Serie Frauen in der Feuerwehr (Teil 3)

Meike Becker: Doppelt im Dienst in Verden und Walsrode

Rein in die Schutzkleidung, Helm auf und ab zum Einsatz. Im ersten Wagen müsse sie aber nicht mehr sitzen, sagt Meike Becker.
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Rein in die Schutzkleidung, Helm auf und ab zum Einsatz. Im ersten Wagen müsse sie aber nicht mehr sitzen, sagt Meike Becker.

Meike Becker ist doppelt im Einsatz, bei den Freiwilligen Feuerwehren in Verden und Walsrode.

  • Mit zehn Jahren trat Meike Becker, geborene Dornblut, der Feuerwehr in Düshorn bei.
  • Im Alter von 17 Jahren wurde sie in die Einsatzabteilung aufgenommen.
  • Sie lernte, sich zu behaupten in der damals noch von Männnern dominierten Wehr.

Verden – Kaum vorstellbar: Als Meike Becker, die da noch Dornblut mit Nachnamen hieß, 1989, also im Alter von zehn Jahren, der Jugendfeuerwehr in ihrem Heimatort Düshorn bei Walsrode beitrat, waren die Wehren aus emanzipatorischer Sicht noch Entwicklungsland.

Für sie sei es dennoch schon damals „eine Vollblutentscheidung“ gewesen. Und die hat die gebürtige Walsroderin bis heute nicht bereut. „Mir macht das Thema Feuerwehr richtig Spaß“, sagt sie mit Nachdruck und begründet ihre Begeisterung für dieses Ehrenamt vor allem damit, anderen Menschen helfen zu können. Und auch mit der Kameradschaft in den Wehren.

In der Nachwuchs-Truppe sei sie als Mädchen voll akzeptiert gewesen, berichtet die 41-Jährige. Als sie dann mit 17 in die Einsatzabteilung übertrat, musste sie sich aber erst einmal behaupten. „Die schwierigste Altersklasse waren die 40- bis 50-Jährigen“, erinnert sie sich. „Frauen konnten Kuchen backen oder zum Grillen kommen, das war’s“, beschreibt Meike Becker die damalige Grundhaltung der Herren.

Alles, was ein Mann von meiner Statur kann, kann ich auch.

Meike Becker

Ihr Engagement beseitigte dann aber auch die letzten Zweifel bei den Männern. Zumal Meike Becker ein sehr selbstbewusstes Auftreten hat. „Alles, was ein Mann von meiner Statur kann, kann ich auch“, räumt sie mit dem Vorurteil vom angeblich schwachen Geschlecht auf. Sie sei die erste Frau in der Düshorner Wehr gewesen, „die wirklich akzeptiert wurde“, sagt sie stolz.

Inzwischen nehme sie keine Unterschiede mehr wahr zwischen männlichen und weiblichen Aktiven. Auch die Mischung stimme. Entwicklungspotenzial sieht Meike Becker jetzt eher an anderer Stelle. „Die Feuerwehr müsste die Gesellschaft mehr abbilden“, vermisst sie beispielsweise Vertreter akademischer Berufe in den Reihen der Freiwilligen.

Mit der eigenen Ortswehr sehr verbunden

Was viele Ehrenamtlichen kennzeichnet, ist die große Verbundenheit mit ihrer Ortswehr. Meike Becker ist da keine Ausnahme. Der Freund aus Schwarmstedt, den sie mit 18, 19 hatte, brauchte also gar nicht erst darauf zu hoffen, dass sie zu ihm zöge. „Ich wollte nicht von meiner Feuerwehr weg.“

Mit 23 wechselte sie dann aber doch: von Düshorn zur Schwerpunktfeuerwehr in Walsrode. In dieser Zeit ist sie die meisten Einsätze gefahren, war oftmals im ersten Wagen mit dabei. Das war allerdings nicht nur dem jugendlichen Enthusiasmus geschuldet, sondern ebenso der Tatsache, dass Meike Becker im Feuerwehrhaus wohnte und somit die kürzeste Anfahrt von allen Freiwilligen hatte.

Über die Ortswehr hinaus engagierte sich die junge Frau auf Heidekreis-Ebene. Als stellvertretende Jugendwartin und als Wettbewerbsleiterin der Jugendfeuerwehren.

