Eine weitere große Aufgabe

Doz-20-Reihe: Jüdisches Leben in Verden

Kathrein Goldbach und Jochen Benner stellten die umfangreiche Planung des Dokumentationszentrums vor. Los geht´s mit einem Kinofilm. Foto: Klee
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Kathrein Goldbach und Jochen Benner stellten die umfangreiche Planung des Dokumentationszentrums vor. Los geht´s mit einem Kinofilm.

Mit seiner Veranstaltungsreihe „Jüdisches Leben in Verden“ hat sich der Mitgliederkreis des Dokumentationszentrums Verden im 20. Jahrhundert (Doz 20) eine weitere große Aufgabe gesetzt. Die Filmdokumentation „Wir sind Juden aus Breslau“ ist zugleich erster Höhepunkt und Auftakt des Programms am Dienstag und Mittwoch, 4. und 5. Juni. Eine Ausstellung, Vorträge, Führungen, Lesungen sollen im Verlauf dieses und des nächsten Jahres folgen.

Verden – Die Zerstreuung des jüdischen Volkes in alle Welt ist eine Geschichte, die mehr als zwei Jahrtausende umfasst. „Jüdisches Leben in Verden begann so richtig erst im 19. Jahrhundert“, sagte Jochen Benner. Mit Kathrein Goldbach zusammen stellte er das Projekt der geschichtsinteressierten Gruppe vor. In den Jahrzehnten nach der Französischen Revolution, in denen sich auch in Deutschland die Nation formierte, fassten jüdische Familien Fuß in Verden, bildete sich eine Gemeinde. „1835 wurde der jüdische Friedhof angelegt und 1858 folgte der Synagogen-Bau“, lieferte Benner Daten. Es habe die Glaubensgemeinschaft und Lehrer gegeben, aber keinen Rabbiner.

„Wir wollen alles mit Dokumenten belegen und sichtbar machen“, berichtete Goldbach von den Doz-20-Plänen. Zunächst hat sich der Kreis von Geschichtsenthusiasten auf die Zeit bis zum Ende des Ersten Weltkriegs beschränkt. Dies werde auch der Zeitraum sein, mit dem sich die Ausstellung befasst, die vom 15. bis zum 29. November im Rathaus zu sehen sein wird.

Passend steigt der Vortrag zu Ausstellungseröffnung ganz tief in die Geschichte ein. So tief, dass eigentlich von Verden noch keine Rede sein kann. Reinhard Nitsche und Kilian Lührs vom Domgymnasium berichten über eine der führenden Quellen der antiken jüdischen Historie: „Die jüdische Geschichte des Flavius Josephus“. Der Bezug zu Verden geht aber dennoch nicht verloren. Die Referenten bringen einen der Schätze aus der historischen Bibliothek des Gymnasiums mit. Eine wertvolle Ausgabe des 2 000 Jahre alten Textes aus dem 17. Jahrhundert.

Etwas allgemeiner wird das vom Förderkreis Cohn-Scheune in Rotenburg angegangen: „Jüdisches Leben in Deutschland“. „Das Thema verträgt keine rein lokale Perspektive“, sind sich die beiden Doz-20-Vertreter sicher.

Start der Reihe ist bereits in der nächsten Woche mit dem Kinofilm von Karin Kaper und Dirk Szuszies. „Wir sind Juden aus Breslau“. Eigentlich hatten sich die beiden mit dem Vorschlag, den Film in Verden zu zeigen, an Wabe gewandt. „Aber die haben sie an uns verwiesen“, berichtete Benner.

Die 108-Minuten-Dokumentation am 4. und 5. Juni (um 20 Uhr im Cine City) berichtet über das Leben von 14 Frauen und Männern, die in Breslau die Machtübernahme der Nationalsozialisten und die Folgen erleben. „Ein Film, der aufzeigt, wohin eine katastrophale Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen führt. Ein Film, der anhand der Lebensschicksale der Protagonisten auch die Gründung des Staates Israel mit den Erfahrungen des Holocaust in Verbindung setzt“, heißt es in der Ankündigung des Films. Die Filmemacher Karin Kaper und Dirk Szuszies werden nicht bei der öffentlichen Vorführung am Dienstag, aber bei der zweiten am Mittwoch dabei sein. Sie ist für den Schulunterricht gedacht.

Weiter wird es erst im Herbst gehen mit den Vorträgen und der Ausstellung. Im Frühjahr 2020 befasst sich Doz 20 mit den Seligmanns. Dr. Peter Schulze stellt die jüdische Familie im Verden des 19. Jahrhunderts vor. Eine jüdische Woche soll im Herbst mit Filmen, Theater, Musik und Lesungen folgen.

Gewissermaßen ein Vorgriff auf die Fortsetzung mit dem 20. Jahrhundert ist ein Vortrag von Otto Pemöller. Der Verdener spricht am Donnerstag, 27. Juni, 19 Uhr, im Domherrenhaus über Agnes Miegel in der NS-Zeit. „Ein Thema für Verden, weil hier eine Straße nach ihr benannt ist“, findet Benner.

Abgeschlossen ist die Planung nicht. Das Dokumentationszentrum ist dabei auch offen für Vorschläge, Ideen und weiteres Material. Wer Dokumente hat, die der Reihe oder der sonstigen Arbeit von Doz 20 dienen könnten, findet bei den Stadtgeschichtsforschern dankbare Anprechpartner. Zu finden ist das Dokumentationszentrum am Verdener Holzmarkt 13, Telefon 04231/9281553, E-Mail doz20-verden@ewe.net.

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