Vorbereitungen laufen – Wenig Hoffnung auf Umsetzung

Domweih Verden: Planen gegen die Wahrscheinlichkeit

Junge Leute feiern auf einem Wagen beim Domweihumzug.
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So ausgelassen feierten die Verdener Schülergruppen und Vereine zuletzt vor zwei Jahren beim Umzug und auf der Festmeile.

Verden – Auf der offiziellen Domweih-Seite der Stadt unter www.domweih.de läuft tapfer der Countdown. Heute sind es noch 85 Tage, bis der Startschuss fällt zur fünften Verdener Jahreszeit. Einen Tag früher als sonst, schon am Freitag, 4. Juni, soll es losgehen. Doch an eine Genehmigung des Landes glaubt derzeit kaum jemand.

Obwohl die Aussichten für eine Domweih 2021 trübe sind, wird im Rathaus weiter vorbereitet. Das gilt für das eigentliche Fest und ebenso für den Umzug, der traditionell den Auftakt des Volksfestes bildet. „Wir planen verhalten“, formuliert es Organisatorin Angelika Revermann vorsichtig.

„Das Signal, dass Verden an der Veranstaltung festhält, ist gut“, weiß Susanne Keuneke das durchaus zu schätzen. „Aber jeder weiß, dass es schwierig ist“, mag auch sie nicht an die Umsetzung des Volksfestes in diesem Jahr glauben.

Domweih: Seit 100 Jahren auf der Verdener Festmeile

Keuneke ist im 20. Jahr Vorsitzende des Vereins der Schausteller und Marktkaufleute Bremen. Rund 160 Betriebe aus der Hansestadt und aus Niedersachsen sind dort organisiert. Nicht wenige kennt man von der Domweih. Der Familienbetrieb Keuneke verkauft bereits seit rund 100 Jahren seine Bratwurst auf der Verdener Festmeile.

Bereits im vergangenen Jahr musste das Spektakel abgesagt werden, nachdem Großveranstaltungen mit mehr als 1 000 Besuchern verboten worden waren. Als kleinen Ausgleich für entgangene Einnahmen ist vorgesehen, das Fest in diesem Jahr um einen Tag zu verlängern.

Aktuell dürfen aber gerade mal fünf Menschen ab 14 Jahren aus zwei Haushalten zusammenkommen. Die Durchführung der Domweih in diesem Jahr erscheint so mehr als unwahrscheinlich. Auch der städtische Marktmeister Patrick Düsselbach kann es sich kaum vorstellen, dass in den kommenden drei Monaten Infektionszahlen und Inzidenzwerte so weit sinken, dass eine Veranstaltung dieser Größenordnung ohne jede Auflage durchgeführt werden kann.

Immerhin: Die Entscheidung darüber, welche Fahrgeschäfte und Stände kommen sollen, hat der Marktausschuss gefällt. Von der kleinen Imbissbude über Pöttjermarkt-Stände bis zum großen Karussell ist alles dabei. Rechtlich sei eine Ausschreibung für 2021 erforderlich gewesen, erklärt Düsselbach. Bei der Vergabe habe sich der Ausschuss aber natürlich an 2020 orientiert.

Zusagen mit Widerrufsvorbehalt für Domweih Verden 2021

Rund 140 Schreiben an die Schausteller und Beschicker sind raus. Alle inklusive Widerrufsvorbehalt. Weil diese Möglichkeit, die Zusage wieder zurückzunehmen, juristisch erst noch einwandfrei formuliert werden musste, seien die Briefe erst im Februar statt wie sonst im Dezember verschickt worden, erklärt der Marktmeister.

Ausgelassen feierten die Verdener zuletzt vor zwei Jahren Umzug und Domweih. Nachdem es vergangenes Jahr ausfallen musste, laufen jetzt die Vorbereitungen für die 2021er-Auflage des traditionsreichen Volksfestes.

Bis zum 15. März müssen die Beschicker wiederum ihre Teilnahme bestätigen. Noch habe er nicht von allen eine Rückmeldung erhalten, begründet Düsselbach, warum er über besonders spektakuläre Fahrgeschäfte keine Auskunft geben möchte.

Die Stimmung ist angespannt

Die Schausteller, von denen er bislang gehört habe, hätten sich jedenfalls gefreut, bestätigt er die Aussage von Susanne Keuneke. „Aber jeder betont, was für eine schwierige Zeit das ist“, ergänzt Patrick Düsselbach. „Da ist die Stimmung schon angespannt.“ Schließlich waren doch für die meisten die Weihnachtsmärkte 2019 die letzte Gelegenheit, Geld zu verdienen.

