Aktion angehender Abiturienten

Domgymnasium: Mitschüler bei Faschingsfeier mit Hakenkreuzen bemalt

Verden - Von Volkmar Koy. Unglaublich, aber wahr. „Bei der Verdener Vorzeigeschule läuft offenbar nicht alles rund“, schreibt uns ein Elternteil. Was war geschehen? Angehende Abiturienten haben am Rosenmontag die Gesichter jüngerer Schüler unter anderem mit Hakenkreuzen bemalt. Der kommissarische Schulleiter Michael Spöring bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung diesen Vorgang.

Einzelne Gesichter seien angemalt worden. Anlass war die Faschingsaktion der Schule. Das sei in keiner Weise tolerierbar, betonte Spöring, der sich von dem Verhalten einzelner Schüler klar distanzierte. Inzwischen habe es dazu eine Jahrgangsversammlung gegeben, bei der Spöring die Folgen dieses Verhaltens nach eigener Aussage aufgezeigt habe. 

Obwohl der Nachweis einer tatsächlichen politischen Äußerung in Richtung rechte Gesinnung nicht festgestellt worden sei, könne das für die angehenden Abiturienten durchaus Folgen haben. Ein Scherz sei das schon gar nicht, betonte Spöring.

„Das versteht überhaupt keiner“

Augenscheinlich könnte das, was am Rosenmontag auf dem Schulhof geschehen ist, vorrangig unter der Kategorie „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ eingeordnet werden. Zumal einzelne Hakenkreuze auch noch verkehrt herum aufgemalt worden seien. „Das versteht überhaupt keiner“, so Spöring, die Jüngsten erst recht nicht. Genau die aber sind mit Fragen nach Hause gekommen, was wohl Eltern mit Entsetzen zur Kenntnis genommen haben. 

Ohne Nachdenken hätten einige wenige aus dem Abiturjahrgang zum Farbstift gegriffen. „Von angehenden Abiturenten kann man das Überlegen aber erwarten“, sagte Spöring unmissverständlich. Noch einmal: Eine politische Gesinnung könne er zum jetzigen Zeitpunkt ausschließen. 

Auch der Jahngangssprecher hat in einem Schreiben an seine Mitschüler, das der Redaktion vorliegt, inzwischen reagiert. „Es ist nicht zu entschuldigen, dass so etwas vorgefallen ist, und wir haben alle, die sich dazu, aus welchen Gründen auch immer, haben hinreißen lassen, aufgefordert, sich bei den Eltern der Schüler und den Betroffenen zu entschuldigen“, heißt es da. 

„Das Geschehene entspricht keinesfalls unserem Naturell“

Und weiter: „Gerade als Schule, die sich zu den Werten und Zielen der Unesco verpflichtet hat, stehen wir zu der Geschichte unseres Landes und möchten einen Anteil daran haben, aufzuklären und das Dritte Reich in jeglicher Form abzulehnen. Als Jahrgang stehen wir geschlossen für bestimmte Werte wie Weltoffenheit und Toleranz ein, und das Geschehene entspricht keinesfalls unserem Naturell, unserer Einstellung oder unserer Meinung.“ 

Wer Sympathien für das Dritte Reich, den Nationalsozialismus oder Symbole der NSDAP hege, habe keinen Platz „in unserem Jahrgang“. Gleichzeitig wehre er sich aber gegen eine pauschale Verurteilung „unseres Jahrgangs“, so der Sprecher abschließend.

Rubriklistenbild: © Archivfoto: Markus Wienken

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