El Dorado im Schulkeller

Pläne für Rettung der historischen Bibliothek des Domgymnasiums

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Die gedruckten Schätze im Domgymnasium sollen ein würdiges Domizil erhalten.

Verden - Von Ronald Klee. Für Freunde alter Bücher ist im Keller des Domgymnasiums so etwas wie das El Dorado verborgen. Ein sagenhafter Schatz ist da zu heben, dessen Wert noch niemand ermessen kann. Auch Reinhard Nitsche kann das nicht, obwohl der Lehrer der Verdener Schule sich schon viel damit beschäftigt hat. Die gedruckten Kostbarkeiten, immerhin 25.000 sagt Nitsche, müssen gerettet und würdig zugänglich gemacht werden. So wünscht es die Schule und im Kreistag stößt sie auf offene Ohren.

Nachdem der Schulausschuss in die Kellerräume des Traditionsgymnasiums zu den Regalen hinabgestiegen war, machten jetzt auch die Kulturpolitiker des Kreistags die historische Bibliothek zu ihrem Thema. Dass die Bedeutung der aus Schenkungen stammenden Sammlung groß ist, hatten nicht nur Reinhard Nitsche selbst, sondern mittlerweile auch andere festgestellt. Die Leiterin der Bibliothek des Landschaftsverbandes, Catrin Gold, rangiert die Verdener Schätze an die Spitze von sechs historischen Bibliotheken im Elbe-Weser-Raum.

Dabei sei noch lange nicht alles erfasst und genauer katalogisiert, berichtete Nitsche. Kürzlich erst sei bekannt geworden, dass eine seltene Ausgabe eines Werkes des Vaters der klassischen Nationalökonomie, Adam Smith, im Bestand ist. Bei einer Auktion habe ein vergleichbares Buch eine Viertelmillion Euro erzielt. „Vieles ist unersetzlich.“ Eine sehr grobe Schätzung zum Gesamtwert der Bibliothek versuchte der Pädagoge: zwei bis drei Millionen Euro.

Der Ausschussvorsitzende, Wilhelm Hogrefe (CDU), musste nicht überzeugt werden, dass die Preziosen vor Schimmel bewahrt und aus ihrem Schattendasein befreit werden sollen. „Wir wollen sie zugänglich machen“, stellte er schon mal fest. Er dachte an interessiertes Publikum und die touristische Attraktion, vielleicht ähnlich wie die Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel.

Als Schulträger sei hier der Landkreis in der Pflicht, machte der Vorsitzende deutlich. Hogrefe erwartete einen Raumbedarf von etwa 300 Quadratmetern. Das könne möglicherweise mit den ohnehin nötig werdenden Erweiterungen für die Rückkehr zum 13. Abiturjahrgang (G9) verbunden werden. Die Klosterkammer würde zwar nichts Bauliches fördern, aber bei der Ausstattung inklusive fachgerechter Klimatisierung sei eine Unterstützung denkbar.

Dass Reinhard Nitsche und seine Kollegen seit einiger Zeit daran arbeiten, auch die Schüler an die verborgene Welt der Bücher heranzuführen und die Schätze pädagogisch nutzbar machen, könnte sich als Segen erweisen. Projekte, die Schülern kulturelle Werte vermitteln, könnten auch vom Land gefördert werden.

„Für die weitere Planung ist wichtig, dass wir wissen, wo es hingehen soll“, gab Christina Hartmann (CDU) zu bedenken. Ob der Schwerpunkt bei der Forschung oder bei der pädagogischen Nutzung liegen soll, sei bei der Suche nach einem Standort relevant. Bei der Größe, so Frank-Peter Seemann (Grüne), solle man nicht zu knapp planen. Wie Nitsche bestätigte, stehen über Jahre noch weitere Schenkungen ins Haus. „Ein bisschen Luft brauchen wir.“

Bereitschaft, das Projekt anzugehen, war nicht zu übersehen. Für konkrete Planungen fehlte in der Sitzung aber noch die Grundlage. So wurden die Kulturpolitiker einig, dass sie sich nach der Verabschiedung des Kreishaushalts, im Winter weiter mit der historischen Bibliothek des Domgymnasiums befassen wollen.

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