Susanne Keuneke setzt noch eins drauf. „Viele von uns sind schon seit Oktober im Lockdown“, sagt sie mit Blick auf Fahrgeschäfte wie die Achterbahn. Derlei große Anlagen seien auf den Weihnachtsmärkten ja gar nicht vertreten und daher schon nach dem Freimarkt eingelagert worden. Bei weiterlaufenden Kosten: für den TÜV, der auch prüft, wenn das Karussell nicht in Betrieb ist, für das Anmieten einer Halle. Und vor allem für die Rückzahlung von Krediten.

Leasing gibt es nicht

„Diese Großanlagen müssen immer auf dem neuesten Stand sein“, weiß Keuneke um das Verlangen der Besucher nach dem großen Nervenkitzel. Wer hier verdienen möchte, muss erst einmal kräftig investieren. Leasing gibt es in diesem Metier nicht.

Als sie nun von Patrick Düsselbach hörte, dass die Zahl der Bewerbungen für die diesjährige Domweih gesunken sei, „da sind bei mir die Alarmglocken angegangen“. Denn dafür gebe es nur zwei mögliche Gründe, so die 54-Jährige. Wobei der Gedanke, dass ihre Kollegen es versäumt hätten, Interesse zu bekunden, kaum wahrscheinlich sei. Realistischer ist nach Ansicht der Domweih-Beschickerin, „dass einige schon Opfer der Pandemie geworden sind“.

Rückmeldungen über Konkurse liegen ihr noch nicht vor. Gehört hat die Vorsitzende vielmehr von Kollegen, die sich beruflich umorientiert haben. Einer starte gerade mit einer Kneipe auf Helgoland durch. Andere nutzten ihren Lkw-Führerschein und verdingten sich als Fahrer.

Insgesamt blickt Susanne Keuneke aber mit Sorge auf ihre Branche, die sich in vier Bereiche aufteile. Auf der einen Seite die Betreiber der kostenintensiven Großanlagen; die Alt-Schausteller, die oftmals fast nichts in die Renten- oder Lebensversicherung eingezahlt hätten; die Schausteller mittleren Alters, die Eigentum angeschafft und die Ausbildung ihrer Kinder zu finanzieren hätten. Auf der anderen Seite „die ganz kleinen Schausteller“, wie Keuneke sie nennt. Sie seien die einzigen, die sich derzeit mit der Grundsicherung über Wasser halten könnten.

Info-Börse und Kummerkasten-Tante

Für alle ist die Vereinsvorsitzende in den vergangenen Monaten Informationsbörse und Kummerkasten-Tante gewesen. „Es war ein sehr arbeitsreiches Jahr“, blickt sie auf 2020 zurück und weiß gleichzeitig, dass es noch geraume Zeit so bleiben wird.

So gilt es beispielsweise, Alternativen zu den Volksfesten zu entwickeln wie die sogenannten Pop-up-Parks, zeitlich begrenzte Freizeitparks wie den Bremer „Freipaak“.

Pop-Up-Park geht in Verden nicht

Einen Plan B zur Domweih gibt es aber nicht, so Patrick Düsselbach. Er habe sich schon mal die Hygienepläne genauer angesehen, wie sie für den „BruVi-Park“ und den „Freipaak“ erstellt worden sind. Eine Domweih nach diesem Prinzip auf einem eingezäunten Terrain sei aber nicht möglich. Das bestätigt auch Susanne Keuneke. „Das in Verden ist eine Örtlichkeit, die nicht zu begrenzen ist.“

Die Nachfolge vom langjährigen Marktmeister Rüdiger Nodorp hat Düsselbach sich wahrlich anders vorgestellt. Schon im vergangenen Jahr musste die mit der Aufgabe verbundene „Insigne“, das lange Meterband, mit dem die Stellplätze eingemessen werden, in der Schublade bleiben. Ob es dieses Jahr zum Einsatz kommt?

Unbeantwortet bleibt auch die Frage danach, bis wann feststehen muss, ob es 2021 eine Domweih gibt. „Es gibt nicht den Tag X“, so der Marktmeister. Mit Sicherheit sagen kann er nur, dass der Vorlauf hier länger als drei, vier Tage sein wird. Das ist den Zeiten geschuldet, die der Aufbau mancher Karussells in Anspruch nimmt.

Wenn denn nach der Bremer Osterwiese auch die Verdener Domweih abgesagt werden sollte, so wünscht sich Susanne Keuneke zumindest, dass die Verantwortlichen zu diesem Zeitpunkt nicht auch schon die Herbstmärkte anfassen. Ihre Devise: Hoffen und auf Sicht fahren.

Von Katrin Preuss

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