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Eigenwillig: Nestbau am Straßenrand in Eitze

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Von: Erika Wennhold

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Ein Storch sitzt auf einem Baumstumpf und überblickt einen Fluss.
Nicht sattsehen können sich die Nachbarn am Geschehen im Storchenhorst, der Fußgänger und Radfahrer anhalten lässt, Fachleuten aber Sorge bereitet. © wennhold

Die Anwohner sind entzückt, ein Experte in Sorge: Ein Storchenpaar hat sich in Eitze ein ungewöhnliches Domizil ausgesucht.

Verden-Eitze – Das Gefieder ist weiß, die Schwungfedern sind schwarz und der Schnabel ist lang und rot. Wenn er am Himmel fliegt oder über die Wiese stakst, bleiben Menschen stehen, geraten ins Schwärmen, sind betroffen, wenn dem Nachwuchs etwas zustößt. Niemand weiß genau die Gründe für die Liebe zum Weißstorch, der sich gerne ansiedeln darf, wo er möchte oder für den Masten mit einem Wagenrad aufgestellt werden, damit er kommt und für Nachwuchs sorgt.

Storchenbetreuer findet Standort unglücklich gewählt

Manchmal ist der Storch aber auch eigensinnig und lässt sich dort nieder, wo es denkbar ungünstig ist. Wie jetzt in Eitze an der Landesstraße 160. Einen erst vor Kurzem bis auf den Stamm zurückgestutzten Straßenbaum hat sich ein Storchenpaar als neues Domizil ausgesucht. Kein guter Platz sagt Hans-Joachim Winter, Weißstorchbetreuer im Landkreis. „Der Standort ist sehr unglücklich gewählt.“

In zweierlei Hinsicht, wie er erläutert: „So dicht an einer stark befahrenen Straße, das kann, sollten Junge schlüpfen, für sie gefährlich werden. Bei Sturm könnte der Horst heruntergeweht werden, und letztendlich kann es durch herunterfallende Äste im darunter fließenden Verkehr zu Komplikationen kommen.“ Noch ein weiterer Aspekt stelle die Wahl infrage: „Nur 300 Meter weiter am Allerhang brütet seit Jahren ein Storchenpaar. Es könnte passieren, dass sich beide Paare bekriegen, um ihr Revier zu verteidigen.“ Doch im Augenblick sieht es so aus, als wollte das Storchenpaar unbedingt bleiben und dort auch brüten.

Horstbau unter erschwerten Bedingungen

Zur Freude der Nachbarn, die das Spektakel auf dem Baumstumpf seit etwa 14 Tagen beobachten. „Erst war nur einer da“, erinnert sich Anneliese Becker. „Er saß da, ohne dass etwas passierte. Dann folgte ein zweiter, und es wurde mit dem Horstbau begonnen.“ Was nicht gerade professionell ausgesehen habe. „Die meisten Zweige fielen ja erst einmal herunter.“ Das war auch der Zeitpunkt, als sie sich an Weißstorchberater Winter wandte und ihn bat, etwas Unterstützendes zu unternehmen. Winter kam auch kurzfristig vorbei, um sich ein Bild machen zu können. Schließlich winkte er ab. „Wir lassen sie in Ruhe.“ Gleichzeitig fiel ihm wieder ein, dass er vor nicht langer Zeit zusammen mit Eitzes Ortsbürgermeisterin Anja König nach einem geeigneten Platz für einen Horst im Bereich des Allerufers geschaut hatte. „Die Allerwiese gegenüber der Firma Mars wäre ein idealer Standort.“

Storch läuft durch Nachbars Garten

Vielleicht bekommt dieses Vorhaben wieder Aktualität, um das neue Eitzer Storchenpaar zum Umsiedeln zu bewegen. Doch erst mal werden die beiden bleiben, wo sie sind – zur Freude des Ehepaares Becker und dessen Nachbarn. „Am ersten Ostertag lief er sogar durch unseren Garten.“ Wilhelm Becker hat ihn dabei beobachtet. „Angst hatte der Storch nicht. Es sah eher so aus, als nickte er mir zu.“ Im Wohnhaus der beiden sind inzwischen die Sessel herumgerückt worden – im Untergeschoss ebenso wie im Geschoss darüber – um morgens beim Aufstehen erst einmal nach dem Storchenpaar zu sehen, das von hier aus zum Streicheln nahe zu sein scheint.

Zur Zeit entstehen viele neue Horste im Landkreis, die auch besetzt sind. Eine solche Entwicklung hatte man sich lange nicht vorstellen können. „Vor 20 Jahren hatten wir weniger als die Hälfte der jetzt etwa 100 Paare, die im Durchschnitt für rund 200 Jungstörche sorgen.“

Im Augenblick fänden sie noch genügend Futter. „Aber wenn sie die Jungen füttern müssten, bräuchten sie viele Regenwürmer. „Dafür muss es wieder feuchter werden auf den Wiesen.“

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