an Geld also, dafür reich an Erfahrungen, kam Roland Arndt Anfang der 90er-Jahre zurück nach Verden und wandte sich dann doch der Imkerei zu, die er mittlerweile mit großer Leidenschaft betreibt. 70 Völker besitzt er, die unter anderem in Döhlbergen, Varste und Thedinghausen fleißig Honig produzieren. Nur „Exoten“, wie er sagt, kaufe er dazu, zum Beispiel Tannenhonig aus dem Schwarzwald oder Buchweizenhonig aus dem Oderbruch.

Freude über Aufwertung des Berufs

Dass die Imkerei inzwischen immer mehr Zuspruch erfährt, ja geradezu in Mode gekommen ist, findet der Verdener gut. Er sieht darin eine Aufwertung seines Berufs, und es freut ihn, dass die Menschen sensibler geworden seien für die Belange der Natur. Dass er dadurch das eine oder andere Glas Honig weniger verkauft, ficht ihn kaum an. „Harte Gefühle“, wie er es formuliert, kämen deswegen bei ihm nicht auf.

Die Pflege seiner 70 Völker an den verschiedenen Standorten hält Roland Arndt mächtig auf Trab. Da bleibt nur wenig Zeit für das große Hobby, das er mit seiner zweiten Frau Christa teilt.

Mindestens einmal im Jahr geht‘s nach Fehmarn. Auch Schottland liebt das Paar. Das allerdings sind Kleinigkeiten im Vergleich zu den anderen Trips, die der 60-Jährige bereits machte. „Ich habe Reiseblut“, sagt er. Und so zieht es ihn, mal mit der Gattin, mal mit einem ebenso reisefreudigen Kumpel, immer wieder in die Ferne. „In der Antarktis war ich noch nicht“, deutet er lächelnd an, dass seine Weltkarte nicht mehr allzu viele weiße Flecken hat.

Nord- und Südamerika, Asien, Australien und besonders gerne Afrika hat er schon bereist. Meist arbeitet er die Touren selber aus. Zuletzt war er aber auf einer geführten Safari durch Tansania und Kenia. Das war vor drei Jahren. Seitdem zwingt die Pandemie auch einen Roland Arndt, die Füße still zu halten. Schwer für einen, dessen Devise lautet: „Wenn du irgendwas willst, mach es. Du kannst nichts nachholen.“

Bis heute in Kontakt zum ehemaligen Nachbarn in Manitoba

Ginge es nach ihm, würde die erste Reise nach Corona wieder nach Nordamerika gehen. Die Strecke hat er schon ausbaldowert. Ehefrau Christa verdreht ein wenig die Augen beim Gedanken an die 8 000 Kilometer von Cincinnati über Chicago bis in die kanadische Provinz Manitoba. Noch einmal den ehemaligen Nachbarn besuchen, zu dem Roland Arndt bis heute Kontakt hält. „Väterlicher Freund“, nennt er den 87-jährigen Kanadier.

Trotz des Fernwehs, das zurzeit nicht gestillt werden kann, macht Roland Arndt aber einen sehr zufriedenen Eindruck. Sein Glaube mag ihm dabei helfen.

Auf dem großen Esstisch – das Ehepaar Arndt bringt es zusammen auf sechs Kinder und sechs Enkel, da braucht es Platz – liegt eine Bibel. Jeden Morgen greift der Imker zu ihr, um ihr die Losung für den neuen Tag zu entnehmen. Und abschließend sagt Roland Arndt noch einen Satz, der ausgerechnet aus seinem selten stillstehenden Mundwerk verwundert, die offenbare Ausgeglichenheit auch in der Krise aber erklären könnte: „Am allerliebsten habe ich meine Ruhe.“

Von Katrin Preuß

Kontakt

Kennen auch Sie – als Kunde oder Arbeitgeber – eine „Tresenkraft“, die wir Ihrer Ansicht nach einmal vorstellen sollten? Dann nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf: Telefon 04231/801142 oder per E-Mail an redaktion.verden@kreiszeitung.de, Stichwort „Hinterm Tresen“.

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