Auf Tour mit Fahrlehrerin Sabine Deutsch

Durch den Kreisel mit Schulterblick: „Da gibt’s immer etwas zu erleben“

Blick in die Einfahrt zu einem Verkehrskreisel.  Im Vordergrund ist ein leerer Zebrastreifen zu sehen, im Hintergrund ein Lkw, der den Kreisel befährt.
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Fahrt durch den Bypass: Die Strecke ist nur kurz, an der Einmündung gilt der Schulterblick.

So ein bisschen Vorfreude kommt schon auf. „Der Kreisel am Nordertor, da gibt’s auf jeden Fall immer etwas zu erleben, egal, von welcher Seite wir reinfahren.“ Sabine Deutsch weiß das und ihr Beifahrer sowieso, weil die Lokal-Redaktion durch große Fenster freie Sicht auf das Bauwerk am Nordertor genießt. Ein Schulungsort für Regeln, vorausschauendes Fahren – und Rücksichtnahme.

Verden – Alles und jeder ist vor und in dem Rondell unterwegs, das zumindest über einen optischen Vorteil verfügt: Es ist unübersehbar. Dafür sorgen die stählernen Symbole von Menschen, Stadt und Dom auf der Mittelinsel, die dem Autofahrer in der Ferne melden, dass er nun auf etwas Besonderes zusteuert. Geschmackvolle Kunst? Eher Geschmackssache, aber ein Hingucker, der zusätzlich für Ablenkung sorgt.

Die für Ortsunkundige oder Fahrschüler zweifellos spannendste und zugleich lehrreichste Tour ist die über den Johanniswall in Richtung Nordertor. Egal, ob im Auto oder als stiller Beobachter außerhalb und am Rande des Geschehens, es gibt immer was zu sehen. Im Auto geht der Puls schon dann nach oben, wenn sich der Johanniswall urplötzlich vor Fahrerin oder Fahrer von ein- auf zweispurig öffnet. Der Ortskundige weiß, was kommt, wer über die Kenntnisse nicht verfügt, kann leicht die Orientierung verlieren. „Weil nicht so schnell zu verstehen ist, wie sich die zwei Spuren am Ende auflösen“, so Sabine Deutsch. Die Beschilderung vor dem Kreisel hilft nur wenig, denn die kapiert im Vorbeifahren niemand.

Also rein ins Getümmel. Und das bietet schon seinen ersten Höhepunkt, wenn ein Fahrer vor dem Kreisel plötzlich seinen Lenker rumreißt, um von der linken auf die rechte Spur zu wechseln – oder auch umgekehrt. Dann hilft dem nachfolgenden Verkehr nur allerhöchste Aufmerksamkeit und zugleich der Fuß auf der Bremse. Zur Erklärung für Ortsunkundige: Die mittlere Spur des Johanniswalls bringt den Fahrer in den Kreisel in Richtung Nordbrücke und weiter nach Dörverden. Die rechte Spur führt am Kreisel vorbei. Als sogenannter Bypass gedacht, soll sie eigentlich den Infarkt im Kreisel verhindern. Das, so viel aus medizinischer Sicht, gelingt nur bedingt.

Blick vom Johanniswall auf den Nordertorkreisel: Circa 100 Meter vor dem Kreisel teilt sich die Spur, Radfahrer rollen über den Zebrastreifen.

Die Sinne geschärft, kann es, und zwar noch vor der Einfahrt in Kreisel oder Bypass, pulsmäßig noch einmal nach oben gehen, erst recht dann, wenn sich Fußgänger oder Radfahrer dazugesellen. Von beiden Seiten, aus Richtung Innenstadt oder entgegengesetzt, flitzen vornehmlich Radler über den Zebrastreifen. Auch da die Beobachtung: Es spielen sich zur Hauptverkehrszeit im Minutentakt atemraubende Szenen ab.

Das weiß auch Sabine Deutsch, die in dem Bereich regelmäßig ihre Fahrschüler schwitzen sieht. „Augen links, Augen rechts, vorne wird gebremst und dann in den Bypass und von dort weiter auf die Bundesstraße.“ So kann es ablaufen. Und was hat der Schüler inklusive Beifahrer dabei vergessen? Richtig, den Schulterblick nach links, nicht nur blinzeln, auch den Kopf sichtbar leicht drehen. Gerade dann, wenn es aus dem Bypass auf die Bremer Straße geht. „Das ist eine haarige Stelle, weil der Kreisel hinter einem liegt und die freie Sicht nach vorn einen den Schulterblick zurück schnell vergessen lässt. Doch die Regel ist im Straßenverkehr in der Situation Gesetz.“

Wenn die Straße frei ist, darf über den Zebrastreifen geradelt werden.

Also – pflichtgemäß – der Blick zurück, und dabei gilt es dann noch eine Frage zu klären, und zwar, ob denn ein Radfahrer in einem Höllentempo über den Zebrastreifen fahren darf? Darf er, aber nur sehr bedingt. Wer als Radler am Zebrastreifen die Straße überquert, sollte absteigen und schieben oder es wie einen Roller nutzen. Dann hat er Vorrang vor den Autos und anderen Verkehrsteilnehmern. Ist die Straße allerdings frei, kein Auto in Sicht, darf geradelt werden. So steht es im Gesetz. Sowohl Autofahrer als auch Radler befreit das allerdings nicht von der Sorgfaltspflicht. „Vor Zebrastreifen allerhöchste Vorsicht, das gilt immer, aber ganz besonders beim Nordertorkreisel“, empfiehlt Sabine Deutsch.

Wann mit Bußgeldern zu rechnen ist

Ein Bußgeld von 80 Euro droht Autofahrern, wenn sie einen Berechtigten nicht den Zebrastreifen überqueren lassen. Wichtig: Schon beim geringsten Zweifel hat immer der Fußgänger Vorrang. Dasselbe gilt, wenn Autofahrer an einem Fußgängerüberweg überholen wollen. Kommt eine Gefährdung hinzu, sind 100 Euro und ein Punkt in Flensburg fällig.

Radfahrer haben auf dem Zebrastreifen nur Vorrang, wenn sie absteigen und das Fahrrad schieben. Dann gelten sie als Fußgänger und haben entsprechende Rechte. Muss ein Auto wegen eines fahrenden Radfahrers auf dem Fußgängerüberweg abbremsen oder halten, riskiert der Radfahrer ein Bußgeld für eine vermeidbare Behinderung. Kommt es zu einem Unfall, trägt der Radfahrer eine Mitschuld (Quelle: ADAC).

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