Kurzzeitige Option: Das Hobby zum Beruf machen

Mit Mitte 20 hat die gelernte Verwaltungsfachwirtin sogar darüber nachgedacht, dass zeitintensive Hobby zum Beruf zu machen. Im Öffentlichen Dienst sei intensiv über einen Stellenabbau diskutiert worden, berichtet sie. Außerdem sah sie als Mitarbeiterin im mittleren Dienst nur wenige Aufstiegsperspektiven.

„Aber was macht die Berufsfeuerwehr?“, fragt sie und gibt selber die Antwort: „Ganz viel Rettungsdienst.“ Eine Freiwillige Feuerwehr jedoch decke alle Themen ab. Das und das Angebot, sich über eine weitere Ausbildung für den gehobenen Dienst zu qualifizieren, machten die Entscheidung leicht.

Seit 2011 Mitglied der Verdener Feuerwehr

Inzwischen ist Meike Becker zur kaufmännischen Leiterin und Prokuristin beim Kommunalservice Böhmetal in Walsrode aufgestiegen und freiwillige Feuerwehrfrau geblieben. In Walsrode, wo sie arbeitet, und seit ein paar Jahren zusätzlich in Verden, ihrem jetzigen Wohnort.

„Feuerwehr ist kein Hobby“, sagt sie. „Es ist eigentlich eine Berufung.“ Diese Einstellung erklärt denn auch den Dienst in zwei Freiwilligen-Wehren. Seit sie 2011 auch bei den Verdenern eintrat, ist sie je nach Aufenthaltsort für die einen oder anderen aktiv. „Die Dienste muss ich natürlich doppelt machen.“

Innenangriff bevorzugt

Geht es zum Einsatz, ist die Löschmeisterin deutlich gelassener als in ihren 20er-Jahren. „Ich muss jetzt nicht mehr auf dem ersten Auto sitzen“, sagt sie lächelnd. Der Innenangriff mit Atemschutz, „als erste ins brennende Haus reinlaufen“, gehört dennoch zu ihren bevorzugten Einsätzen. Ebenso das Organisatorische, das Übernehmen von Führungsaufgaben.

Die hat Meike Becker augenblicklich aber nicht inne. Zu fordernd ist der Beruf. Da bleibt kein Raum für noch mehr ehrenamtliches Engagement. Denn die Latte der 41-jährigen dafür liegt hoch. „Wenn ich was mache, mach ich’s richtig“, ist ihr eigener Anspruch.

Dennoch hat sie sich natürlich im Laufe der Jahre eine gewisse Routine angeeignet. „Wenn der Pieper geht, funktioniert man“, beschreibt sie diesen Automatismus. Doch ganz ohne Tricks geht es nicht.

Seit 2010 lebt Meike Becker in Verden, 2011 trat sie hier der Feuerwehr bei. Seitdem ist sie mal in Verden, mal in Walsrode im Einsatz.

Vor allem die Walsroder Wehr wird häufig zu Einsätzen auf der A 27 gerufen. „Ich kann das ganz gut wegschalten“, sagt sie. „Aber ich wollte auch nie wissen, wie die Betroffenen heißen, um eine gewisse Distanz zu behalten.“

Wenn nach einem Einsatz der Adrenalinspiegel langsam wieder sinke, „dann finde ich es sehr wichtig, wenn man sich zusammensetzt und ein bisschen schnackt“. Im Zweifelsfall bedeutet das auch: nicht einfach zurück zur Arbeit fahren, sondern sich freistellen lassen, bis man psychisch wieder in der Lage dazu ist.

Das Mantra der Ehrenamtlichen

Manche Bilder bleiben dennoch im Kopf. So wie die von dem Tag, als die Walsroder Wehr binnen 24 Stunden elfmal alarmiert worden war. Die letzte Meldung lautete „Der rote Hahn guckt aus dem Dach“. Der Gebäudebrand forderte ein Todesopfer. „Das war so ein Unglückstag“, sagt Meike Becker nachdenklich.

So klingt es denn wie ein Mantra, was sich die Ehrenamtlichen von Zeit zu Zeit ins Gedächtnis rufen müssen: „Wir sind nicht schuld, wenn wir nicht helfen können.“

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