Dominformationsdienst bietet eindrucksvolle Dachstuhl-Führungen

Wald von Eichen verbaut

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Mutet an wie ein großer Felsen: das Gewölbe des Doms, von oben betrachtet.

Verden - Immer wieder mittwochs, um 18 Uhr, führen Ehrenamtliche des Dominformationsdienstes interessierte Besucher durch das ehrwürdige Bauwerk. Die ungewöhnlichen Einblicke, die es jetzt gab, hat der Infodienst aber nicht alle Tage zu bieten, ging es doch mit vielen Gästen in den Dachstuhl des Doms.

Wer die enge Wendeltreppe mit den 99 Stufen erklommen hatte, dem bot sich auf dem Dachboden ein imposanter Anblick. Faszinierend das Gewirr der teils mehrere Jahrhunderte alten Eichenbalken. „Hier wurde ein ganzer Wald aus Eichen verbaut. Einige Balken stammen sogar aus der Zeit des Baubeginns im Jahr 1290“, erklärte Konrad Rudolph vom Dominformationsdienst.

Schon als der Grundstein für den Dom gelegt wurde, hatte der Baumeister eine genau Vorstellung, wie er das Dachwerk ausführen wollte. Die für die damalige Zeit revolutionäre Idee sah vor, dass sich das Dach, anders als bei Kirchenbauten mit einem basilikalen Querschnitt, über den gesamten Kirchenraum spannen soll. Damit das funktioniert, war ein aufwendiges Traggerüst notwendig. Innere Fachwerkwände unterstützten deshalb die 30 Meter langen Sparren ziemlich genau auf deren Hälfte, so dass die Hölzer aus zwei Teilstücken zusammengefügt werden konnten.

Da der Holzverbrauch so gewaltig war, wurden die Eichenstämme mittels Flößen auch aus entfernten Regionen herbeigeschafft. Markierungen, die beim Flößen angebracht wurden, kann man noch heute im Dachstuhl erkennen. „Der Transport durch das Wasser machte die Hölzer gleichzeitig unempfindlich gegen den Holzwurm“, erläuterte Rudolph.

Nachweislich 1306/07 wurde der erste Bauabschnitt fertiggestellt. Bereits 1312 kamen die Arbeiten durch Geldmangel ins Stocken. Durch die finanzielle Unterstützung der Verdener Bürger konnten die Arbeiten 1326/27 bis zum 5. Joch vorangetrieben werden. Erst 1479 wurde das gesamte Kirchenschiff fertiggestellt.

Alle zeitlichen Unterbrechungen lassen sich noch heute am Gefüge deutlich ablesen, denn an den Übergängen ist der Längsverband der Hölzer unterbrochen. An diesen Stellen lassen sich auch Reste der sogenannten Notgiebel erkennen.

„Das Erstaunliche ist, dass es nie eine Planänderung gab. Die Zimmerleute haben sich exakt an dem ersten Plan orientiert“, so Rudolph. Daher gibt es praktisch keinen Unterschied zwischen den drei Bauphasen. Durch die unterschiedlichen Systeme der Zimmerzeichen an den Hölzern lässt sich aber die zeitversetzte Ausführung erkennen.

Doch nicht nur der Dachstuhl faszinierte, eine seltene Perspektive bot auch der Blick auf das mächtige Gewölbe des Doms. „Das Gewölbe wurde erst nach Fertigstellung des Dachstuhls eingeschalt“, berichtete Rudolph. Schon damals wusste man sich optischer Täuschungen zu bedienen. Um Länge zu suggerieren, hat das Gewölbe über dem Altar die geringste Höhe. Die Differenz zum Turm beträgt 1,60 Meter.

ahk

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