Zweite „Night of Light“: Veranstaltungsbranche setzt ein Zeichen

„Alarmstufe Rot“ am Verdener Dom

Zwei Männer auf einer Parkbank, im Hintergrund der Verdener Dom.
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Gemeinsam mit Kollegen aus der Veranstaltungsbranche wollen Daniel Brettschneider (l.) und Max Arlt am Dienstag den Dom in Rot erstrahlen lassen. Dass sie das dürfen, dafür sind sie der Domgemeinde überaus dankbar, ebenso den Stadtwerken, die für die Aktion Verteilerkästen bereitstellt, und der Stadt für die Genehmigungen.

Die „Alarmstufe Rot“ rief die Veranstaltungsbranche erstmals im Juni 2020 aus. Um auf die coronabedingten Nöte der Menschen aufmerksam zu machen, die hinter den Kulissen Kultur erst ermöglichen, wurden bundesweit markante Gebäude rot angestrahlt. Jetzt, ein Jahr später, hat sich an der schlechten Situation nichts geändert. Und wieder leuchten Gebäude in Signalrot, auch in Verden.

Verden – Ein Jahr ist es her, da gruben sich Sorgenfalten in die Stirn von Daniel Brettschneider. Dabei hatte der Veranstaltungstechniker im Juni 2020 noch darauf gehofft, seine Arbeit zum Herbst wieder aufnehmen zu können. Stattdessen befinden er und seine Branche sich seit mittlerweile 15 Monaten im Lockdown.

Nach wie vor gilt für die Menschen, die Kultur mit ihrem Know-how und ihrem Equipment erst möglich machen: „Alarmstufe Rot“. Und so sollen bei der zweiten „Night of Light“ am 22. Juni, 22 bis 1 Uhr, erneut Gebäude in der Signalfarbe erleuchtet werden. In Verden werden Brettschneider und sein Kollege Marian Rohlfing vom Team Selfmade, Max Arlt von Max Music, Nils Kamermann von der SLK Veranstaltungstechnik sowie Christoph Mahlstädt und das HESK Team das Rathaus und den Dom dramatisch in Szene setzen, um die Öffentlichkeit auf die Nöte ihrer Branche hinzuweisen.

Die „Night of Light“ stellen die Organisatoren unter das Motto „#AlleLichtMachen“, geht es doch darum, Solidarität zu bekunden. Innerhalb und mit der Veranstaltungsbranche. So kann jeder, der möchte, einen Scheinwerfer mieten und sein Haus ebenfalls anstrahlen lassen. Wer auf andere Weise unterstützen möchte, sollte darüber nachdenken, für die Feier mal einen DJ anzuheuern und eine professionelle Beschallung zu buchen. „Jede private Gartenparty hilft“, sagt Daniel Brettschneider.

„Vom selbstständigen, gut laufenden Betrieb zum Tagelöhner“, beschreibt Max Arlt seine Situation voller Bitterkeit. Der 55-Jährige ist seit 1984 im Geschäft, bietet Ton und Technik für kleine Clubkonzerte, aber auch für große Open-Air-Festivals. So sie denn stattfinden.

Bei der ersten „Night of Light“ vor einem Jahr war das Domgymnasium in rotes Licht getaucht.

In Verden gebe man sich „große Mühe, uns am Leben zu halten“, sagt Arlt, der beim Domplatz-Festival des Vereins Verdener Jazz- und Blues-Tage endlich wieder einen größeren Einsatz hat. Für den Lebensunterhalt reicht das aber nicht. Ebenso wenig wie die staatliche Förderung. Und darum werde er „wahrscheinlich erst mal hauptberuflich was anderes machen“, so der Arlt.

Daniel Brettschneider bildet gemeinsam mit Marian Rohlfing das Team Selfmade Veranstaltungstechnik. Zwar „nur“ als Kleingewerbe. „Trotzdem will ja auch der Nebenerwerb erhalten bleiben“, sagt Brettschneider.

Den 23-Jährigen trifft der Lockdown doppelt hart. Denn hauptberuflich arbeitet der Verdener für eine große Bremer Veranstaltungsagentur und ist seit mehr als einem Jahr in Kurzarbeit. In den vergangenen Monaten ist er daher Lkw gefahren, hat auf Baustellen gejobbt. Nun schiebt er die Steuererklärung für 2020 vor sich her, voller Angst vor dem Fiskus und seinen Forderungen, die aus der Kurzarbeit resultieren.

Und so richtet sich die Kritik der Veranstaltungsbranche gegen die große Politik. „Perspektiven erhalten“, lautet das erklärte Ziel der zweiten „Night of Light“. Es bezieht sich auf die Regelung des Neustarts durch die Politik, aber auch auf bessere Überbrückungshilfen.

Denn trotz aller Bekenntnisse zur hohen Bedeutung der Kultur, bei den Machern kommt nichts an. Max Arlt bringt es auf den Punkt: „Man hat uns aus der Notwendigkeit des Seins gestrichen.“

Von Katrin Preuss

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