Schüler des Gymnasiums am Wall inszenieren Dürrenmatts „Physiker“

Durchgeknallt und doch ganz normal

Mit großem Engagement bringen die Gymnasiasten vom Wall Dürrenmatts „Physiker“ auf die Bühne. - Foto: nie

Verden - Unsere Welt ist geradezu ein Irrenhaus und dadurch oft nur mit Humor zu ertragen: Drei völlig durchgeknallte Physiker treffen sich in der „Irrenanstalt“, reden über König Salomon und die Weltformel. Sie bringen Krankenschwestern um bis die Oberärztin ihnen zeigt, wer wirklich das Sagen hat. Die Theater AG Sek. II des Gymnasiums am Wall in Verden hat mit viel Witz, Spielfreude, Talent und Charme die Premiere von „Die Physiker“ nach Friedrich Dürrenmatt gemeistert und durch beachtliche Leistungen überzeugt.

Der durchgeknallte Physiker Einstein (Annchristin Bensel) hat eine Krankenschwester erdrosselt. Inspektor Voss (Fridtjof Kasper) kann ihn aber nicht vernehmen, da Einstein Geige spielen muss. „Es handelt sich hier um einen kranken Menschen, der sich beruhigen muss. Und weil er sich für Einstein hält, beruhigt er sich nur, wenn er geigt“, vertröstet Oberärztin Dr. Marta Jung (Svenja Stormberg) den ungeduldig wartenden Beamten. Auch die Chefärztin der Anstalt, Dr. Mathilde von Zahnd (Milena Mayer), ist für den Ermittler nicht zu sprechen. Denn „Einstein beruhigt sich nur, wenn Frau Doktor ihn auf dem Klavier begleitet.“

Was zunächst nur als seltsames Verhalten der Chefmedizinerin erscheint, entpuppt sich im weiteren Verlauf des Spiels zunehmend als konkreter Plan: Schritt für Schritt in geradezu diabolischer Manier lenkt von Zahnd das Geschehen und sorgt dafür, dass die drei irren Physiker – ihre wichtigsten Patienten – von allen anderen isoliert und von besonderen Pflegekräften bewacht, nur noch für sie da sind. Denn Möbius, der genialste im Trio- Fatale, hat angeblich das „System aller möglichen Erfindungen“ entdeckt, mit der die machthungrige Medizinerin die Herrschaft über die ganze Welt erringen will.

In dem Stück, das zeigt, was geschieht, wenn wissenschaftliche Erfindungen in falsche Hände geraten, spielen viele interessante Charaktere mit. Außerdem hat die Regie – Sarina Wilhelm, Rena Seifert und Per Dittmann – den Text frei verändert und auch einige Figuren neu arrangiert. So wurden aus den drei Söhnen von Physiker Möbius drei Töchter und aus der Oberschwester eine Oberärztin, die im Verlauf des Stücks auch zunehmend die Verbindung in die Neuzeit ist.

Das 16-köpfige Ensemble – für den erkrankten Tim Glückselig in der Rolle des McArthur war bei der Premiere Per Dittmann eingesprungen – gefiel durch Textsicherheit, Auftreten und große Souveränität bis in die kleinen Nebenrollen.

Am Ende sieht sich das Publikum mit einer verkehrten Welt konfrontiert, in der die Verrückten normal und die Normalen vollkommen durchgeknallt sind. Und während Möbius das Genie ist, das die Welt-Formel gefunden hat, erweisen sich Einstein und Newton „nur“ als perfide Agenten, die Möbius’ Formel an sich bringen und nutzen wollen.

Kurzum: Viel Philosophie, viel Humor und viel zum Nachdenken über das, was zwischen den Zeilen schwingt. Die drei nach Dürrenmatt inszenierten Physiker haben das Premierenpublikum bewegt, das sich mit viel Applaus für die Vorstellung bedankt hat.

Für Interessierte gibt es noch zwei Möglichkeiten, eine Aufführung von „Die Physiker“ zu sehen. Heute und Freitag 11. März. Beginn ist jeweils um 19 Uhr.

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