Ehemaliger Geschäftsführer eines Ottersberger Unternehmens vor Landgericht

55-jähriger Koch steht unter Verdacht der Korruption

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Mediengruppe Kreiszeitung

Verden - Der ehemalige Geschäftsführer eines Herstellers von Fertiggerichten aus Ottersberg muss sich seit gestern vor dem Landgericht Verden verantworten. Es geht um Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr. Der 55 Jahre alte Angeklagte aus Bremen soll sich von ehemaligen Geschäftsführern eines alteingesessenen Verdener Bauunternehmens mit Sitz in Dauelsen schmieren lassen und diesen im Gegenzug Aufträge zugeschanzt haben.

Im Jahr 2004 soll der gelernte Koch, der sich binnen 13 Jahren bei dem Ottersberger Unternehmen vom Abteilungsleiter bis zum Geschäftsführer hochgearbeitet hat, drei Doppelhaushälften in Ritterhude von dem Bauunternehmer gekauft haben. Gezahlt habe er insgesamt 300000 Euro, wobei der Gesamtwert laut Anklageschrift um rund 400000 Euro höher gelegen habe. Die Häuser sollen beim Verkauf als erweiterter Rohbau deklariert worden sein, doch tatsächlich habe es sich um schlüsselfertige Objekte gehandelt.

Im selben Jahr starteten laut Anklage Planungen für eine größere Baumaßnahme bei dem Ottersberger Unternehmen. „Diese umfassten das Sozialgebäude, das Produktionsgebäude und eine Hofüberdachung. Arbeitsabläufe wurden optimiert“, erklärte der Angeklagte.

Es wurden mehrere Angebote eingeholt, bei denen das Verdener Bauunternehmen nur deshalb günstigster Anbieter gewesen sein soll, weil das Kellergeschoss nicht eingerechnet worden ist. Die Differenz soll später über Nachtragsaufträge abgerechnet worden sein. So habe das Bauunternehmen als teuerster Anbieter den Auftrag erhalten.

Bei den ersten 15 der 23 Anklagepunkte geht es um die Immobilienkäufe, überhöhte Preise in Rechnungen des Bauunternehmens, gar nicht erbrachte Leistungen oder Arbeiten, die an Häusern des Angeklagten oder einmal auf dem Grundstück seiner Schwiegermutter erbracht worden sind. All das soll in Kenntnis und mit Einverständnis des Angeklagten über das Ottersberger Unternehmen abgerechnet worden sein.

Ein weiterer Mitarbeiter des Unternehmens war laut Anklage in diese Abläufe verwickelt und habe ebenfalls durch vergünstigte Reihenhäuser in Dauelsen profitiert.

Die Ehefrau des Angeklagten soll ein fingiertes Arbeitsverhältnis mit einem über den Angeklagten beauftragten Subunternehmer geschlossen haben, bei dem der 55-Jährige selbst Gesellschafter gewesen seien soll. „Eine Benachteiligung von Konkurrenzunternehmen hat er wenigstens billigend in Kauf genommen“, heißt es in der Anklage. Die Ehefrau soll Bezüge in Höhe von rund 60000 Euro kassiert haben. Und geprellt wurde zur Überzeugung der Staatsanwaltschaft am Ende auch noch das Finanzamt durch verkürzte Steuern.

Fünf Jahre dauerten die Ermittlungen, fast eine Stunde das Verlesen der 81-seitigen Anklageschrift durch Staatsanwältin Marie-Louise Tartz. „Sie sollen über einen Zeitraum von sechs Jahren mehrere Hundertausend Euro zu Unrecht erlangt und nicht versteuert haben“, fasste der Vorsitzende Richter Marcus Tittel die Vorwürfe zusammen.

„Im Großen und Ganzen habe ich das schon bei der Staatsanwaltschaft zugegeben“, erklärte der Angeklagte. Das nachfolgende Aber dürfte dazu führen, dass die anberaumten weiteren fünf Verhandlungstage benötigt werden. Die ehemaligen Geschäftsführer des Bauunternehmens sollen schon mitgeteilt haben, dass sie die Aussage verweigern werden. Das Recht steht ihnen zu, da sie sich voraussichtlich selbst noch vor Gericht werden verantworten müssen.

Der aktuelle Prozess soll am Dienstag fortgesetzt werden. Ein Urteil wird nicht vor dem 19. Mai erwartet.

wb

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