Reaktion auf Konzept des Bürgermeisters zur Südbrücke

Drei Verdener Parteien, eine Meinung: So geht es nicht

Straße mit zwei Autos und schmalen Fußwegen.
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Zu eng für Radler und Autos gleichermaßen? Die Brückstraße gehört zu einem der Diskussionspunkte beim Südbrücken-Neubau.

An den knapp 100 Metern zwischen Verdener Südbrücke und der Unteren Straße scheiden sich die Geister. Radler künftig stumpf auf die Fahrbahn? Oder doch noch ein ausgeklügeltes Konzept, das vielleicht auf weite Teile der Altstadt ausgeweitet wird? Verdener CDU, Grüne und FDP verfolgen unterschiedliche Linien. Eines aber eint sie: So wie es der Bürgermeister vorgeschlagen hat, geht‘s nicht.

Verden – „Die CDU-Stadtratsfraktion zeigt sich irritiert über die Aussagen des Bürgermeisters zum innerstädtischen Verkehrskonzept“, sagt Fraktionschef Jens Richter. „Es sollte doch jetzt langsam klar sein, dass es seitens der Fraktionen Gesprächsbedarf gibt“, erklärt Grünen-Ratsfrau Johanna König. „Warum wird so vehement gegen die Einführung eines Innenstadtringes argumentiert“, wundert sich Henning Wittboldt-Müller aus der FDP-Ratsfraktion.

Mit teils geharnischter Kritik reagieren Verdener Politiker aus drei Parteien auf die Aussagen Bürgermeister Lutz Brockmanns zum Südbrücken-Neubau und Verkehrskonzept (wir berichteten).

CDU fordert aktualisiertes Gesamtkonzept

Im Einzelnen: „Wenn bereits alle Konzepte zur innerstädtischen Verkehrsführung vorliegen, sollte es ja ein Leichtes sein, die Ergebnisse zusammenzufassen und dem Rat als Gesamtpaket einmal vorzustellen“, so Fraktionsvorsitzender Jens Richter.

Richtig sei, dass man bei Einzelmaßnahmen über eine Verkehrsführung spreche. So habe man beim Ausbau der Reeperbahn auf gesonderte Radwege verzichtet. Auch sei klar, dass die neue Südbrücke beidseitig Fuß- und Radweg erhalte. Die grundsätzliche Frage sei jedoch, wie gerade der Radverkehr in der Brückstraße auf die Fahrbahn geführt werden soll. Bereits 2012 hat die CDU-Fraktion eine Gesamtbetrachtung des Innenstadtverkehrs unter Berücksichtigung aller Verkehrsarten beantragt.

Seither ist von allen Ratsfraktionen dieses Thema auf unterschiedlichste Weise in Form von Anträgen oder Anfragen immer wieder thematisiert worden. Ganz konkret wurde die Forderung nach einem Innenstadtverkehrskonzept im Fachausschuss, als die Verwaltung die Obere Straße als Fahrradstraße ausweisen wollte. Der Beschluss ist zunächst vertagt worden, weil man die Ergebnisse dieses Konzeptes abwarten wollte. „Die CDU-Ratsfraktion hat den Antrag zur Erarbeitung in der letzten Ratssitzung erneut eingebracht, um ein aktualisiertes Gesamtkonzept für den Innenstadtbereich beraten zu können“, erklärt Richter.

„Auch wenn wir Beschlüsse aus 2009 und 2012 haben, so müssen wir doch feststellen, dass diese nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechen. Heute sprechen wir zum Beispiel vielfach von einer Entkopplung von Auto- und Radverkehr“, so Anja König.

„Daher sollte man sich einer neuen Gesamtbetrachtung nicht lediglich mit dem Hinweis auf – aus unserer Sicht veraltete – Konzepte verschließen“, empfehlen die Christdemokraten abschließend.

Grüne: Wir wollen endlich weniger Autoverkehr

Die Grüne Stadtratsfraktion hat sich in ihrer jüngsten Sitzung unter anderem mit dem Thema Innenstadtverkehr befasst. „Bereits beim Grundsatzbeschluss zum Neubau der Südbrücke haben wir seinerzeit unsere Bedenken geäußert, dass der zweispurige Ausbau der Brücke zusätzlichen Verkehr anziehen dürfte“, erinnert Grünen-Fraktionsvorsitzender Rasmus Grobe. Und im Januar 2020 habe die Fraktion einen Antrag für ein Integriertes städtisches Mobilitätskonzept gestellt. Dazu habe es bisher keinerlei Beratung gegeben.

Jetzt hat die CDU-Fraktion einen weiteren Antrag auf ein Innenstadtverkehrskonzept gestellt. Es bestehe Gesprächsbedarf, sagt Grünen-Ratsfrau Johanna König. Nicht nur, aber auch zum Thema Anbindung der Südbrücke: Die derzeitige Einspurigkeit mit der Ampel auf der Südbrücke habe eine verkehrsregulierende Wirkung. „Mit der Zweispurigkeit entsteht eine neue Situation – dazu muss man sich doch vorher Gedanken machen“, so König.

Rasmus Grobe ergänzt: „Wir wollen nicht mehr, sondern weniger Auto-Durchgangsverkehr in der Innenstadt.“ Gerade der Lugenstein und die Grüne Straße seien jetzt schon stark durch Durchgangsverkehr belastet. „Wir wollen mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt und mehr Sicherheit für Rad- und Fußgänger*innen“, so Grobe und macht für die Grünen deutlich: „Einen Innenstadtring für Autos, wie ihn andere Fraktionen fordern, lehnen wir ab.“

Dem stehe auch das beschlossene Radverkehrsförderkonzept entgegen, das zumindest für die Ostertor- und Stifthofstraße eine Fahrradstraße vorsehe. Die Situation an der Brückstraße sei somit nur eines von mehreren Themen, zu denen es Beratungsbedarf gebe, so Grobe.

FDP: Warum nicht ein Innenstadtring als Probebetrieb?

In vielen Punkten habe er tatsächlich eine große Ratsmehrheit hinter sich, der Bürgermeister, befindet Henning Wittboldt-Müller (FDP). „Natürlich freuen wir uns alle auf eine neue Südbrücke mit beidseits komfortablen Geh- und Radwegen. Also alles hübsch? Nein!“

Wittboldt-Müller: „Ich habe bis heute nicht verstanden, weshalb der Bürgermeister sich vehement gegen den Innenstadtringverkehr als Pkw-Einbahnstraße sträubt. Mehr Platz für Parkplätze in der Süderstadt inklusive.“

Für die FDP sei eine Fußgängerzone auf dem Lugenstein mit kreuzendem Autoverkehr eine Farce! Eine kreuzende Einbahnstraße sei schon gefährlich genug.

Natürlich gehöre zu diesem Ringverkehr zwingend auch ein Bypass zum Nordertorkreisel, der vom Johanniswall zur Südbrücke führt. Dafür ließe sich, wie früher, die sogenannte Claus-Ruge-Straße nutzen. Den Einbahnstraßen-Innenstadtring als Fahrradstraße auszuweisen, mit zugelassenem Autoverkehr, könnte eine Option sein. „Warum wagt man nicht einmal einen Probebetrieb?“, fragen die Liberalen.

Fazit jedenfalls für die FDP-Ratsfraktion: „Der Bürgermeister sollte nicht mauern, sondern mit dem Stadtrat zusammen vorausschauend den Innenstadtverkehr den neuen Gegebenheiten (neue Südbrücke, E-Bike-Verkehr, Fußgängerzone Lugenstein) anpassen.“

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