Finaler Schlag vorgeführt

Dörverdener Tötungsprozess: Zeuge schildert im Landgericht Tatumstände

Verden - Nach vier Verhandlungstagen wird der Verdener Landgerichtsprozess um den Tod eines 42-Jährigen in der Silvesternacht 2015/2016 in Dörverden am 14. Juli fortgesetzt. Zuletzt hatte ein 62-Jähriger aus Wahnebergen eindrucksvoll in der vergangenen Woche seine Beobachtungen geschildert.

Der Landwirt hatte in jener Nacht Familienangehörige abholen wollen. Am Ort des Geschehens habe er mehrere Leute draußen stehen gesehen. „Die standen schon in der Kirchstraße. Es sah aus wie eine lustige Truppe“, sagte der Wahneberger aus. Dann habe er Tumulte weiter unten in der Straße bemerkt.

Auf dem Weg dorthin sei ihm das Opfer, ein Freund, entgegengekommen. Kurz habe man sich begrüßt, dann sei er weiter in Richtung Tumult gegangen. Frauen hätten sich gerade lautstark beleidigt. Darunter seine Schwester, die sich aber von ihm „widerwillig abführen ließ“, berichtete der 62-Jährige.

Angeklagter will schlichten 

„Es gab wieder Geschrei und sie hat sich losgerissen.“ Die 50-Jährige sei auf einen Zeugen losgegangen. Der habe sie abgewehrt, aber nicht geschubst, betonte der Zeuge. „Sie hat verlangt, ich solle den prügeln, da habe ich gesagt, bist Du bescheuert?“ Mit Unterstützung seines Sohnes und seines Schwagers sei es gelungen, die Frau ins Auto zu verfrachten. Als er dann noch nach dem Opfer und dessen Freundin sehen wollte, seien mehrere Personen angelaufen gekommen.

„Einer wollte das Auto öffnen. Ich glaube, das war der hier vorne, aber ganz sicher bin ich mir nicht“, sagte der Zeuge und zeigte auf einen 30 Jahre alten Angeklagten aus Hodenhagen. „Der schien mir ganz besonnen und wollte schlichten. Davon bin ich überzeugt“, merkte der Landwirt an. Laut Anklageschrift soll der 30-Jährige später allerdings den finalen Schlag mit einer Schreckschusswaffe gesetzt haben.

Streit wird chaotischer

Es habe wieder Tumult gegeben und jemand habe geschrien: „Der nicht, das ist mein Nachbar“, schilderte der Zeuge und demonstrierte, wie er vor seinem Auto gestanden habe. „Ich habe erwartet, dass die über mich herfallen und meine Schwester rausholen.“ Das spätere Opfer sei dazu gekommen. „Er hat sich mit den Händen auf die Motorhaube gestützt und zu den Leuten gesagt: Ihr wollt doch wohl keine Frau schlagen.“

„Dann sind zwei gekommen und haben angefangen, auf ihn einzuprügeln. Das ging blitzschnell, der war umzingelt und bekam Prügel von allen Seiten.“ Nach seiner Erinnerung seien es fünf Männer gewesen. Ob es die fünf miteinander verwandten Angeklagten aus Dörverden, Verden, Grethem und Hodenhagen waren, konnte der Zeuge nicht sagen. 

„Er war eingekreist und bekam von allen Seiten Schläge“, schilderte der Landwirt weiter. Schließlich sei das Opfer in die Knie gegangen. Der Zeuge stand auf und demonstriert im Gerichtssaal, direkt vor den Augen der Mutter des Getöteten, das weitere Geschehen.

Zeuge beschreibt tödlichen Schlag

Der 62-Jährige griff dabei nach hinten an den Hosenbund und tat so, als würde er etwas herausziehen. Dann holte der Zeuge weit nach hinten aus, sprang in die Luft und demonstrierte einen kraftvollen Schlag nach vorne. „Das war so ziemlich die letzte Aktion, die er ertragen musste“, sagt er über seinen Freund. „Ich war geschockt.“

Das Opfer sei danach über die Straße getaumelt. Er selbst habe seinen Wagen gewendet. Er habe den verletzten Freund „eintüten“ wollen und dann nichts wie weg. Sein Schwager sei ausgestiegen und zum Opfer gelaufen. „Er hat seinen Kopf gehalten“, schilderte der Zeuge. Dann hätten sie auf den Rettungswagen gewartet. Auf dem Weg ins Krankenhaus ist das 42 Jahre alte Opfer gestorben. 

Panne bei Prozessauftakt

Für die fünf Angeklagten aus dem Landkreis Verden und dem Heidekreis, die mit insgesamt sieben Verteidigern zum Prozessauftakt kamen, fand das Verfahren Anfang Juni zunächst ein vorläufiges Ende. Richter und Verteidiger hatten verschiedene Anklageschriften erhalten. 

wb

Rubriklistenbild: © dpa

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