Umweltfreundlich und platzsparend

Der Drahtesel taugt auch als Packesel

Für Ulrich Helmich ist das E-Bike oft eine Alternative und das Auto bleibt stehen. Foto: Klee
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Für Ulrich Helmich ist das E-Bike oft eine Alternative und das Auto bleibt stehen.

Verstopfte Innenstädte und Stillstand auf den Straßen sind ein gewohntes Bild. Der Autoverkehr kommt an seine Grenzen. Auf der Suche nach Auswegen wird immer häufiger in Richtung Fahrrad geblickt. Nicht nur für den Weg zur Arbeit oder ins Schwimmbad ist der gute alte Drahtesel eine platzsparende und umweltfreundliche Alternative, auch bei vielen Transporten und Kurierfahrten.

Verden – Ein firmeneigenes E-Bike für Lasten, ein Cargo-Bike, hat Ulrich Helmich vom Klavierhaus Helmich in Verden schon länger. Damit kann er natürlich kein Klavier oder einen Flügel transportieren. „Wenn ich Kunden besuche, um das Klavier zu stimmen oder einzustellen, ist das eine Alternative zum Auto“, ist seine Erfahrung. In einem Umkreis von etwa 20 Kilometern, so hat der Verdener Klavierbaumeister festgestellt, taugt sein elektrifizierter Drahtesel auch als Packesel.

Die Erfahrung machte es für das engagierte Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen leicht, sich zur Teilnahme am Projekt „Ich entlaste Städte“ zu entschließen. Gefördert vom Bundesumweltministerium (BMU) koordiniert das Institut für Verkehrsforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) das bundesweite Projekt. Ein Forschungsprojekt, das am Institut angesiedelt ist, soll ermitteln, wie das Lastenrad als gewerbliches Fahrzeug von der Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen angenommen wird.

So steht denn jetzt ein zweiter Packesel auf dem Hof des Klavierhauses. Als Teilnehmer am Testangebot von „Ich entlaste Städte“ konnte Ulrich Helmich aus 23 Modellen in fünf Bauformen auswählen. Das Cargo-Bike, das er jetzt für drei Monate ausprobieren kann, hat eine ordentliche Lastfläche in Form einer Box vorne vor dem Lenker. „60 Kilogramm kann ich zuladen“, erklärt Helmich. Wenn er oder einer seiner Mitarbeiter sich zum Klavierstimmen oder für kleinere Reparaturen auf den Weg macht, reicht das locker aus.

„Die Anfahrtszeiten sind natürlich länger als beim Auto. Aber das relativiert sich, wenn ich Termine an einem Ort zusammenlege.“ So kann dann auch in seinem Fall der Aktionsradius um einiges Größer sein, als das Berliner Institut für die überwiegende Menge der praktischen Anwendungen erwartet. Allerdings setzt der Akku dem zuweilen Grenzen, wenn der 60-Jährige mit seiner Ladung in Achim oder Rotenburg ist, und vielleicht noch den dritten Kunden im Stadtgebiet anfährt. „Das könnte besser sein“, meint Helmich. Aber nach zwei Stunden an der Steckdose sei er dann auch wieder mobil.

Große Einsatzbereiche für die rollenden Packesel werden im Lieferverkehr, bei Kurierdiensten und Ähnlichem erwartet. Gerade in Innenstädten werden dann wohl eher Distanzen um die fünf Kilometer erwartet. Die Zwischenergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung sind schon einmal vielversprechend. Immerhin ein Fünftel der sonst mit dem Auto oder Transporter erledigten Kilometer übernehme das E-Bike.

Ob das Cargo-Bike aber auch im ländlichen Raum praxistauglich ist, sollen Erfahrungen wie die von Ulrich Helmich zeigen. Eine App fürs Handy, das den Klavierbauer auf seinen Fahrten immer begleitet, zeichnet mit GPS-Unterstützung alle benötigten Daten auf. So kommt die Grundlage der Studie fürs Ministerium zustande, aus der Anhaltspunkte für künftige Verkehrskonzepte gewonnen werden sollen.

Weitere Informationen auf www.Lastenradtest.de

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