Anna Magdalena Bössen gibt in der Buchhandlung Heine ihren Reisebericht zum Besten

Mit dem Rad durch die Republik

Diese Zuschauerinnen hatten sichtlich Spaß an der Lesung mit Anna Magdalena Bössen. - Fotos: Niemann

Verden - Egal, ob Unterschiede zwischen dem Süden und Norden unserer Republik, ob zwischenmenschliche Erfahrungen, ob beglückende oder ob ernüchternde Erlebnisse thematisiert wurden: Die Diplom-Gedichtesprecherin Anna Magdalena Bössen hat in der Buchhandlung Heine in Verden unter dem Titel „Deutschland – ein Wandermärchen“ eine außergewöhnliche Lesung mit Witz, Charme und hohem Unterhaltungswert gestaltet.

Rund zwei Stunden dauerte der von Lyrik flankierte Bericht, der von einer ganz besonderen Reise erzählte und für viel Heiterkeit sorgte: 2014 und 2015 war die Wahlhamburgerin jeweils sechs Monate insgesamt 8160 Kilometer mit dem Rad bei Wind und Wetter unterwegs, war dabei auf Einladung als Rezitatorin aufgetreten, wofür sie mit Kost und Logis entlohnt wurde. Angetrieben von der Frage: „Bin ich Deutschland? Und wenn ja, wer sind wir?“ konnte die studierte Rezitatorin auf ihrer Reise einen großen persönlichen Erfahrungsschatz sammeln.

Der vom Publikum mit Spannung erwartete Gast war zur Lesung, die letztlich als eine Mischung aus persönlichem Reisebericht, Rezitation und Anekdoten aus dem eigenen Leben geriet, allerdings nicht mit dem Fahrrad gekommen. Sie hatte nur ihr Markenzeichen, einen knallgelben Koffer, dabei.

Ihre Touren seien oft gar nicht so idyllisch gewesen, sagte sie, und erzählte, dass sie durch das lange Unterwegssein und die dabei gemachten Eindrücke nicht selten an ihre physischen und psychischen Grenzen gekommen sei. Hin und wieder seien ihre Erwartungen auch enttäuscht worden. Beispielsweise hatte sie sich im Hochsommer 2015 vom Besuch am Bodensee dringend Momente der Erholung erhofft. Stattdessen musste sie auf dem Weg zur Gastgeberin, die im Hochland wohnte, bei 40 Grad Hitze einen Umweg von 15 Kilometern in Kauf nehmen und sich dabei kilometerweit einen Berg hinauf- quälen; vorbei an unzähligen Radtouristen und Autokolonnen, die ihr den Blick auf den See verstellten. Als ein Passant sie dann auch noch beschimpfte, warf sie ihr Fahrrad ins Gras, kletterte schluchzend auf einen Heuballen, rief ihre Gastgeberin an und bat diese mit unzähligen Worten, sie mit dem Wagen abzuholen.

Anna Magdalena Bössen mit ihrem Koffer bei Heine.

Bössen: „Mit meinen vielen Gastgebern habe ich allerdings nur gute Erfahrungen gemacht und ich bin bis heute erstaunt darüber, wie viel Vertrauen man mir entgegengebracht hat. Meine eigenen Bedürfnisse habe ich dabei natürlich oft zurücknehmen und mich in Geduld üben müssen.“ Dafür habe sie allerdings viel von ihren Gastgebern zurückbekommen – meistens Mütter von erwachsenen Kindern, die gleich erkannt hätten, wie es ihr ginge und was sie am meisten bräuchte. „Mädchen, gib doch mal deine Wäsche her. Das war ein ganz wichtiger Satz“, so Bössen lachend. In der Regel am zweiten Tag ihres Aufenthaltes sei sie dann mit ihrem „Koffer-Programm“ aufgetreten und habe in Wohnzimmern, öffentlichen Sälen oder auch mal in einer Kirche Gedichte rezitiert.

Auf ihrer Tour habe sie zudem viel über „die Deutschen“ gelernt, dass diese neben den bekannten Tugenden wie Pünktlichkeit und Disziplin noch weitere postive Eigenschaften wie Eigensinn, Gelassenheit und vor allem Humor besäßen. Insgesamt habe sie heute viel mehr Vertrauen ins Menschsein und mehr Vertrauen in sich selber als auch in ihre Mitmenschen. Auch von ihrer ursprünglichen Heimat Nordrhein-Westfalen sei sie überraschenderweise sehr angetan gewesen. „Ich habe zu meinem eigenen Erstaunen tatsächlich gespürt, dass ich dort immer noch ein Stück weit zu Hause bin“, so die Wahlhamburgerin. J nie

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